Bezoarsteine (Gämsen-Kugel)

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Im 17. Jahrhundert wurden von mehreren Autoren Bücher über das Gamswild geschrieben. In beinahe allen diesen Werken wird ausführlich auf die Heilkräfte der Bezoarsteine Bezug genommen. Die beeindruckendste Arbeit darüber hat der Leibarzt des Abtes von Admont, Adam Lebwald, verfasst.

Vielen von uns ist der begeisterte „Gämsenjäger“ der Habsburger, Maximilian I. (14591519), bekannt, ebenso sein von ihm über sich selbst verfasstes, dichterisch ausgeschmücktes Werk „Der Weißkunig“. Darin hebt Maximilian I. die bedeutende Rolle der Jagd bei der Erziehung der im 16. Jahrhundert auszubildenden Edelmänner hervor. In seinem Werk über die Jagd beschreibt er auch die „Gemsjagd“ in der Steiermark und welche Aufgaben hier seine Jäger zu erledigen hatten. So mussten an allen Orten, wo Maximilian I. auf die „Gemsjagd“ ging, die bis zu 7 m langen Schäfte für die aufgesetzten „Dillmesser“ angelegt werden.

Aber nicht nur Maximilian I. verfasste Bücher über die Jagd, auch Gelehrte anderer Berufsgruppen setzten sich mit dem Verhalten von Wild auseinander und druckten Werke in für die damalige Zeit recht hohen Auflagen. Der Schweizer Arzt und Gelehrte Conrad Gesner (15161565) geht in seiner „Historia Animalium“ als erster Naturforscher näher auf das Gamswild ein. Er stützt sich auf eigene Anschauungen und
Beobachtungen von Jägern und räumt der vermeintlich medizinischen Wirkung der „Gembsen Kugeln“, sprich der Bezoarsteine, viel Platz ein. Sein Werk wurde als „Thierbuch aus dem Jahre 1645“ bekannt.

Erste steirische Gamsmonografie


Im Jagdmuseum Schloss Stainz finden wir eine Originalausgabe des 1693 erschienenen Werkes, „Damographia oder Gemsen Beschreibung – In Zwey Theil abgetheilet: Der Erste handlet – Von den Edlen Gemsen / Der Andere / Von der Crafft und Tugent vollen Gemsen-Kugel von Adam Lebwald von und zu Lebenwald“, eine bedeutende frühe Arbeit über das Gamswild. Lebwald war Leibarzt des Abtes von Admont und befasste sich ausführlich mit der Beschreibung dieser Wildart unter der besonderen Bedeutung der medizinischen Anwendung von Bezoarkugeln.

Sein verfasstes Werk über die Gämsen-Kugeln ist in „etlich hundert Exemplaria in kurzer Zeit distrahirt (verkauft) worden“. Adam Lebwald beschreibt darin sehr detailreich, warum die Gämsen-Kugeln eine so hervorragende medizinische Wirkung haben, wann sie am besten den erlegten Tieren entnommen werden sollen und gibt in 40 Punkten eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Möglichkeiten: „... so es etwas gedörret wird / machet man ein subtilles Pulver darauss.“ Das Hauptargument der medizinischen Wirkung liegt in der Aufnahme der verschiedensten Almkräuter, besonders hervorzuheben ist hier „aber wol mit Kräutlein und langen subtilen Wurzen“, gemeint ist hier die „Gämsen-Wurzel“.

Als Anwendungsbeispiele führt er zum Beispiel an:

 

  • „stärckt diese Kugel Lebensgeist / wann man sie nur bey sich traget“
  • „Widerstehet sie allem Gift … s es bey dem Hertzen oder unter den Achseln getragen wird“
  • „Die Kugel um den Halß gehenckt / ist ein grsses Hülfmittel wider den Schwindel und Schwacheit des Hauptes / auch wider Kopff-Schmerzen / Ohnmächten / Herzklopffen und Aengsten
  • „Auff die Pest-Beulen auffgelegt / ziehen sie das Gifft herauß / und vertilgen slches.“
  • „Wider die Clica, Darmb-und Glider-vergicht / in Camillen Wasser
  • „Zur Beförderung des Harns in Petersil-Wasser
  • „Wider die Auffblähung des Leibs und Windsucht im Wein“
  • „Wider die Würm / Verstpfung des Leibs in Fleischbrühe.“

 

Der Autor gibt in diesen Fällen immer an, dass nur eine Messerspitze den unterschiedlichen Flüssigkeiten beigemengt werden soll. Zur entsprechenden Aufbereitung der Arznei schreibt er, „so es etwas gedörret wird / machet man ein subtiles Pulver darauss.“

In vielen Ausführungen verweist der Autor auf Beobachtungen der damaligen (Berufs-)Jäger : „… weiter will ich die Jäger davon reden lassen“. Eine Einstellung, die besondere Beachtung und Anerkennung auch in der heutigen Zeit finden sollte.

Text: Mag. Karlheinz Wirnsberger

Der publizierte Beitrag

Jagdmuseum und Landwirtschaftsmuseum, Schloss Stainz

Schlossplatz 1
8510 Stainz, Österreich
T +43-3463/2772-16
info-stainz@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
27. März 2021 bis 28. November 2021 Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

Fixführungen
Do und So 15 Uhr (de) abwechselnd Jagdmuseum und Landwirtschaftsmuseum.
Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung.

 

24. Mai 2021
1. November 2021