Holzland Steiermark

Wo die Bäume in den Himmel wachsen

»Holz ist nur ein einsilbiges Wort, aber dahinter steckt eine Welt von Märchen und Wundern.« (Theodor Heuss, ehemaliger dt. Bundespräsident)



Weite Teile der Steiermark, genauer gesagt 61,4 % (47,6 % im gesamten Staat Österreich) der Landesfläche, sind geprägt von Bäumen oder Wäldern. Durch die Unterschiede von Geologie, Seehöhe, Topographie, Boden, Niederschlag und anderen sogenannten Standortsfaktoren unterscheiden sich die Waldbilder im Land sehr stark voneinander. Die Steiermark ist in Wuchsgebiete, das heißt Herkunftsgebiete eingeteilt, diese wiederum gliedern sich in die Höhenstufen. Sie beginnen bei der planaren Höhenstufe (0–300m) und enden in der alpinen Höhenstufe (2500–3000m Seehöhe). Diese Waldflächen gliedern sich in Wirtschaftswald (79 %), Schutzwald im Ertrag (6,9 %), Schutzwald außer Ertrag 10,2%, sogenannten Ausschlagwald (0,2 %) und Holzboden außer Ertrag (4,1 %).

Alleine schon aus dieser Einteilung ist ersichtlich, dass unser Bundesland eine sehr vielfältige Waldstruktur im Bereich des Phänotyps (Erscheinungsbild und Wuchsform) aufweist.

Die natürliche Waldgrenze liegt im Osten der Steiermark im Bereich des Hochwechsels bei ca. 1800 m, im Westen, in den Niederen Tauern, über 2000 m Seehöhe.

Die Hauptbaumart in der Steiermark ist die Fichte mit einem knapp 58 %igen Flächenanteil aller Baumarten in der Steiermark, dahinter reiht sich die Rotbuche mit ca. 7,5 % der Fläche ein. Die witterungsbeständige Lärche verbucht noch 6,2 %, die wasserbeständige, früher hauptsächlich für Wasserräder verwendete Weißtanne kommt lediglich auf 2,4 % des Flächenanteils der Steiermark.

Die Gesamtbilanz der Baumartenverteilung im Ertragswald wird mit 70,3 % Nadelholz, 17,2 % Laubholz und 12,5% ohne forstlichen Bewuchs angegeben.

Hartlaubholz wie Bergahorn, Gemeine Esche usw. kommen gemeinsam nur auf 5,3 %, wobei hier der Anteil der Gemeinen Esche immer stärker zurückgeht, verursacht durch einen aus Asien eingeschleppten Schlauchpilz, der das sogenannte „Eschentriebsterben“ verursacht und zum Absterben des Holzes führt.

Nachhaltigkeit


Die Besitzstruktur der Waldflächen weist auf die Kleinteiligkeit in der Steiermark hin, denn 55,5 % sind Kleinwaldbesitz unter 200 ha, 35,4 % der Wälder werden von Eigentümern mit über 200 ha verwaltet und bearbeitet sowie 9,1 % (91 000 ha) liegen ohnehin im Eigentum der Österreichischen Bundesforste AG. Diese Flächen im Ertragswald weisen einen Zuwachs von 8,21 Mio. Vorratsfestmeter pro Jahr auf, genutzt werden durchschnittlich 7,42 Mio. Vfm pro Jahr.

Der Gesamtholzvorrat in der Steiermark liegt bei 303,0 Mio. Vorratsfestmeter (Vorratsfestmeter =Brusthöhendurchmesser²/1000). Die steirischen Bezirke mit den höchsten Anteilen an Waldflächen sind der Bezirk Leoben mit 76 %, Liezen mit 75 %, gefolgt von Bruck/Mürzzuschlag mit 74 %. Je weiter wir in den Osten, Südosten und Süden des Bundeslandes blicken, desto geringer ist die Waldausstattung, dafür werden in diesen Gebieten große Flächen mit Sonderkulturen, wie Obst- und Weinbau, Hopfenbau und Beerenobst kultiviert.

Das heißt: Das Prinzip der Nachhaltigkeit, das vor mehr als 300 Jahren von Hans Carl von Carlowitz in seinem Lehrbuch Silvicultura Oeconomica. Anweisung zur wilden Baumzuchtals Grundidee der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft formuliert wurde, greift auch heute noch. Kernsatz daraus: „Es darf nicht mehr Holz entnommen werden, als in einem Jahr wieder zuwächst.“

Der jährliche Flächenzuwachs an Wald beträgt ca. 571 Hektar. Das ist hauptsächlich auf die Auflassung von nicht bewirtschafteten Almen zurückzuführen. Dies wird in Zukunft ein Thema sein, mit dem man sich intensiv beschäftigen muss.

