Kunsthaus Graz, Nozzles Foto: Peter Gradischnigg

30. Juni 2020 / Elisabeth Schlögl

Was ist die BIX: BIX und Inhalte

Kunsthaus Graz

BIX ist eine Wortkreation von realities:united (Urheber der Medienfassade) und setzt sich aus den Worten BIG und PIXEL zusammen. Die Licht- und Medienfassade des Kunsthauses ist Gegenstand der folgenden Blogserie. Thematisiert werden vergangene und zukünftige Projekte und der Anspruch mit der BIX Grundlagenforschung zu betreiben. Die Kuratorinnen des Kunsthauses diskutieren darüber, was die BIX auszeichnet und was sie von anderen Licht- und Medienfassaden unterscheidet.

Elisabeth Schlögl (ES): Vor gut einem Jahr war der Medienkünstler Onur Sönmez im Kunsthaus zu Gast und sein Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf: „There is a lack of content. They install them and then what?“ (siehe Blogbeitrag, 29.04.2019). Er bezog sich auf die Installierung sogenannter Medienfassaden an Kunst- und Kulturhäusern, die in der Regel nicht wie herkömmliche Medienfassaden an Stadthallen oder öffentlichen Plätzen für Werbezwecke eingesetzt werden.

Barbara Steiner (BS): Onur Sönmez hat recht. Ich kann mich noch erinnern, als in den 1990er-Jahren die ersten „Medienfassaden“ installiert wurden. Es war ein regelrechter Hype, die Erwartungen waren enorm. Aber komischerweise nicht den Inhalt betreffend, sondern in Bezug auf das, was sie technisch können oder können sollen. Diese Fokussierung auf die Technik hatte schon auch kommerzielle Begehrlichkeiten im Blick, denn viele dachten sofort an Sponsoring, daran, dass kommerzielle Botschaften möglichst gut sichtbar sein sollten. Als inhaltliches Tool – also für Künstler/innen – wurde es nicht in erster Linie gedacht. realities:united haben unsere BIX von Anfang an in erster Linie als künstlerisches Tool gesehen.

ES: Ich meine nicht, dass unsere BIX-Projekte diesen inhaltlichen Mangel aufweisen. Wir docken die BIX-Projekte an das inhaltliche Programm an. Ich verstehe die BIX – wie realities:united auch – als ein Tool, um unser Tun in den Stadtraum zu erweitern. Und damit meine ich natürlich nicht, die Ausstellung oder eine Veranstaltung mittels Text anzukündigen. Es gab seit 2003 viele BIX-Projekte, die Teil einer Ausstellung waren – in dem Sinne, dass eine Künstlerin oder ein Künstler der jeweiligen Ausstellung eingeladen wurde, auch die BIX-Fassade zu „bespielen“. Des Weiteren gab es eine Reihe von Projekten, die das Medium BIX formal reflektierten und Site-specific-Werke produzierten. Daneben stehen einige interaktive Projekte, die Passantinnen und Passanten einluden mitzugestalten, was auf der Fassade sichtbar wird  – man findet das alles in unserem Webarchiv. Und trotz alledem gebe ich Onur Sönmez auch bei unserer BIX mit seiner Behauptung Recht, wenn er sagt: „there is a lack of content“. Denn welche dieser inhaltlichen und formalen Konzepte nehmen Passantinnen und Passanten wahr, wenn sie mit Einbruch der Dämmerung auf die leuchtende Fassade schauen?

BIX-Fassade, LichtTelegramm,, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

BS: Nun, die Passantin oder der Passant sieht zunächst etwas, das sie oder er dem eigenen Erfahrungshorizont entsprechend verortet. Und das fällt vermutlich sehr unterschiedlich aus. Wir wissen also nicht, wie viel von dem, was der Künstlerin oder dem Künstler wichtig ist, auch ankommt. Das ist aber bei anderen Kunstwerken letztendlich auch so. Was ich sehe, ist, dass auf der BIX keine Werbung läuft. Ich sehe auch, dass die Auflösung sagen wir mal „grob pixelig“ ist – inzwischen sind ja schon einige Punkte aus Altersgründen ausgefallen –, dass diese „Medienfassade“ ziemlich „outdated“ ist. Und das war sie ja absichtsvoll bereits 2003: geringe Auflösung und der Verzicht auf Farbe. Es wird mir eben kein mediales Spektakel geboten. Und das macht einen riesigen Unterschied. Die BIX sollte immer kommerziell unattraktiv sein, und das ist sie auch. Das macht sie aber für Künstler/innen umso spannender, weil die BIX ein Gegenüber ist, auf das man sich einlassen muss – ein Sparring-Partner für diejenigen, die dort etwas machen wollen. Das führt zu dem, was man sieht, und das ist nicht vergleichbar mit dem, was auf Medienfassaden üblicherweise läuft. Diese Erfahrung der Differenz ist wichtig.

Kategorie: Kunsthaus Graz
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