Martina Dlugaiczyk:

Zwischen Kunst und Wissenschaft – Schausammlungen als Laboratorien. Studien zur Rolle der Lehrmittelsammlungen an Technischen Hochschulen

I. Lehranstalt als auch Museum
Das Projekt verfolgt das Ziel, die inhaltliche Struktur und Bedeutung von historischen Lehr-und Schausammlungen als Ausbildungsmodul, vornehmlich an Technischen Hochschulen in Deutschland vergleichend in den Blick zu nehmen. Dabei basiert die thematische Eingrenzung auf der These, dass es gerade die in der Phase der Etablierung und Expansion befindlichen Technischen Hochschulen waren, die neue, innovative Vermittlungsstrukturen entwickelten, um den besonderen Bedürfnissen der Studierenden technischer Fächer gerecht zu werden. Dafür wurden neue Assoziations- und Denkräume modernen, synergetischen Zuschnitts geschaffen, in denen die Prozesshaftigkeit von Wissenschaft theoretisch wie praktisch vermittelt wurde. So wird für das Projekt die Rolle der Sammlungen bei der Konstituierung von Wissen ebenso von Belang sein, wie die Sammlung als Instrument der Forschung, als experimentelles Modul der Lehre sowie als Form der nach innen und außen gewandten Repräsentation in Form von Handlung und Austauschprozessen.

II. Museum als auch Lehranstalt
Im Unterschied zu Deutschland, wo sich die technischen Anstalten erst spät der sich bietenden Potentiale von Lehrsammlungen bewusst wurden, gründen in Österreich die (poly-)technischen Schulen nicht nur auf Sammlungen, sondern verstehen sich zudem als ›technische Kunstbehörde‹ – womit sich ein gänzlich anderes Selbstverständnis verbindet als in Deutschland. Während in Wien bspw. im Vorgriff auf das zu gründende Polytechnische Institut (1815) die Idee des ›National-Fabriksprodukten-Kabinetts‹ entsteht, erhebt man in Graz das Joanneum (1811), welches ursprünglich als Museum mit naturwissenschaftlichen Schwerpunkt angelegt und frühzeitig dem Lyceum als Lehranstalt beigestellt war, in den Rang einer ›k.k. Technischen Hochschule‹ (1864). In Bezug auf die Genese der für die Technischen Hochschulen wichtigen Lehrsammlungen wurde dem beispielhaften Beitrag Österreichs bislang zu wenig Beachtung geschenkt – auch
im Hinblick auf die daran gekoppelte Entwicklung der technischen Wissenschaften im Sinne einer ›universitas scientiarum‹ und der Genese von Technikmuseen. Die sammlungs- und institutsgeschichtliche Entwicklung des Joanneums bietet die Möglichkeit, den skizzierten Forschungsfragen exemplarisch nachzugehen.

Kurzbiografie

 

Studium der Kunstwissenschaft, Mittleren und Neueren Geschichte sowie Politologie; 1994 Magister mit einer Arbeit über Peter Paul Rubens. Graduiertenförderung des Landes Hessens. Promotion 2001 mit einer Dissertation über die politische Ikonographie des Waffenstillstandes von 1609 an der Universität Kassel. Werkverträge an Museen in Kassel, Hildesheim, Paderborn; freie Mitarbeit im Bereich Printmedien. 2003-2006 Vertretung der wissenschaftlichen Assistenz am Institut für Kunstgeschichte der RWTH Aachen, ab 2007 ebenda Assistentin; Kuratorin der Reiff-Sammlung, seit Juli 2009 zudem Postdoc-Stipendiatin, gefördert aus Mitteln der Exzellenzinitiative.
Forschungsschwerpunkte: Politische Ikonographie des 17. Jhs., Sammlungskulturen im 19. Jhs., Universitätsmuseen, Original & Kopie.

Museumsakademie Joanneum

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9805
F +43-316/8017-9808
museumsakademie@museum-joanneum.at