05. August 2025, Florian Labitsch, Kerstin Ogris, Elisabeth Schlögl
05. August 2025, Florian Labitsch, Kerstin Ogris, Elisabeth Schlögl
Bildinformationen
Was haben Lampisten, Aviseure, Heizer und Magazineure gemeinsam? Am 25. Juli 2026 lernten wir einige von ihnen kennen – im nachgebauten k. u. k. Speisewaggon des SÜDBAHN Museums, dem „Resti“. Kein Platz blieb frei: Ehemalige Eisenbahner, Zugreisende und Menschen mit familiärer oder privater Nähe zur Schiene erinnerten sich gemeinsam an eine Zeit, in der ein Job bei der Bahn viel eher Berufung als Beruf war. Das Erzählcafé ist eine Kooperation der Museen mit der Kulturvermittlung des Universalmuseums Joanneum und dem Museumsforum Steiermark.
„Früher ist zusammengeholfen worden. Das Werkl musste laufen und alle haben zusammengegriffen.“ Viele beschrieben die Eisenbahn als große Familie: Dienstpläne machte man gemeinsam, man hatte eigene Vereine und eine Kegelbahn, wenn ein Unfall passiert ist, kamen Hilfszüge, keine Feuerwehr. Der Beruf wurde oft weitergegeben erinnert sich ein Teilnehmer, „mein Urgroßvater war schon bei der Südbahn, ich bin am Bahnhof aufgewachsen und selbst zur Bahn gegangen.“ Diese Verbundenheit, so der Tenor, gebe es heute kaum noch: Waren einst 80 Eisenbahner aus Mürzzuschlag beschäftigt, sind es heute höchstens 20. „Jeder sieht nur mehr seinen Bereich. Heute ist es keine Berufung mehr, mehr Beruf.“
Bildinformationen
Bildinformationen
Bildinformationen
Wir saßen an einem sprechenden Ort: Im Heizhaus wurden die Lokomotiven bereit gemacht für ihren Einsatz. Es dauerte acht Stunden, bis eine Dampflok fahrbereit war. „Ab Payerbach habe ich als Heizer Kohle geschaufelt, über den Semmering war die Feuertür nie mehr zu.“ Dann kam in den 1950er-Jahren die Elektrifizierung von Gloggnitz bis Mürzzuschlag; ein Teilnehmer fuhr danach 36 Jahre über den Semmering. Der Wandel klingt bis heute nach und heutige Loks werden schon einmal „Pappendeckelgarnitur“ geschimpft.
Die Erinnerungen reichten über Grenzen: Ein Teilnehmer berichtete von der Kollegialität in ungarischen Bahnhöfen zur Zeit des Eisernen Vorhangs, als Kolleginnen die Reisenden vorbei an schwer bewaffneten Soldaten zum Einkaufen führten. „Die Eisenbahner haben international zusammengehalten.“ Auch der jüngste in der Runde ist mit der Bahn aufgewachsen: Seine Eltern waren in Ungarn Fahrdienstleiter und aus dieser frühen Nähe wurde seine Abschlussarbeit über den Bahnhof Mürzzuschlag, einen der ersten des Landes, der nun Anschluss an die Semmering-Basisstrecke findet. Und manches wurde erst spät möglich: Heute gibt es in Mürzzuschlag eine Lokführerin. Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern gab es bei der Bahn allerdings nie.
Gerade diese persönlichen Geschichten zeigen, dass sich Eisenbahngeschichte nicht im Memorieren von Lokomotivtypen und Stellwerken erschöpft, denn sie ist tief in den Menschen verankert, die sie erlebt haben. Wenn aus der Berufung ein Beruf wird – wie werden sich die Geschichten ändern?