Münzen aus dem Schatz von Scheifling

Bildinformationen

Material

Gold

Datierung

verborgen nach 1590

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Am 9. September 1936 stieß man im obersteirischen Ort Scheifling bei Umbauarbeiten in der ehemaligen Taverne des Schlosses auf einen Leinensack, der hinter einem Türsturz verborgen war. Im Sack befanden sich über 400 Goldmünzen und goldene Ringe, Ketten und Gürtel. 118 dieser Münzen gelangten in die Münzensammlung des Joanneums und stellen nun einen Höhepunkt des Münzkabinetts Schloss Eggenberg dar.

Ein besonderes Merkmal des Scheiflinger Schatzes ist seine Internationalität. Die Prägestätten der Münzen verteilen sich über halb Europa. Dies lässt sich nicht allein daraus erklären, dass damals die Grenzen eines politischen Raums nicht unbedingt mit den Grenzen eines Währungsbezirkes zusammenfallen mussten und auch in der Steiermark gerade, was Goldmünzen betrifft, immer auch fremde Münzen im Umlauf waren. Der Umstand, dass sich die Prägestätte der im Scheiflinger Schatz versammelten Münzen von Polen über Frankreich, Italien und Spanien bis nach Portugal erstrecken, hat seinen Grund wohl auch darin, dass sein nicht mehr bestimmbarer Besitzer über weitreichende Geldverbindungen verfügt haben muss.

Die meisten der 118 Münzen sind gut erhalten und waren demgemäß zum Zeitpunkt ihrer Verbergung nicht lange im Umlauf. Nur die spanischen Münzen und das portugiesische Stück weisen starke Zirkulationsspuren auf und sind teilweise beschnitten. Die meisten Stücke stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die Münzen mit dem jüngsten Prägedatum sind ein Dukat Erzherzog Karls II. von Innerösterreich aus Kärnten und ein Dukat König Rudolfs II. aus Prag, die im Jahr 1590 hergestellt wurden. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Schatz bald nach 1590 verborgen wurde.

Einen Eindruck von der damaligen Kaufkraft der Goldmünzen des Schatzes erhält man, wenn man sich vor Augen führt, dass ein Dukat in den 1580er-Jahren einen Wert von 110 Kreuzern hatte und in jenen Jahren beispielsweise ein Kalb 90 Kreuzer und ein Pfund Fleisch sechs Kreuzer kosteten.

Die Herkunft des Goldes ist ungeklärt. Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit der Vertreibung der Protestanten im Zeitalter der Gegenreformation in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts.