Geschichte des Kunsthauses Graz

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2003 hat das Kunsthaus Graz viele Werke renommierter Kunstschaffender präsentiert und ermöglicht

[Auszüge aus: Peter Pakesch (Hg.): Kunsthaus Graz. Architekturführer. Graz: 2014.

Texte: Monika Holzer-Kernbichler]

 

Vorgeschichte

 

Bereits in den 1980er-Jahren bestand der Wunsch, ein Haus für moderne und zeitgenössische Kunst in Graz zu errichten: Man diskutierte über das sogenannte „Trigon-Haus“ im Pfauengarten des Grazer Stadtparks, das von der Idee getragen wurde, grenzüberschreitend in die Nachbarländer zu wirken. Damit sollte auf die Dreiländerbiennalen trigon verwiesen werden, die zwischen 1963 und 1995 in Graz stattfanden. Diese von der Neuen Galerie Graz ausgerichteten Ausstellungen führten Künstler/innen aus Italien, (Ex-)Jugoslawien und Österreich zusammen und förderten deren Austausch.

 

Das „Trigon-Haus“ nach dem Entwurf des Wiener Büros Schöffauer Schrom Tschapeller erschien als idealer Ort dieser Biennalen. Aus politischen Gründen wurde dieses Projekt allerdings aufgegeben und stattdessen 1997 ein neues ausgeschrieben, das mitten in der Grazer Altstadt – im Schlossberg – realisiert werden sollte.

 

Der Wettbewerb wurde durchgeführt, die Schweizer Weber Hofer Partner Architekten (realisierten Lentos Kunstmuseum Linz, Eröffnung 2003) wurden zum Sieger auserwählt, doch eine Volksabstimmung verhinderte den Bau. Geblieben ist aus dieser Phase der hermetisch geschlossene Veranstaltungsraum „Dom im Berg“, der über das Stollensystem des Grazer Hausbergs erreichbar ist.

 

Interessant ist der Entwurf, der 1997 von Peter Cook und Colin Fournier für das Kunsthaus im Schlossberg eingereicht wurde. Die aus der bunten zähflüssig wirkenden Struktur herausragenden Blasen nehmen bereits das heutige Kunsthaus vorweg.

 

 

Als 1998 klar wurde, dass Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas wird, schrieb man erneut einen Wettbewerb für eine „selbständige Kunsthalle für zeitgenössische Kunst mit einer eigenen unverkennbaren Identität“ aus. Der Standort wanderte in den Planungen erstmals auf das rechte Murufer, mit dem Ziel, die beiden Grazer Stadthälften zu verbinden, aber vor allem um das damals stark vernachlässigte Viertel zwischen Lend und Gries neu zu beleben.

 

Städtische Lage mit Potenzial

 

Das Kunsthaus Graz ist an einem Ort entstanden, der vor seiner Errichtung unattraktiv und heruntergekommen war. Das „Eiserne Haus“ war in einem verwahrlosten Zustand und befand sich neben einem geschotterten Parkplatz mitten im Rotlichtviertel, das außer dessen speziellem Publikum kaum Menschen anzog. Mit der Errichtung des Kunsthauses Graz gelang es, die Gegend rund um den Südtiroler Platz aufzuwerten und sie an die Grazer Altstadt anzubinden. Zahlreiche kleine Geschäfte siedelten sich an, eine kreative Szene entwickelte sich und hält seither das urbane Umfeld im lebendigen Austausch.  

 

Das „Eiserne Haus“

 

Das „Eiserne Haus“ war eines der ersten gusseisernen Gebäude Kontinentaleuropas, das bereits 1848 – also noch vor dem berühmten Kristallpalast (London, 1851) – in Graz errichtet wurde. Josef Benedict Withalm (1771–1864), Architekt, Bauherr und erster Betreiber dieses kühnen Baues, importierte die neue Gusseisentechnologie aus England und entwickelte ein modernes Nutzungskonzept für seinen Bau: ein Warenhaus mit großen, einladenden Schaufenstern im Erdgeschoss, ein nobles Café – das Café Meran – im ersten Stock und eine Bar im Keller.

 

Im ersten Entwurf war das Gebäude zweigeschossig und als verglaster Gusseisenbau konzipiert, der nach oben mit einem Flachdach auf einem zurückspringenden dritten Geschoss abschloss. Bereits zwei Jahre später wurde das Dach undicht und deshalb durch ein ausgebautes drittes Geschoss mit Walmdach ersetzt.

 

Nach zahlreichen baulichen Veränderungen in den 150 Jahren seiner Nutzung wurde das „Eiserne Haus“ im Jahr 2003 schließlich wieder in seinen Urzustand zurückversetzt, wobei vor allem die eiserne Fassade freigelegt wurde und die ursprüngliche Proportionierung der Geschosse wiederhergestellt wurde. Dort, wo zu Beginn das mondäne Café Meran lag, befinden sich heute die Ausstellungsräume der Camera Austria. Im niedrigen Zwischengeschoss sind Büros untergebracht, während sich im Erdgeschoss das Foyer des Kunsthauses mit diversen Servicefunktionen befindet.

 

Polyhymnia

 

Im Zug der Restaurierung des „Eisernen Hauses“ fand man eine weibliche Figur, die völlig aus Gusseisen gefertig ist und im Inneren des Baues verschollen war. Die Muse Polyhymnia steht als Hüterin der Künste heute wieder sehr passend an ihrem Platz. Sie verweist in ihrer strengen  Beredtsamkeit weniger auf den noblen Nachtclub längst vergangener Zeiten im Untergeschoss als durch ihre Patenschaft für den Tanz auf das zuvor existierende Musiktheater. Interessant ist, dass die Figur formal gänzlich dem antiken Vorbild entspricht, in ihrer Materialität allerdings der Modernität der Architektur des „Eisernen Hauses“ vor 150 Jahren. 

Kunsthaus Graz

Lendkai 1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9200
F +43-316/8017-9212
kunsthausgraz@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr


Kunsthauscafé

So-Do 9-23 Uhr
Fr-Sa 9-1 Uhr

T +43-316/714 957
 

Führungen

Sa 15:30 Uhr, So, Feiertag 11 Uhr (de), So 14 Uhr (en), ausnahmsweise Abweichungen möglich. Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung