Milica Tomić

Aflenz Memorial

18.10.2026 - 31.12.2027

Bildinformationen

Laufzeit

18.10.2026 - 31.12.2027

Veranstaltet von

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Treffpunkt

Retzneierstraße, 8435 Wagna-Aflenz

Kuratiert von

Gabriele Mackert

Alle anzeigen

Über das
Projekt

Nach dem künstlerischen Konzept von Milica Tomić (* 1960) entsteht am Ort des Außenlagers des KZ Mauthausen in Leibnitz/Aflenz derzeit ein begehbares Landschaftsdenkmal, das Geschichte, Erinnerung und Gegenwart verbindet. Die Eröffnung ist am 18. Oktober 2026 geplant

 

 

Ein lebendiges Memorial

Das Aflenz Memorial entsteht an einem Ort, an dem die Geschichte des ehemaligen Lagers jahrzehntelang von Maisfeldern überdeckt war. Das Aflenz Memorial macht diese verdrängte Vergangenheit wieder sichtbar und schafft einen lebendigen Erinnerungsraum. Da von den ehemaligen Bauten auf dem Gelände des Konzentrationslagers heute keine sichtbaren Überreste mehr vorhanden sind, machen Wege entlang der ehemaligen Lagergrenzen die Dimensionen des Areals erfahrbar. Auch der frühere Appellplatz und eine Baracke werden im Gelände markiert.

Neben dem Wegesystem ist das zweite zentrale Element die Bepflanzung, die Milica Tomić gemeinsam mit atelier le balto und dem Grazer studio boden entwickelt. Archäobotanische Untersuchungen brachten Samen von Pflanzen zutage, die historisch an diesem Ort gewachsen sind. Eine Auswahl davon wird nun wieder in einer mehrjährigen Fruchtfolge angesät. Den Anfang macht eine Zwischenfrucht ab August 2026: Tiefwurzelnde Pflanzen wie Klee und andere Leguminosen lockern den Boden, binden Stickstoff, schützen vor Erosion und verbessern nachhaltig die Bodenstruktur. Sonnenblumen tragen zusätzlich zur Bodenverbesserung bei und bilden über den Winter eine Mulchschicht, die verrottet und so den Boden mit Nährstoffen anreichert. Ab 2027 wachsen dann Senf, Himbeere, Brombeere, Holunder, Kiwi, Tabak, Mais und  vereinzelte Exemplare des Schwarzen Holunders. Dieser bleibt dauerhaft gepflanzt, als Erinnerung an die jahrzehntelange Verdrängung und Überdeckung der Vergangenheit, während die saisonalen Pflanzen jährlich erneuert werden, wodurch die Erde lebendig und nährstoffreich bleibt.

Das Aflenz Memorial versteht den Boden als Archiv und als aktiv Beteiligten, weil er Spuren der Vergangenheit bewahrt und an der Entstehung eines lebendigen Denkmals mitwirkt. Er bringt Keime und verborgene Geschichten an die Oberfläche und lässt sie zu einer Landschaft heranwachsen. So wird der Boden selbst zum Träger der Erinnerung und macht sichtbar, was sich in ihn eingeschrieben hat. Das Gelände bleibt Teil der Gegenwart. Ein Bereich wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Die Erträge werden von der Gemeinde geerntet und verarbeitet. Durch die Pflege der Pflanzen, die Beteiligung der Bevölkerung und die kontinuierliche Auseinandersetzung entsteht ein Ort des Lernens, der Erinnerung und der Reflexion. 

Bildinformationen

Geschichte

 

1944 errichteten Gefangene des KZ Mauthausen in Aflenz an der Sulm ein Außenlager, um die Rüstungsproduktion des in Graz und Thondorf bei Graz ansässigen oberösterreichischen Konzerns Steyr-Daimler-Puch AG in unterirdischen Steinbrüchen vor Bombenangriffen zu schützen. Das Lager befand sich auf einer Wiese schräg unterhalb des sogenannten Römersteinbruchs. Das gesamte Areal war Sperrgebiet, die Zufahrtsstraße von Wagna vom sogenannten Wächterhaus begrenzt. Bis Juli 1944 wurden 8.000 m² Stollenfläche ausgebaut.

Insgesamt mussten dort über 900 Männer Sklavenarbeit leisten. Die Gefangenen stammten überwiegend aus der Sowjetunion, Polen, dem Deutschen Reich sowie dem damaligen Jugoslawien, Spanien, Italien und Frankreich. Die KZ-Häftlinge litten unter extremen Arbeitsbedingungen sowie Misshandlungen. In der Zeit des Bestehens kamen mindestens 81 namentlich bekannte KZ-Häftlinge ums Leben. Nach 1945 wurden drei Massengräber exhumiert. Jenseits dessen lag ein großes Arbeitsdienstlager, in dem auch rund 2.000 Zwangsarbeiter*innen interniert waren. 

Die historischen Forschungen sind noch nicht abgeschlossen. Derzeit werden weitere archivalische Quellen erschlossen.

Bildinformationen

Weitere Informationen
Über die Künstlerin
Bildergalerie

Bildinformationen

Bildinformationen

Ein LEADER-Projekt von ASIST (Archäologisch Soziale Initiative Steiermark) mit KiöR (Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark)

Bildinformationen