Kugelschnepper

Kugelschnepper, Foto: UMJ/N. Lackner

Kleiner deutscher Kugelschnepper

16. Jhdt.

Eisen, Garn, Griffstück: Holz mit Beineinlagen

Sammlung Jagdkunde, JK 0088_99

Der Kugelschnepper ist einer Armbrust nicht unähnlich, aber wesentlich einfacher zu bedienen. Verschossen wurden neben Bleikugeln auch solche aus alternativen Materialien wie etwa Leim, Ton oder Marmor.

Die Handhabung des Kugelschneppers ist wesentlich einfacher als die einer sehr starken, aber auch wirkungsvolleren Armbrust. Man jagte damit auf Vögel und Kleinwild. Damals haben sich jedoch auch neue Jagdformen etabliert, die heute nicht mehr unter die Kategorie „weidgerecht“ fallen würden. Der Kugelschnepper wurde auch deswegen eingesetzt, weil die Waffe mit den Händen oder einem Hebel leicht gespannt werden kann.

Die Geschoße werden von Johann Adolph Ludwig Werner 1834 in „Das Ganze der Gymnastik oder ausführliches Lehrbuch der Leibesübungen nach ... so beschrieben“: „Der Kugelschnäpper, aus welchem man hartgebrannte Leim-, Thon-, Marmor- oder Bleikugeln schießt ...“ Die Reichweite dieser Waffen ist zwar wesentlich geringer als bei der Armbrust, aber sie hat natürlich der Feuerwaffe gegenüber den Vorteil, leise zu sein. Diese Ruhe nutzte man auch bei der nun neu eingeführten Jagdart mit der Blendlaterne. Hier pirschte man in der Dämmerung oder in der Nacht zu den Schlafbäumen der bereits aufgebäumten Vögel, blendete diese mit einer Laterne und konnte sie so aus nächster Nähe mit dem Kugelschnepper erlegen. Zahlreiche Grafiken aus dieser Zeit zeugen davon.

Ein Kupferstich aus dem Jahr 1576 von Stradanus ist unter folgendem Titel angeführt: „Jagd auf Vögel, der Vogelfänger, so er auf Amseln aus ist, überlistet sie im Morgengrauen oder des Nachts mit Kerzen und Fackeln“ – und der Blendlaterne.

Diese Szene zeigt unter anderem den Jäger mit einem Balester, eine Entwicklung dieser Waffe aus Italien, die aus einem gebogenen Holzstück gefertigt ist. Im Jagdmuseum Schloss Stainz befindet sich unter anderem ein kleiner deutscher Kugelschnepper aus dem 16. Jahrhundert mit einem deutschen Schnepperkolben.

Die schlanke, vierkantige Säule und der Bogen mit einer Bogenspannweite von 41 cm sind geschmiedet, das Griffstück aus Holz ist mit einer Beineinlage auf der Wangenseite mit einem gravierten Hasen versehen, am vorderen Ende des Kolbens ist die für diese Art der Fertigung übliche Holzschnecke eingearbeitet. Der Spannkasten besitzt eine einfingerige Nuss und eine aufklappbare Visiereinrichtung. Als Spannhilfe dient ein fix eingebauter Säulenspannhebel, versehen mit einer undeutlich verschlagenen Meistermarke, und an der Spitze dient ein fix vernietetes Schiff als Zielgabel. Das Schiff ist eine zweizinkige Gabel, wobei man sich hier noch zwei Fäden mit einer verschiebbaren Visierperle als „Korn“ vorstellen muss. Am äußersten Ende der Spannsäule finden wir noch einen geschmiedeten Aufhängering. Der Abzug ist durch einen langgestreckten, großen Abzugs-Schutzbügel vor dem unbeabsichtigten Lösen des Schusses „gesichert“. Die verwendete Doppelsehne wird aus starkem Garn gefertigt. Der Hebelverschluss ist mit einer Feder gehalten.

Die Gesamtlänge dieser eher zierlichen Waffe beträgt 55 cm. Sie wurde nicht nur in Europa als deutscher, spanischer oder italienischer Schnepper verwendet, sondern fand auch in China bis in das 19. Jahrhundert seine Verwendung.

Text: Mag. Karlheinz Wirnsberger
 

Der publizierte Beitrag

Jagdmuseum und Landwirtschaftsmuseum, Schloss Stainz

Schlossplatz 1
8510 Stainz, Österreich
T +43-3463/2772-16
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