Ferdinand Georg Waldmüller

Eine reisende Bettlerfamilie wird am heiligen Christabend von armen Bauersleuten beschenkt

Öl auf Holz, 37 x 30 cm, 1972 Vermächtnis Hofrat Dr. Hugo Siegl Graz, Inv. - Nr. I/1632; Foto: UMJ

Ferdinand Georg Waldmüller

Leben: 1793, Wien - 1865, Hinterbrühl bei Mödling
Datierung: um 1834
Technik: Öl auf Holz
Maße: 37 x 30 cm
Besitz: 1972 Vermächtnis Hofrat Dr. Hugo Siegl Graz
Inventarnummer: I/1632

Über das Werk:

In diesem frühen Genrebild Waldmüllers sind einige Themen, die er in seinem reichen späteren Schaffen auf diesem Gebiet variierte, bereits gültig formuliert. Die idealisierte Schilderung der bäuerlichen Welt ist im Sinne der Idylle zu verstehen, und beruht auf dem Glauben (des Städters) dass auf dem Land im Gegensatz zum Stadtleben noch ein intaktes Verhältnis zwischen Mensch und Natur bestehe. Entsprechend werden bürgerliche Sehnsüchte in die Bilder des ländlichen Lebens projiziert: die Wünsche nach einem intakten Familienzusammenhalt etwa, nach ungekünstelter Liebe, gegenseitiger Hilfestellung, moralischer Aufrichtigkeit, Tugendhaftigkeit. In diesem Zusammenhang ist es folgerichtig, dass Waldmüller die holländischen und flämischen Genrebilder aus dem 17. Jahrhundert wegen ihrer oft derben Darstellungen der Bauern inhaltlich ablehnte, obwohl sie formal durchaus von Einfluss auf ihn waren.

Mit seinen Schilderungen der bäuerlichen Welt wollte er einer seiner zentralen Forderungen an die Kunst nachkommen, der Veredelung und moralischen Erziehung des Menschen. In der Beschreibung des Milieus und der Lebensumstände, der Trachten und Stuben befolgt er auch eine zweite wichtige Maxime seiner Kunst, das Streben nach größtmöglicher Naturtreue und Wirklichkeitsnähe. In dessen Sinne verschloß er auch seine Augen vor dem sozialen Elend nicht. Die Darstellung der Bettlerfamilie ist dafür ein gutes Beispiel – wenn diese auch im Sinne der Gleichsetzung von innerer und äußerer Schönheit trotz Armut sehr sauber und ordentlich gezeigt wird. Waldmüller überhöht die realistische Darstellung auf den höheren Zweck der Rührung des Betrachters und der Mobilisierung seines Mitleids hin.

Die Wahl des Zeitpunktes, zu dem die Szene sich zuträgt - der Christabend – verstärkt diese Wirkung und erinnert an die Nächstenliebe als wichtigste Forderung christlicher Religion. Entgegen der Weihnachtsgeschichte wird die Bettlerfamilie hier nicht abgewiesen, sondern mit Geld und Brot beschenkt.

Formal unterstützt die Öffnung des Bildraums zum Raum des Betrachters hin die appellative Intention des Bildes: Der auf der Ofenbank sitzende Großvater blickt den Betrachter direkt an, gleichsam um ihn ebenfalls zur Barmherzigkeit aufzufordern. 

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