Musizierende Gesellschaft

Johann Georg Platzer

Alte Galerie, Schloss Eggenberg (Universalmuseum Joanneum, Graz, Österreich)

Künstler: Johann Georg Platzer

Leben: St. Michael bei Eppan/Südtirol, 1704 – St. Michael bei Eppan/Südtirol, 1761
Technik: Öl auf Kupfer
Maße: 25,3 x 39,2 cm
Besitz: Alte Galerie, Schloss Eggenberg (Universalmuseum Joanneum, Graz), Provenienz: Ankauf aus Wiener Kunsthandel, 1951
Inventarnummer: 884

Über das Werk

Die Bildgattung des Gesellschaftsstückes wurde in flämischen und holländischen Ateliers im 17. Jahrhundert entwickelt und zur Blüte gebracht. Der Südtiroler Maler Johann Georg Platzer greift darauf zurück und perfektioniert diese Gattung wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit – ebenso wie seine Malweise bis zum feinsten Strich, für den er als Malgrund eine Kupferplatte verwendet.

Eine vergnügte Gesellschaft in fantasievollen Kostümen nach Art des Rokokos sitzt um einen Tisch im Freien. Musiknoten und Lautenspieler verweisen auf die Allegorie des Gehörs. Keck nähert sich ein spitzbärtiger Mann einer galanten Dame, nachdem er seine Maske abgenommen hat.

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Johann Georg Platzers Werk erstreckt sich nicht nur auf mythologische und sakrale Historien, sondern auch auf Gesellschaftsstücke. Diese Bildgattung wurde vor allem in flämischen wie holländischen Ateliers im 17. Jahrhundert entwickelt und zu besonderer Blüte gebracht. In Flandern waren Jacob Jordaens, Cornelis und Simon de Vos, Theodoor Rombouts, David Teniers d.J. und Jan Josef Hoermans d.J. ihre Hauptmeister. Häufig ist das Thema des gemeinsamen Amüsements mit versteckten Anspielungen auf den biblischen Stoff vom verlorenen Sohn und moralischen Geboten versehen und oft wird es – wie von Platzer – mit dem Sujet der fünf Sinne verbunden.

Die beiden kleinen Kupfertafeln Allegorie des Geschmacks und Musizierende Gesellschaft in der Alten Galerie zeigen jeweils eine vergnügte Gesellschaft, die halbfigurig an einem Tisch bzw. an einer Balustrade in einem Garten dargestellt ist. Es sind Damen und Herren in phantasievollen Kostümen nach Art des Rokoko, doch zeigen sich bei den Halskrausen, umgebundenen Spitzenkrägen und Hüten Charakteristika der Kleidung in niederländischen Gemälden aus dem 17. Jahrhundert. In der Allegorie des Gehörs nimmt ein Herr, der sich gerade der Dame am Tisch nähert, eine Maske ab, während ein Lautenspieler den Gesang der Anwesenden begleitet. Lautenspieler zählen zu den Standardmotiven der flämischen und holländischen Genremalerei.

In der Allegorie des Geschmacks wird ebenfalls aus einem Liederbuch gesungen, während ein Herr im Harlekinkostüm einen Fruchtkorb heranbringt. Die Früchte sowie das Einschenken von Wein deuten auf den Geschmackssinn hin.

Auffallend ist in beiden Gemälden eine schwere, mit sinnlichen, antikisierenden Brunnenfiguren bereicherte Architektur. Sie erinnert an jenen Manierismus, den Rubens in Mantua am Hof der Gonzaga von Giulio Romano kennen gelernt hatte und in dem er seine Malerresidenz in Antwerpen bauen ließ. Dieser südliche Einfluss lieferte auch vielgebrauchte Requisiten für Gemälde wie z.B. Rubens`„Liebesgarten“ (Madrid, Prado) zeigt.

Dieses Werk ist eines jener kostbaren Gemälde aus den Sammlungen der Alten Galerie, welche die aktuelle Kampagne der Oper Graz 2018/19 begleiten. Für Der Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini: ein Meisterwerk des späten Barock.

Bilderreisen

in der Alten Galerie



Seit 2014 laden wir Sie im Rahmen der Reihe „Bilderreisen“ an jedem letzten Sonntag des Monats zu einer ganz besonderen Führung durch die Alte Galerie ein. 

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Alte Galerie, Schloss Eggenberg

Eggenberger Allee 90
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9560
altegalerie@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten

26. April 2019 bis 31. Oktober 2019 Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

01. November 2019 bis 29. Dezember 2019 Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr nur im Rahmen einer Führung und nach Voranmeldung zugänglich

Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender.

Öffnungszeiten der Bibliothek
Di–Fr 10–12 Uhr und nachmittags gegen Voranmeldung

 

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31. Dezember