„Der Mensch als Mittler zwischen Geist und Erde“

„Der Mensch als Mittler zwischen Geist und Erde“ war das zentrale Thema von Rudolf Szyszkowitz. Er initiierte die „religio“-Ausstellungen, die sich christlichen Themen widmeten und 1961 sowie 1965 im Grazer Künstlerhaus stattfanden. Gemäß seinen Zeitgenossen besaß Szyszkowitz eine „tiefinnerliche Beziehung zur Religion als dem Inbegriff alles dessen, was ,überirdisch‘ im weitesten Sinn dieses Wortes ist und für den Kontakt zwischen Geist und Erde eines schöpferischen Mittlertums des Menschen bedarf.“
(„Sonderausstellung Rudolf Szyszkowitz’ im Joanneums-Ecksaal 1957“, Kleine Zeitung, Graz, 17. November 1957.)

Damit war das Beziehungsdreieck zwischen der christlichen Thematik, dem Menschen in seiner Transzendenz und seiner physischen Erscheinung sowie seiner Darstellung im Rahmen der gegenständlichen Kunst in Szyszkowitz’ Werk gefestigt.

Seine künstlerische Position war jedoch umstritten, seine enge Verbindung zur Kirche galt aus der Sicht der Avantgarde als reaktionär. Generell wurde die Kirche wegen ihrer widersprüchlichen politischen Rolle in der Zwischenkriegs- und NS-Zeit kritisiert. Zugleich musste Szyszkowitz die modernen Ansätze seines Werkes auch gegenüber seinen Auftraggebern verteidigen. Sein für die Kapelle des Sanatoriums der Kreuzschwestern in Graz geschaffenes Altarbild Leiden Christi und Mariens sorgte etwa bei der Eröffnung für einen Eklat. Die streng stilisierte Sgraffitoarbeit wurde auf Anweisung des Diözesanbischofs Ferdinand Pawlikowski entfernt, für ihn war das Werk „zu modern und für die Gläubigen unverständlich“.
(Gudrun Danzer, in: Christa Steinle, Gudrun Danzer (Hg.), Rudolf Szyszkowitz 1905–1976, Graz 2006, S. 85.)

Dieses Ereignis schlug Wellen, die bis ins Ausland reichten: Die Münchner Zeitschrift „Das Münster“ befasste sich ausführlich mit dem Fall und argumentierte für den Künstler: „Die Frage (...): hat christliche Kunst der Zeit einen Platz in der Kirche? (...) ist längst zugunsten der modernen Kunst entschieden worden, wie die zahlreichen neuen Kirchenbauten zeigen.“
(„Umstrittene Moderne in steirischen Kirchen“, Neue Zeit, Graz, 6. Mai 1955.)

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