In der Forstwirtschaft wird in Generationen gedacht, das besagt, dass die Bäume, die wir heute pflanzen, von unseren Kindern und Enkelkindern geerntet werden können, da die Umtriebszeit im Wald eine mindestens 80- bis 100-jährige ist.

Was geschieht aber nun mit den geernteten Bäumen?


Bis ins 19. Jahrhundert wurde der größte Teil des Holzeinschlags für die Erzeugung von Holzkohle verwendet und an die eisenverarbeitende Industrie und an die Salinen verkauft. Durch diese Kahlschlagwirtschaft wurden die Waldgebiete stark aufgelichtet und die Baumartenzusammensetzung wurde zu Ungunsten der Tanne und Rotbuche verändert.

Im Jahr 2016 wurde ein Gesamteinschlag von 4,36 Mio. Erntefestmeter (Erntefestmeter = Vorratsfestmeter minus Ernteverlust) gemeldet (3,9 Mio. EFM Nadelholz, 465.533 EFM Laubholz), davon werden ca. 950.000 EFM energetisch genutzt, ca. 960.000 EFM gehen in die Papierindustrie, der Rest wird „veredelt“.

Dieses Rohprodukt wird in rund 5300 Betrieben der Forst- und Holzwirtschaft bearbeitet und veredelt. Sie stellen mit rund 55000 Arbeitsplätzen ein gewaltiges Potential dar. Dieser Industriezweig zeigt mit seiner Außenhandelsorientierung eine Exportquote von ca. 65 % und erwirtschaftet einen Bruttoproduktionswert von rund vier Milliarden Euro. Das sind die Hard Facts.

Wie kommt es aber dazu, dass diese hohen Quoten erzielt werden können? Holz als ein Gestaltungselement, sowohl im innovativen wie auch traditionellen Bau, bringt immer wieder neue Erkenntnisse. Holz als sichtbarerRohstoff begleitet uns täglich, ob im Wohnhaus, als Firmengebäude oder auch in der Landwirtschaft. Holz als verborgenes Material überrascht in vielen historischen als auch neuen Anwendungsgebieten, vom „Schwalbenschwanz“ bis zur Autotür aus „Holzspritzguss“.

In der Steiermark gibt es einen guten Mix aus innovativen Planern, kreativen Architekten und Wissenschaftlern sowie klugen Bauherren, die auf den Werkstoff Holz zählen – eine Tradition, die kaum zu überbieten ist. Es beginnt im alpinen Raum mit Blockbauten, wo die Zimmermannskunst nicht nur in der Konstruktion allein sichtbar wird, sondern die Zierschrotmotive auch noch den ästhetischen Charakter hervorheben.

Einer der ersten großen Holzkonstruktionsbauten in der Steiermark war die im Jahre 1993 errichtete Holz-Europa-Brücke im Bezirk Murau, errichtet aus 400 m³ splintfreien Lärchenbrettschichtholz, dieses wurde in der Konstruktion mit 69 t Stahlverbänden verbaut. Eine wahre Pionierarbeit der Ingenieurbaukunst im Zusammenhang mit dem Werkstoff Holz – die derzeit größte freitragende, für den Schwerlastverkehr zugelassene Holzbrücke Europas.

Im Skriptum der LV „Holzbrückenbau“ ist folgende technische Beschreibung zu lesen:

„Errichtung der Wennerbrücke, bekannt als „Holz-Europabrücke“ in St. Georgen/St. Lorenzen

ob Murau nach Entwurf, Statik und Konstruktion von G. Schickhofer, K. Angerer

und R. Pischl. Es handelt sich um eine ungedeckte Dreigelenkbogenbrücke (Stützweite

45 m, Stichhöhe 12,50 m) der Brückenklasse Ι mit aufgeständerter Fahrbahn aus Lärchen-

Brettschichtholz und einer vorgespannten Fahrbahnplatte aus Betonfertigteilen.

Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 85 m, die lichte Breite 8,60 m.“

Die Steiermark besitzt mit dem Holzforschungszentrum an der Technischen Universität Graz ein weltweit führendes Institut, das sich mit innovativen Techniken im Holzbau beschäftigt und in enger Kooperation mit der Holzindustrie steht.

