David Reed

Neue Malereien für den Spiegelsaal und Studien

21.06.-28.07.1996


Eröffnung: 20.06.1996, 19 Uhr
Kuratiert von: Günther Holler-Schuster

Artist in Residence


"I started, for it amazed me that I had not seen him, since the reflection of the glass covered the whole room behind me."

Jonathan Harler's Journal, Dracula, Bram Stoker, 1887

David Reed verwendet in seinen neuesten Bildern nicht mehr, wie früher, barocke Farben, sondern eine Art „milchiges Technicolor‘, die gleichzeitig membranartig und Solaris-getrieben wirkt. Das heißt, diese wirken jetzt im wahrsten Sinne des Wortes filmisch und monströs, wenn sie in eine unbestimmte Umlaufbahn eintreten. Farbe, die (durch ihre teleskopische Positionierung verschwommen) gleichzeitig von einer Raumstation aus und von einem durch einen Vampirbiss in Hitze geratenen Nachtwandler wahrgenommen wird — vom objektiven Blick des Wissenschaftlers und vom Gefühl, das entsteht, wenn sich Zähne in warmes Fleisch graben. Nicht so ganz „solaristisch“, da es sich nicht um ein ganzheitliches System handelt, übertragen Reeds Farben rätselhafte Daten an den Betrachter, der entsandt wurde, um den „Status“ der Mission zu bewerten. Wie das Solaris-Meer wirbeln diese Farben, Gedankennebeln gleich, die die Grenze zwischen toter und lebendiger Materie langsam verwischen, und eine Art Untotheit hervorbringen; einen vampiristischen Zustand, der ohne die prekären Schlafgewohnheiten des Betrachters nicht denkbar wäre. Aus diesem monströsen Zusammenspiel der Kräfte, wenn das Blut dünner rinnt und das Wirbeln der Farben nachlässt, entsteht eine Schwerelosigkeit, aus der die „Sujet-Entität“ auf eine Reihe von Großdrucken und Schneebilder geschleudert wird, die an die Bullaugen der Solaris-Station geklebt sind. Entzücken und Abscheu vor den Farben, die offenbar für Possen im Boudoir bestimmt waren, wechseln (trotz der durch unechte Spiegel und Funkkontaktunterbrechungen erzeugten Wahrnehmungslücken) in so rasendem Tempo, dass  jede Logik oder Linearität unmöglich wird.

 

Michael Madore

 

Zur Ausstellung erscheint ein Buch mit Texten von H. Loreck, M. Madore, D. Reed und P. Weibel in deutscher und englischer Sprache.

Neue Galerie Graz

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