Das gute alte Wien

Der Wiener Aktionismus gehört ohne Frage zu den wenigen künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts, die sich wirklich ins Äußerste vorwagten. Der Grund dafür war die Radikalität und Rücksichtslosigkeit der Künstler gegenüber allen gesellschaftlichen Normierungen, vor allem aber auch gegenüber sich selbst. Ausgehend von den widerwärtigen Reaktionen bis hin zu vernünftigen Einordnungen der Kunsthistoriker ist schon eine Menge darüber geschrieben worden.

Wenn sich jetzt einer der herausragenden Protagonisten selber dazu äußert und wenn dieser Protagonist Günter Brus ist, dann wird niemand eine abgeklärte Darstellung und schon gar nicht so etwas wie Rechtfertigung oder Selbstinterpretation erwarten. Brus dreht vielmehr die Erinnerungsschraube ins Fleisch der Geschichte, bis sie durchdreht. Was dabei am Ende herauskommt, sind Szenen zwischen Wiener Vorstadttheater und Grand Guignol. Mit scharfem Witz und reichlich Kalauern ruft Günter Brus noch einmal auf, wie er sich zwischen Hunger und Durst herausgefordert und ausgeliefert hat, nicht ahnend, ob der Weg in eine mönchische Selbsterkundung oder in Pulp Fiction führte. Die Komik, mit der das alles hier erzählt wird, ist Zeichen einer Distanz, die nichts mit Distanzierung zu tun hat. Immer wieder bleibt einem das Lachen wie eine Gräte im Hals stecken.

 

Günter Brus, Das gute alte Wien, 2007, Jung und Jung Verlag GmbH, Salzburg und Wien, 163 Seiten, Format 190 x 120 cm, Hardcover, ISBN: 978-3-902497-21-5.

Pressestimmen:

Das biedere Muster der Lebensgeschichte unterläuft Brus schon dadurch, dass er sich und seine mittlerweile ebenso berühmten Zeitgenossen erbarmungslos verkleinert. Er folgt dem Schema des Schelmenromans. (Mechthild Rausch, Der Tagesspiegel)

Brus' buchstabenförmiges Kleinod von einem Meisterwerk sei wärmstens empfohlen. (Reinhard Kriechbaum, drehpunktkultur)

Brus führt auch bei seiner Textarbeit einen schonungslosen und direkten Strich. Er schafft ein Textwerk, das unbeschwert über den Gattungen steht. (Gerald Heidegger, ORF)

Spätestens mit Erscheinen von „Das gute alte Wien“ muss der Aktionist nun auch als grandioser, kompromisslos der schönen Anarchie anhängender Geschichtenerzähler bezeichnet werden. (Wolfgang Paterno, profil)

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