DASCHNER

09.03.-15.04.2018


Kuratiert von: Katrin Bucher Trantow

Statt einer Eröffnung: DASCHNERS offizieller Empfang im Rahmen der Diagonale
Empfang: 14. März 2018, 19 Uhr
Ort: studio, Neue Galerie Graz


Über die Ausstellung

Im Rahmen der Diagonale’18 als Kooperation zwischen Kunsthaus Graz, Neuer Galerie Graz und Diagonale.

 

DASCHNER inszeniert das Zeigen und Verbergen. Schon im Titel, der den Namen der Filmemacherin und bildenden Künstlerin zum Markenzeichen macht, wird der Transfer als Schwebezustand eines begehrenswerten Dazwischen evoziert. Die Ausstellung, die mit der Neuen Galerie, der Diagonale und dem Kunsthaus drei Kooperationspartner verbindet, bewegt sich zwischen medialen, filmischen und genderbestimmten Räumen und macht Medienrealitäten und -eigenschaften sowie Stereotypisierungen vor und hinter der Linse zum Thema. Konfigurationen des Zeigens, Schaffens und Performens präsentieren Ausstellungs-, Theater- und filmischen Raum als verschwistertes, sinnliches Ereignis.

 

Auftritt: White Cube. Silberner Tanzboden. Professionelle Lampenstative sowie farbenstarke Bilder aus fließender Farbe, Tapes und textilen Untergründen sind – sauber gerahmt – die Protagonistinnen des kleinen, abgetrennten Kunstraumes vor knallgrünem Vorhang. Dahinter verbirgt sich eine studiohafte Black Box, in der Lampen auf Stativen den Raum vor tiefschwarzen Bildern mit silbern glitzernder Stickerei bevölkern, Lichtkegel auf die Bilder werfen und den bewegten Schatten des Publikums über den Raum tragen.

Am Ende des Raumes dann zwei Filme im hintereinander laufenden Loop, die geheimnisvolle Verwandtschaften zwischen Körper und Kulisse aufzeigen:

Pferdebusen (2017) – im Vorjahr mit dem Diagonale-Filmpreis für Innovatives Kino ausgezeichnet – offenbart mit seiner ruhigen Kamera, seinen präzise choreografierten Close-ups das Spiel und den Transfer zwischen Architekturdetails, Körperfragmenten sowie Oberflächendefinitionen als die sinnliche Bühne und Fokus der Arbeit von Katrina Daschner. Der Film ist Teil einer seit 2012 bearbeiteten achtteiligen Serie, eine Neudichtung nach Arthur Schnitzlers von unterdrückten erotischen Fantasien, einengenden Geschlechterrollen und verstörender Lust an Geheimnissen durchzogener „Traumnovelle“.

Daschners Pferdebusen vermag durch Detailansichten tierischer und menschlicher Körperteile, das Abtasten lederner Oberflächen, Masken und Rauch oder durch das Pferdegetrappel auf der Ton- wie auch auf der visuellen Ebene sinnlich ebenso zu verlocken wie zu verstören. Der Film betont das Bühnenhafte der Situation, führt ein in eine glänzende Fetischwelt von Ledersattel, nackten Hintern, Nähten entlang Theatersitzen – und setzt das alles mit vorwärts tastender Kamera ins Bild.

Beim zweiten Film Hiding in the Lights (2013), der im „Palau de les Arts Reina Sofía“ in Valencia gedreht wurde, wird Bühnenpräsenz im Moment der scheinbaren Gelöstheit und des Austretens aus der Rolle studiert, wenn Denice Bourbon und Daschner selbst sich als Stars mit herrlich abgeschmacktem Bühnenlächeln, lasziven Bewegungen und verspielt-verschämten Gesten dem Applaus des unsichtbaren Publikums hingeben. „Daschners bevorzugte Trope ist eine visuelle Synektoche, bei der eine Oberfläche für eine andere steht. Kleidung und Accessoires imitieren Körperoberflächen. Die Spannung zwischen ihnen enthüllt buchstäblich das, was sich im Scheinwerferlicht verbirgt (in the lights) und schnell übersehen werden kann.“ (Ewa Szabłowska)

