Das Aflenz Memorial entsteht an einem Ort, an dem die Geschichte des ehemaligen Lagers jahrzehntelang von Maisfeldern überdeckt war. Das Aflenz Memorial macht diese verdrängte Vergangenheit wieder sichtbar und schafft einen lebendigen Erinnerungsraum. Da von den ehemaligen Bauten auf dem Gelände des Konzentrationslagers heute keine sichtbaren Überreste mehr vorhanden sind, machen Wege entlang der ehemaligen Lagergrenzen die Dimensionen des Areals erfahrbar. Auch der frühere Appellplatz und eine Baracke werden im Gelände markiert.
Neben dem Wegesystem ist das zweite zentrale Element die Bepflanzung, die Milica Tomić gemeinsam mit atelier le balto und dem Grazer studio boden entwickelt. Archäobotanische Untersuchungen brachten Samen von Pflanzen zutage, die historisch an diesem Ort gewachsen sind. Eine Auswahl davon wird nun wieder in einer mehrjährigen Fruchtfolge angesät. Den Anfang macht eine Zwischenfrucht ab August 2026: Tiefwurzelnde Pflanzen wie Klee und andere Leguminosen lockern den Boden, binden Stickstoff, schützen vor Erosion und verbessern nachhaltig die Bodenstruktur. Sonnenblumen tragen zusätzlich zur Bodenverbesserung bei und bilden über den Winter eine Mulchschicht, die verrottet und so den Boden mit Nährstoffen anreichert. Ab 2027 wachsen dann Senf, Himbeere, Brombeere, Holunder, Kiwi, Tabak, Mais und vereinzelte Exemplare des Schwarzen Holunders. Dieser bleibt dauerhaft gepflanzt, als Erinnerung an die jahrzehntelange Verdrängung und Überdeckung der Vergangenheit, während die saisonalen Pflanzen jährlich erneuert werden, wodurch die Erde lebendig und nährstoffreich bleibt.
Das Aflenz Memorial versteht den Boden als Archiv und als aktiv Beteiligten, weil er Spuren der Vergangenheit bewahrt und an der Entstehung eines lebendigen Denkmals mitwirkt. Er bringt Keime und verborgene Geschichten an die Oberfläche und lässt sie zu einer Landschaft heranwachsen. So wird der Boden selbst zum Träger der Erinnerung und macht sichtbar, was sich in ihn eingeschrieben hat. Das Gelände bleibt Teil der Gegenwart. Ein Bereich wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Die Erträge werden von der Gemeinde geerntet und verarbeitet. Durch die Pflege der Pflanzen, die Beteiligung der Bevölkerung und die kontinuierliche Auseinandersetzung entsteht ein Ort des Lernens, der Erinnerung und der Reflexion.