Siah Armajani

Anarchistische Beiträge 1962–1994

07.02.-10.03.1996


Eröffnung: 06.02.1996, 19 Uhr
Kuratiert von: Peter Weibel

In Zusammenarbeit mit Villa Arson (Nizza) und Musee d´Art Moderne et Contemporain Genf


Manifest

 

Die öffentliche Plastik im Kontext der amerikanischen Demokratie. "Ich befasse mich mit dem Gewöhnlichen, erforsche das Vertraute. Niedrige (. . .) Gebt mir Einblick in die Gegenwart, und ich sage Euch, wie die Vergangenheit und die Zukunft sind."
Emerson

 

1. Die öffentliche Plastik ist eine logische Fortsetzung der Moderne und der durch die amerikanische Revolution gemäßigten und bestimmten Aufklärung.
2. Die öffentliche Plastik ist ein Versuch zur Entmystifizierung der Kunst.
3. Die öffentliche Plastik hat weniger mit dem Selbst-Ausdruck und dem Mythos des Künstlers, als vielmehr mit dem Bürgersinn zu tun. Die öffentliche Plastik beruht auf einer Philosophie, die danach trachtet, sich von der Alltäglichkeit des Alltags abzuheben.
4. Die öffentliche Plastik ist die Verkörperung des Könnens des Künstlers oder der Künstlerin, und daher hat der Künstler als Autor seinen Platz in der Gesellschaft. Das Soziale und das Kulturelle müssen die künstlerische Praxis unterstützen.
5. Die öffentliche Plastik ist eine Suche nach der Kulturgeschichte, die an die strukturelle Einheit zwischen dem Objekt und seinem sozialen-räumlichen Rahmen appelliert. Sie sollte offen, verfügbar, nützlich und allgemein gültig sein.
6. Die öffentliche Plastik eröffnet einen Blickwinkel, aus dem wir das soziale Konstrukt verstehen können.
7. Die öffentliche Plastik versucht, den Abgrund, der sich zwischen Kunst und Öffentlichkeit auftut, zu schließen, um Kunst wieder öffentlich und die Künstler wieder zu Bürgern zu machen.
8. Die öffentliche Plastik ist im allgemeinen nicht das Ergebnis eines bestimmten Stils oder einer bestimmten Ideologie; sie erhält erst durch ihre Wirkung in konkreten Situationen einen eigenen Charakter.
9. Die öffentliche Plastik hat eine bestimmte soziale Funktion. Sie hat sich von der monumentalen, ortsgebundenen Plastik im Freien in eine Plastik mit sozialen Inhalten verwandelt. Dadurch hat sie ein neues Territorium hinzugewonnen, durch das das Feld für soziale Erfahrungen vergrößert wird.
10. Die öffentliche Plastik glaubt, dass Kultur geographisch identifizierbar sein muss. Die regionalität muss als Wert verstanden werden, wie das in der Politik der Fall ist. Warum nicht auch in der Kultur?
11. Die öffentliche Plastik ist nicht nur eine künstlerische Schöpfung, sondern auch das Ergebnis einer sozialen und künstlerischen Produktion, die auf konkrete Bedürfnisse zurückzuführen ist.
12. Die öffentliche Plastik ist eine Gemeinschaftsproduktion. Nicht nur der Künstler hat am Werk Anteil, sondern auch andere. Die Ehre des Schaffens allein dem Künstler zuzuschreiben, wäre irreführend und falsch.
13. Öffentliche Kunst ist nicht vornehm, sondern missionarisch.
14. Die ethischen Dimensionen der Künste sind weitgehend verloren gegangen, und nur durch eine neue Beziehung mit einem nichtkünstlerischen Publikum können sie wieder in die Kunst Eingang finden.
15. Wir verstehen die öffentliche Plastik nicht als eine im räumlichen Sinn von vier mauern umgebene Sache, sondern als werkzeug zum Handeln.
16. Der Ort selbst hat zwar einen Wert für sich, aber wir sollten uns möglichst wenig um den Ort kümmern.
17. Die öffentliche Plastik ist nicht dazu da, Architektur im Innen- oder Außenraum aufzuwerten, noch ist Architektur dazu da, für die öffentliche Plastik im Innen- oder Außenraum eine Behausung abzugeben. Architektur und Plastik sind einander Nachbarn.
18. Kunst und Architektur haben eine unterschiedliche Geschichte und eine unterschiedliche Methodik und sprechen verschiedene Sprachen.
19. Die Verwendung der Adjektiva architektonisch in der Bildhauerei und bildhauerisch in der Architektur, um Analogien, Vergleiche, Metaphern, Gegensätze oder Ähnlichkeiten zwischen der öffentlichen Plastik und der Architektur festzustellen, ist nicht mehr angemessen und deshalb nicht mehr zulässig.
20. Die öffentliche Plastik räumt mit der Anspielung, der Illusion und der metaphysischen Hypothese auf, denen zufolge der Mensch nur ein geistiges Wesen sei, das irrtümlich auf die Erde geraten sei. Wir sind da, weil wir hier und nirgends sonst wohnen.
21. Der öffentliche Raum ist dort ein begriff, wo ein Eingriff stattfindet. Zwischen öffentlichem Raum und Leben in der gemeinschaft besteht notwendigerweise ein Zusammenhang.
22. Die öffentliche Plastik ist von einer bestimmten Interaktion mit dem Publikum abhängig und beruht auf ein paar gemeinsame Postulaten.
23. Die öffentliche Plastik hat ihre Grenzen. Auch die Naturwissenschaften und die Philosophie haben ihre Grenzen.
24. Die öffentliche Plastik sollte das Publikum nicht einschüchtern, provozieren oder beherrschen. Sie sollte einen bestehenden Ort akzentuieren.
25. Durch die Betonung der Nützlichkeit wird die öffentliche Plastik zu einem Werkzeug für die Tat. Wir lehnen daher die Kant'sche Metaphysik und die Idee, dass Kunst nutzlos sei, ab.
26. Die öffentliche Plastik lehnt die Idee der Universalität der Kunst ab.

 

In Zusammenarbeit mit der Villa Arson, Nizza und dem musée d'art moderne et contemporain, Genf.

Neue Galerie Graz

Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten

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Überblicksführungen
Sa, So, Feiertag, 14 Uhr (de), So, 11 Uhr (en). Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung.

Öffnungszeiten der Bibliothek
Di und Do 10-15 Uhr sowie nach Vereinbarung

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