Anja Piontek:

Kooperative Ausstellungspraxis. Untersucht anhand des partizipativen Ausstellungsprojekts „Berg der Erinnerungen“

Anja Piointek beschäftigt  sich in ihrer Dissertation mit Theorien und Praxen der aktiven Partizipation von musealen Laien in der Institution Museum. Der Fokus liegt dabei auf Beteiligungsformen, die sich im Rahmen von kooperativen Ausstellungsprojekten entfalten und bei denen die Teilnehmenden in Prozesse des Sammelns, Bewahrens, Forschens und/oder Vermittelns eingebunden werden. Der Forschungsarbeit liegt also ein Verständnis von Partizipation zugrunde, das über die im Kulturbereich weit verbreitete Begriffsauslegung als kultureller Teilhabe (bei der der Partizipient lediglich Besucher und Rezipient ist) hinausgeht und eine aktive Teilnahme im Sinne einer direkten Beteiligung an Entscheidungs- und/oder Gestaltungsprozessen meint. Auf welche Weise dies in der Praxis verwirklicht wird und welche Auswirkungen das auf das traditionelle museale Gefüge impliziert, soll die Analyse ausgewählter partizipativer Ausstellungsprojekte zeigen. 

Im Rahmen des In-Residence-Programms untersucht Anja Piontek das Ausstellungsprojekt Berg der Erinnerungen, das im Kulturhauptstadtjahr 2003 in Graz durchgeführt wurde. Dieses Partizipationsprojekt ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen war es ein vergleichsweise großes partizipatives Projekt mit einer erstaunlich hohen Zahl an Teilnehmenden, das sich zudem durch ein ungewöhnliches Setting und eine unkonventionelle Gestaltung auszeichnete. Zum andern wurde bewusst daran gearbeitet, eine Nachhaltigkeit zu erzielen, indem das Büro der Erinnerungen dauerhaft in die Multimedialen Sammlungen des Universalmuseums Joanneum überführt wurde.

 

Mittels Auswertung archivierter Projektmaterialien und anhand leitfragengestützter Interviews mit damaligen Beteiligten wird das Projekt vor allem auf folgende Fragen hin untersucht: Welchen partizipativen Strategien und strukturellen Gegebenheiten ist es zu verdanken, dass die Beteiligung so hoch ausfiel? Wie hat sich die Situierung im nichtmusealen Raum ausgewirkt auf die kuratorische Arbeit, aber auch auf die Ausstellungsnarration selbst? Welche Rolle nahmen die „history scouts“ und die Teilnehmer/innen im Verhältnis zu den Kurator/innen ein und wie kommunizierten und interagierten sie miteinander? Welche Erfolge und Potenziale aber auch Schwierigkeiten und Grenzen barg die kooperative Arbeit mit der Bevölkerung?

 

 


Kurzbiographie

 

2000-2004 Lehramtsstudium mit den Fächern Kunst, Deutsch, Religionslehre und Erziehungswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Freiburg; Erstes Staatsexamen mit Auszeichnung. Danach Masterstudium der Kunst- und Kulturvermittlung, Schwerpunkt Museum an der Universität Bremen (Fachbereich Kulturwissenschaften) von 2004-2008; Master of Arts mit Auszeichnung. Projektmitarbeit an verschiedenen Bremer Museen als Vermittlerin und Kuratorin. Parallel dazu 2007 und 2008 Referendariat in Hamburg. Nach dem Zweiten Staatsexamen zunächst Berufstätigkeit als Lehrerin und freie Autorin für Unterrichtsmaterial. Seit März 2010 Stipen-diatin der Zentralen Forschungsförderung der Universität Bremen mit dem Dissertationsprojekt „Partizipation im Museums- und Ausstellungswesen. Theorien und Praxen aktiver Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an musealen Arbeits- und Vermittlungsprozessen“ (Arbeitstitel).

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