Blumenstillleben

Flämisch

Alte Galerie, Schloss Eggenberg (Universalmuseum Joanneum, Graz, Österreich)

Datierung: 1. Viertel 17. Jh.
Technik: Öl auf Holz
Maße: 60,5 x 45,3 cm
Besitz: Alte Galerie, Schloss Eggenberg (Universalmuseum Joanneum, Graz)
Inventarnummer: 947

Über das Werk

Eine Glasvase mit verschiedensten locker gesteckten Frühlings- und Sommerblumen steht in einer dunklen Nische. Es ist ein typischer Strauß eines flämischen Malers aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts, einer Zeit, in der Blumen eine wichtige Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft des aufstrebenden Bürgertums der Niederlande spielten.

Mit großem Ehrgeiz wurden Blumen, vor allem die heiß begehrten Tulpen, gezüchtet. Hier dominieren zwei Blüten der Sorte„Semper Augustus“, die höchste Preise erzielten. Die Schmetterlinge symbolisieren die Auferstehung der Seele. So weisen sie über die Vergänglichkeit des irdischen Lebens, die mit der rasch welkenden Blume veranschaulicht wird, hinaus.

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Dieses Bild und sein Pendant gehören dem Typus manieristischer Blumenbukettbilder der ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden an. Von der beachtlichen Zahl der Blumenmaler sei Jan Brueghel d. Ä. genannt, der im selben Zeitraum äußerst produktiv war. Eine stilistische Nähe zu den Stücken von Ambrosius Bosschaerts d. Ä. ist unverkennbar. Überdies besteht eine Verwandtschaft in Architekturambiente, Lichtführung und relativ sparsamer Verteilung von Blüten zu Jacob II de Gheyns Gemälde im Gemeentemuseum, Den Haag. Mit aller verbotener Vorsicht ist daher eine Zuschreibung an Gheyn in Erwägung zu ziehen. Der Bildtypus war offensichtlich auch später noch begehrt, wie ein gegen Mitte des 17. Jahrhunderts entstandener „Blumenstrauß“ in ähnlich dunkler Rundbogennische beweist.

Darstellungen und Nischen mit häuslicher Gerätschaft und auch Blumenvasen sind uns schon aus der spätmittelalterlichen Malerei Italiens und der Niederlande bekannt. Botaniktraktate sowie Pflanzenbilder mit religiöser Symbolik scheinen zu den Wurzeln dieses Themas zu gehören. In der Renaissance, als das wissenschaftliche Interesse an der Natur zunahm, begannen die Maler „Blumenporträts“, also genaue Abbilder der Pflanzen, zu malen. Auch bei diesem Gemälde wurde offensichtlich auf die exakte Charakterisierung der verschiedenen Arten großer Wert gelegt, dabei wurden jedoch natürliche Bedingungen oft vernachlässigt, zum Beispiel die verschiedene Blütezeit.

Die Entwicklung der wissenschaftlichen Botanik ging mit einer enormen Steigerung des materiellen Wohlstandes und des Blumenkonsums in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts einher. Besonders Tulpen erfreuten sich großer Beliebtheit, man spricht sogar von einer „Tulpenmanie“, die vor allem das Bürgertum erfasste. Zusätzlich kommt der schnell welkenden Blume die Bedeutung eines Vanitassymbols zu. Nicht nur die Vergänglichkeit irdischen Lebens, sondern auch die Unendlichkeit Gottes gegenüber diesem wird in derartigen Bildern ausgedrückt.

Dieses Werk ist eines jener kostbaren Gemälde aus den Sammlungen der Alten Galerie, welche die aktuelle Kampagne der Oper Graz 2018/19 begleiten. 
Für Martha von Friedrich von Flotow: Ein flämisches Blumenstillleben. 

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