Friedrich Tietjen:

Gesetze der Serie. Zur Ausstellbarkeit serieller Kunst

Serielle Kunst – das klingt ein wenig nach Zweiter Liga, nach Ersatz, nach Trostpreis. Verantwortlich dafür sind verschiedene Faktoren – ein Kunstmarkt, der Originale überhöht, Ausstellungen, die einander mit Gesten der Unmittelbarkeit und Authentizität überbieten, eine Kunstgeschichte, für die Reproduktionen ungeliebte Hilfsmittel waren. Übersehen wird dabei, dass wir – oder doch viele von uns – Erfahrungen mit Kunst gerade nicht anhand von Originalen machen, sondern anhand von Katalogen, von Videos und Objekten, die wir in Einrichtungshäusern, auf Flohmärkten und zuweilen in einer Galerie kaufen. Vor diesem Hintergrund operiert Serielle Kunst. Sie nutzt Serialität als Bedeutungsebene, mit der sich Marktmechanismen ebenso befragen lassen wie ikonografische und technische Traditionen, Auktorialität ebenso wie ästhetische Randzonen. Ab Februar 2019 wird in der Neuen Galerie die Ausstellung Viel hilft viel. Serielle Kunst aus dem artelier (Schenkung Ralph und Petra Schilcher) diese Potentiale der seriellen Kunst untersuchen.

 

Kurzbiographie: 

Dr. Friedrich Tietjen arbeitet als Kurator, Kunst- und Kulturwissenschafter mit einem Schwerpunkt in der Theorie und Geschichte der Fotografie und lebt in Leipzig und Wien. Zusammen mit Herbert Justnik forscht er zur privaten Fotografie in Österreich zwischen 1930 und 1950 und bereitet eine Ausstellung am Volkskundemuseum Wien zum Thema vor. Daneben arbeitet er an einer Ausstellung zu Tod und Fotografie (c/o Berlin, Herbst 2018) und zur seriellen Kunst (Neue Galerie Graz, Frühjahr 2019). 2019 soll das Buch „Führerbart und Volkskörper oder Hitler wie ihn keiner kennt“ erscheinen. 2014 bis 2016 war er Gastprofessor für moderne und zeitgenössische Kunst an der Universität Wien, 2007 bis 2013 Juniorprofessor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2006 Promotion zur Rolle von Kunstreprodutionen in der Kunstgeschichte. Seit 2015 Organisation der jährlichen Tagung After Post-Photography in St. Petersburg. Publikationen zur Theorie und Geschichte der Fotografie und anderer Medien wie Radio, Einkaufssackerl und Mode.

 

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