Der Film ist wie die gesamte Ausstellung ein präzise getimtes Format des Erzählten und der zur Schau gestellten, lustvollen Heterotopie. Im Sinne eines Raumes von veränderten Hierarchien, Nicht-Linearitäten, Stereotypen oder Geschlechterzuschreibungen taucht das Publikum ein in eine traumhafte Novelle, in der Raum und Zeit filmisch wunderbar getaktet, insgesamt aber nicht kategorisierbar sind. Ein traumhafter und assoziativer Schwebezustand von freier, ekstatischer Körperlichkeit.

Die Bühne ist bei Daschner nicht nur Ort und Medium der Verhandlung, sondern auch Ort der Wahrheit, die nur mehrdeutig sein kann. Schon einmal baute sie im Kunstpavillon in Innsbruck eine Ausstellung mit zwei Räumen, wo der Ort zum Verhandlungsraum von Inszenierung, Repräsentation und Zuschreibung wurde. Ihre Stick-Bilder sind choreografische Architekturskizzen, deren mit dem Faden gezogenen Grundrisse an die Kühle der Moderne erinnern. Gleichzeitig sind die schillernden Storyboards Handarbeiten von eigentümlicher Heimeligkeit in deren wundersamen Mehrdeutigkeit die Unzulänglichkeit von Eindeutigkeiten wiederhallt.

Die Frage um die Notwendigkeit von Klassifizierung und Zuschreibung beantwortet DASCHNER auch in der Kunst mit einer fruchtbaren Verschleierung, wenn Props zu skulpturalen Objekten und Oberflächen zu vagen Geheimnissen mit sinnlichen Eigenschaften werden. DASCHNER „erzählt davon, dass und wie scheinbar klar getrennte Räume, Sphären, Strata miteinander verbunden sind und es auch sein wollen: Noch einmal und endlich wieder ist es egal, welchen Kategorien man für gewöhnlich die Dinge zuschreibt: Künstlich oder echt, zwei- oder dreidimensional, Phantasie oder Wirklichkeit – hier werden sie eins, die Montage macht´s, beseelt von einer Vision vom Leben, in dem die Dinge ineinander fließen dürfen. Das Sehnen hat ein Ende, die Feier des Daseins in seiner alles umfassenden Herrlichkeit beginnt.“ (Olaf Möller) Sicher ist der Abgang: Körperlich durchdringend, geheimnisvoll berauscht.

 

Der offizielle Festivaltrailer, der zur Diagonale und im Vorfeld in den Kinos zu sehen ist, wird parallel dazu an unterschiedlichen Orten im Kunsthaus gezeigt.
Die Ausstellung findet zentral im studio der Neuen Galerie Graz statt.
 



> Erfahren Sie mehr über Lokal - das erweiterte Ausstellungsformat im Kunsthaus Graz 2018. 

Aus dem Programm

Derzeit keine aktuellen Termine.

Bildergalerie

Unser Tipp:

Katrina Daschner, Filmstill aus „Pfauenloch", 2018,
Veranstaltung

Die Diagonale im Kunsthaus Graz

Kartenverkauf und Festivaltrailer

07.03.-18.03.2018 > Kunsthaus Graz, Space04

Der offizielle Festivaltrailer, der zur Diagonale und im Vorfeld in den Kinos zu sehen ist, wird parallel dazu an unterschiedlichen Orten im Kunsthaus gezeigt.

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Über das studio

Das studio der Neuen Galerie diente seit den 1990er-Jahren bis 2010 als Plattform für junge österreichische Künstler und Künstlerinnen, die nach Abschluss ihrer Ausbildung noch nicht voll im Kunstbetrieb etabliert waren bzw. am Anfang ihrer Karriere standen. 

Seit 2017 wurde dieses wesentliche Instrument zur Förderung und Dokumentation junger Kunst im Joanneumsviertel wieder eingeführt. 

> Mehr über das studio in der neuen Galerie Graz

Neue Galerie Graz

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8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

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