C.R.E.A.M.

Cash rules everything around me

22.11.2017-22.11.2020



Cash rules everything around me
C.R.E.A.M.
Get the money
Euro euro bill, y’all



Geldautomat als Skulptur
Der Wunsch nach einem Bankomaten war seit Jahren ein Anliegen vieler Kunsthaus-Besucher/innen sowie der ansässigen Geschäfte. Dabei ist der neue Bankomat mehr als nur eine einfache Geldbehebungsmaschine: Unter dem Titel C.R.E.A.M. – angelehnt an den Song der Hip-Hop-Gruppe Wu-Tang Clan – hat die dänische Künstlergruppe Superflex das Erscheinungsbild des Geldautomaten entsprechend verändert: Komplett verchromt und ins Zentrum des Foyers gesetzt, wird der Automat zur leuchtenden Skulptur, zum Fetisch und zur Geldbehebungsmaschine gleichermaßen.

Durch die Verkleidung mit Chrom bekommt der Bankautomat selbst etwas Immaterielles und bleibt doch ein seltsam anmutendes materielles Objekt, er wird selbst zum aufgeladenen Fetisch der Konsumwelt und bleibt doch ein schnödes, billig wirkendes Objekt, das an einen Spielzeugautomaten denken lässt“, wie Barbara Steiner weiter ausführt.


Cash rules everything around me
Unübersehbar neben dem glanzvollen Geldautomaten ist der Refrain des provokativen Songs C.R.E.A.M. („Cash rules everything around me“) platziert. In unregelmäßigen Abständen läuft dieser auch auf der hauseigenen BIX-Fassade. Mit dem Zitat des Songs der bekannten Hip-Hop-Gruppe Wu-Tang Clan verbindet Superflex den Geldautomaten noch deutlicher mit der Architektur des Kunsthauses und prägt damit dessen gesamtes Erscheinungsbild offensiv mit.


Foyer und Vermarktung
Das Erdgeschoss des Kunsthauses Graz steht mit Marketingflächen, Ticketing, Café und Shop in enger Verbindung zu Fragen des Konsums und der Vermarktung.

Das Erdgeschoss ist für mich eine entscheidende Zone, die man nicht rein der kommerziellen Sphäre überlassen kann. Aus diesem Grund werden wir dort künftig eine Reihe von Kunstprojekten aufsetzen, die das Verhältnis zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Bereichen zum Ausgangspunkt haben“, erklärt Kunsthaus-Leiterin Barbara Steiner bei der Präsentation des neuen Bankomaten.

Die dänische Künstlergruppe Superflex befasst sich seit vielen Jahren mit Wertschöpfungsprozessen, alternativen Ökonomien, Selbstorganisation und ethischem Handeln. Für das Jahr 2018 mit der angesehenen Hyundai Commission der Tate Modern in London betraut, sind sie für ihre kritische Stimme im Kunstbetrieb bekannt. In Graz und am Kunsthaus werden sie in insgesamt fünf Jahren mehrere Projekte umsetzen. 2018 realisiert Superflex in Graz Free Shop, 2019 sollen die Power Toilets vorgestellt werden und 2020 folgt die SUPERSHOW. Diese Projekte widmen sich der Fetischisierung von Geld (C.R.E.A.M.), dem Kollaps von Wert (Free Shop), der Multiplizierung von Macht (Power Toilets), den Wertfaktoren des Kunsthauses  vom Substanz- über den Ertragswert hin zum immateriellen Wert  und der Umkehrung von Geldtransaktionen (SUPERSHOW). Den Abschluss bildet eine Einzelausstellung von Arbeiten der Künstlergruppe im Jahr 2021.


Fünfjahresplan
Mit der Entscheidung für fünf Jahre greifen Superflex auf das Prinzip des Fünfjahresplans zurück, ein Instrument zur Planung volkswirtschaftlicher Aktivitäten in Ländern sozialistisch-marxistischer Prägung. Fünfjahrespläne wurden zentral aufgestellt, legten ökonomische Variablen wie Investitionen, Preise und Löhne fest, enthielten Zuweisungen und Vorgaben für zu erbringende Produktion und Dienstleistungen. Superflex übertragen dieses Prinzip nun auf die Mehrjahresplanung des Kunsthauses.


Ausblick 2018
Superflex,  Free Shop, seit 2003(fortlaufend)

Superflex begannen 2003 in Bremen mit dem Projekt Free Shop. Seitdem wurden Free Shops in Japan, Polen, Dänemark und Norwegen realisiert. Im Rahmen dieses Projekts, das im Prinzip in jedem x-beliebigen Geschäft (vom Gemüseladen bis hin zur Apotheke oder dem Schnellimbiss) durchgeführt werden kann, bekommen Kundinnen und Kunden an der Kasse einen Bon mit der Zahl 0 ausgehändigt, d. h. sie müssen dann für ihren Einkauf nichts zahlen. Im Geschäft selbst gibt es keine Hinweise darauf, dass Waren oder Dienstleistungen „umsonst“ sind, erst im Moment des Zahlens wird klar, dass es sich um einen ungewöhnlichen Einkauf handelt, der die Kauflogik – Ware für Geld – auf den Kopf stellt.

Free Shop liegt ein Vertrag zugrunde, den Superflex mit dem jeweiligen Geschäftsinhaber schließen: der Free Shop Contract. In diesem werden das Konzept und die Regeln erklärt, in denen sich der Inhaber z. B. verpflichtet, die Performance mindestens einmal in fünf Jahren durchzuführen und dass er wirtschaftlich vom Eigentümer unabhängig sein muss. Auch kann der Betreiber eine Obergrenze der freien Waren beziehungsweise der dafür veranschlagten Summe festlegen.

Free Shop unterbricht den Automatismus von An – und Verkauf von Ware oder Dienstleistung gegen Geld. Letztendlich hat die Banknote Wert, weil ein gesellschaftlicher Konsens und rechtliche Grundlagen dafür geschaffen wurden. Superflex’ Arbeiten werfen aber nicht nur Fragen nach verinnerlichten Formen des Handelsgeschäfts auf, sie fragen auch nach der Verantwortung der oder des Einzelnen, danach, ob Möglichkeiten, sich zu bereichern, ausnutzt werden oder ob möglichst viele andere daran teilhaben können.

Bildergalerie

Kunsthaus Graz

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8020 Graz, Österreich
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F +43-316/8017-9212
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Öffnungszeiten
Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr


Kunsthauscafé

So-Do 9-23 Uhr
Fr-Sa 9-1 Uhr

T +43-316/714 957
 

Führungen

Sa 15:30 Uhr, So, Feiertag 11 Uhr (de), So 14 Uhr (en), ausnahmsweise Abweichungen möglich. Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung

 

1. Jänner 2018 13 - 17 Uhr
2. April 2018
21. Mai 2018
31. Dezember 2018

24. bis 25. Dezember
13. Februar 2018
24. bis 25. Dezember 2018

> Lesen Sie dazu den Blogbeitrag von Barbara Steiner: