Collector´s Choice

Internationale Kunst seit 1950. Sammlung Ploil, eine Auswahl

10.03.-25.08.2002


Eröffnung: 09.03.2002, 15 Uhr

Konzeption: Georg Kargl, Peter Weibel

Organisation: Gudrun Danzer

Podiumsdiskussion: Sammlungspolitik zwischen privater Passion und öffentlicher Verantwortung, 05.07.2002, 19 Uhr, Neue Galerie Graz


Seit Jonathan Richardson 1719 in seiner Schrift "An Essay on the Whole Art of Criticism as it Relates to Painting and an Argument in Behalf of the Science of the Connoisseur" die Wissenschaft des Kenners rühmte, wird der wirkliche Sammler mit dem Anspruch des Kenners identifiziert. Als solcher ist der Privatsammler von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Kunst. Er hat eine katalytische Funktion, er beeinflusst andere Sammler, den Kunstmarkt und die öffentlichen Museen. Sammlermuseen tragen dieser Bedeutung zunehmend Rechnung. In Österreich haben wir schon drei bedeutende Privatsammlungen, die als Stiftungen öffentliche Museen sind. Die private Passion des Sammelns übernimmt also in entscheidendem Ausmaß die von der Politik desertierte Verantwortung, die Verpflichtung von Generationsverträgen. Museen und Sammler sind Teil des Support-Systems, das dafür sorgt, dass die Werke lebender und toter Künstler nicht verschwinden. Private Sammler sind bei dieser Aufgabe eine unersetzliche Hilfe für jedes Museum. Die Zusammenarbeit von Sammler und Museum bildet mehr denn je die Zukunft. Die Neue Galerie arbeitet daher schon seit vielen Jahren mit Sammlern zusammen. Einer von ihnen ist der Wiener Rechtsanwalt Ernst Ploil. Die Neue Galerie erhält demgegenüber Leihgaben, deren Anschaffung sie sich selbst nicht leisten könnte. Insbesondere im Bereich der klassischen Neo-Avantgarde - etwa Ad Reinhardt, Morris Louis oder Dan Flavin - besitzt Ploil Werke, die kaum ein österreichisches Museum und daher auch nicht die Neue Galerie anschaffen könnte.

Die Passion des Privatsammlers ist größer als das Engagement der Politik. Daher erwirbt er die Meisterwerke, deren Besitz für die Kalibrierung von Qualität und Innovation Voraussetzung ist. Das Archiv ist die zentrale Instanz der Moderne, an der geschichtliche Erfahrung und Utopie ausgebildet wird. Leider ist es nicht der Staat, der im Gegenteil Kompetenzen zerstört, sondern ist es der Sammler, der Kompetenz aufbaut und Archive der Qualität errichtet.

Diese Ausstellung zeigt eine Auswahl jener Werke, die über Jahre hinweg im Dialog mit der Leitung der Neuen Galerie erworben worden sind. Die ausgestellten internationalen Werke wie auch die Arbeiten österreichischer KünstlerInnen bieten in ihrer Stringenz und Qualität ein eindrucksvolles Bild der modernen Kunst.

Die Auswahl zeigt eine durch die Postmoderne gefilterte Wahrnehmung der Moderne. Kontextuelle Praktiken, welche im Weißen Würfel einer rein formalen Ästhetik der Moderne mit spezifischen sozialen Erfahrungen intervenieren (Christian Philipp Müller, Gordon Matta-Clark, Dan Graham etc.), lassen die kritische Kraft von Inkunablen der Neo-Moderne (wie Ad Reinhardt, Dan Flavin) neu erstehen. So wird die aufklärerische Relevanz von zeitgenössischer Kunst nicht von der ästhetischen Erfahrung entkoppelt, und die ästhetische Erfahrung geht nicht ihrer erkenntnistheoretischen Relevanz verloren. Die kategoriale Residenz der Kunstwerke ist ebenso offen wie ihre Handlungsfelder: ob (Möbel-) Skulptur (Thomas Locher, Damien Hirst), Installation (Julia Scher), Gemälde (Elizabeth Peyton), Fotografie (Cindy Sherman, Louise Lawler), vertreten sind alle Medien und Gattungen der Künste. Ein kritischer und analytischer Gestus überwiegt. Abstraktion und Formbegriff dienen nicht der Restaurierung obsoleter Positionen und der Verteidigung ästhetischer Ermattung, sondern der Schärfung der Beobachtung und der Theorietradition der Moderne. Es handelt sich also bei dieser Ausstellung um eine kritische Selbstvergewisserung moderner Kunstformen auf höchstem Niveau.

Neue Galerie Graz

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T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

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