BSP (Brettsperrholz) oder KLH (Kreuzlagenholz) und in jüngster Zeit Leichtbauprofile und Verbundquerschnitte aus Laubholz (LVLH) sind Ergebnisse der Forschungen aus diesem Haus.

Durch den Einsatz von Holz in den unterschiedlichsten Bauweisen und Verbindungen lassen sich Module konstruieren, die in der Errichtung kostengünstiger sind und auch beim Zeitfaktor eine entsprechende Rolle spielen, denn so verkürzen sich Bauzeiten durch Vorfertigung in den Betrieben extrem. Dadurch wird der Holzgeschoßbau im städtischen Raum wieder interessant.

International haben sich die steirischen Erzeuger bereits ein tolles Image aufgebaut, ob das Lieferungen nach Oslo betrifft oder Holzbauelemente in Svalbard-Archipel, wo die geologische Forschungsstation Ny-Alseund beheimatet ist. Holzelemente aus der Steiermark werden derzeit auch in London „verbaut“.

Nicht nur international können sich die Leistungen im Holzbau zeigen, in den letzten Jahren wurden besonders eindrucksvoll im Westen von Graz auf den sogenannten Reininghausgründen Baukörper in Massivholzbauweise geplant und teilweise bereits errichtet. Diese erreichen eine Höhe von bis zu sechs Stockwerken.

Dass die innovativen steirischen Holzbauunternehmen und entsprechende Forschungseinrichtungen auf diese Erfolge hinweisen können, ist unter anderem auch der Gründung des „Steirischen Holzclusters“ zu verdanken, der im Jahr 2001 ins Leben gerufen wurde und heute mehr als 150 Partnerbetriebe umfasst.

Die Betriebe im Bereich Holzbearbeitung und Holzverarbeitung können nicht nur auf Absolventen der TU Graz zurückgreifen, seit kurzer Zeit gibt es auch eine NMS Holz & Gestaltung in Graz-Strassgang, wo Jugendliche mit dem Rohstoff Holz vertraut gemacht werden.

In der Landesberufsschule bekommen Zimmererlehrlinge die Grundlagen, aber auch spezielle Kenntnisse der Holzbearbeitung vermittelt.

Das alles sind kurz gefasst Fakten aus dem Bereich Forst- und und Holzwirtschaft und beweisen die Vorreiterrolle der Steiermark in einem nachhaltigen Industriezweig.


Text: Mag. Karlheinz Wirnsberger

Erschienen im Buch: Steiermark, eine Landvermessung; Brandstätter Verlag; 2018

Literatur: Expand Box

BWF, Österreichische Waldinventur 2007/2009

DIRNBÖCK Thomas, DULLINGER Stefan, Franz ESSL, Monika WENZL: Syntaxonomie und Zonation der flussbegleitenden Vegetation der Salza (Steiermark); in: Joannea Bot. 2: 13–82 (2001).

Grüner Spiegel, Magazin des steiermärkischen Forstvereines, Heft 2, Juni 2017.

KITLITSCHKA Werner: Artenreich – Geschichte(n) vom Holz; ZS Zuschnitt 23, 2006; Seite 23.

SCHICKHOFER Gerhard , Skriptum Brückenbau; Inst. F. Holzbau & Holztechnologie, TU Graz;

WS 2005/2006, Version 1.0.

SCHMIDT-DENGLER Wendelin: Holz literarisch, ZS Zuschnitt 16, Seite 18.

STRAUB Wolfgang: Sprachholz; ZS Zuschnitt 16, Seite 45.

Pro Holz: http://www.proholz-stmk.at/meldungen/weitere-meldungen/grazer-holz-schule-wird-nach-frankreich-exportiert/

TU Graz: http://search.tugraz.at/search?q=cache:45hXZkyHs7YJ:www.tugraz.at/institute/lignum/forschung/ausgewaehlteforschungsprojekte/+birkenfurnier+Tr%C3%A4ger&site=Alle&client=tug_portal&output=xml_no_dtd&proxystylesheet=tug_portal&ie=UTF-8&access=p&oe=UTF-8

Jagdmuseum und Landwirtschaftsmuseum, Schloss Stainz

Schlossplatz 1
8510 Stainz, Österreich
T +43-3463/2772-16
info-stainz@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
27. März 2021 bis 28. November 2021 Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender.
Führungen nach Voranmeldung.

 

1. November 2021