Oskar Habjanič:

Der Nachlass von Rudolf Gustav Puff

 

Dieses Forschungsprojekt konzentriert sich auf den beweglichen Nachlass des Gymnasialprofessors Rudolf Gustav Puff, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrere Ausgrabungen in der Region Untersteiermark durchgeführt hat. Von den Ausgrabungen selbst und auch von den Funden schienen keine Spuren mehr erhalten zu sein. Im Rahmen meiner Residency habe ich einige dieser verloren geglaubten Objekte in der Archäologischen Sammlung des Universalmuseums Joanneum identifiziert. Puffs Nachlass, nämlich die komplette schriftliche Korrespondenz und Berichte über die archäologischen Ausgrabungen, ist im Steiermärkischen Landesarchiv in Graz erhalten. Notizen über seine Ausgrabungen sind auch in den Jahresberichten des Joanneums nachzulesen. In der Dokumentation der Archäologischen Sammlungen findet sich auch der Verkaufsvertrag. In einem größeren Zusammenhang möchte ich mit Puff einen typischen Vertreter der Romantik erkunden, der auf seinem Lebensweg den bürgerlichen Idealen gefolgt ist: Pflichtbewusstsein, Sparsamkeit, Karriere und Familie.

 

Das gesammelte Material und die Korrespondenz ist die Grundlage für eine methodische Erforschung dieses Intellektuellen der Biedermeierzeit, vor allem in Bezug auf die Erforschung der Natur, das Verfassen erster Reiseführer und die dabei gewonnen Einblicke sowohl in private als auch öffentliche Bereiche.  

 

Rudolf Gustav Puff wurde im frühen 19. Jahrhundert in der Steiermark geboren. Er unterrichtete am Gymnasium in Maribor und pflegte Kontakte zu prominenten Persönlichkeiten aus der Untersteiermark. Natürlich hat er auch eine Topografie der Stadt Marburg und seiner Umgebung verfasst, als „Meisterwerk“ ist seine Topografie bzw. sein Reiseführer für die ganze Steiermark anzusehen. Puff war Ehrenbürger der Stadt Marburg und Mitglied verschiedener historischer Vereine. Als Kind der Romantik hat er die slowenische Sprache erlernt und auch die Fabeln und Märchen zwischen Mur und Drau gesammelt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hat er Ausgrabungen in Ruše, Brestanica und Limbuš durchgeführt. Objekte der Antike und römische Münzen befanden sich ebenso in seinem Besitz wie Gemälde und Mineralien.

 

 

 

 

Kurzbiographie: 

Oskar Habjanič studierte Geschichte und Philosophie an der Philosophischen Fakultät in Ljubljana. In den Jahren 2003 bis 2004 war er als freier Journalist tätig, von 2004 bis 2008 arbeitete er als Mentor in einem Programm für junge Menschen, seit 2008 ist er Kurator im Regionalmuseum Marburg. Ausstellungen: Puffs Jahrhundert; Museoeurope; Thesaurus der Heiligen Dreifaltigkeit; Slowenische Frauen in der Neuzeit; Die Goldenen Fifties. Publikationen (Auswahl): Das Augustinerkloster zur Heiligen Dreifaltigkeit in Slovenske gorice in der Ära des Barock; The Practical Value of the Wooden Wheel; Unzeitgemäße Betrachtungen: ethische Dilemmata in Museen und Museologie; Unzeitgemäße Betrachtungen: Eine Frau, an der Schnittstelle von öffentlichen und privaten Maßnahmen im Zeitalter des bürgerlichen Booms; Die Lebenserwartung von Kindern in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Untersteiermark: Analyse der Mortalität in Maribor, Lovrenc na Pohorju und Lobnica in den Jahren 1833–1847; Die Metaphysik von Landschaft.

 

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