Unser Gamswild - Historie

Unser Gamswild, faszinierend und perfekt angepasst

Die Steiermark gilt als ein Land mit einem relativ guten Gamswildbestand, wiewohl man hier Unterschiede in den topographischen und örtlichen Gegebenheiten betrachten muss.

 

Teil 1 - Historie

Vor der wildbiologischen Einteilung (Teil 2) noch einige Einblicke in die Vergangenheit, so wie unser Gamswild als jagdbare Wildart behandelt wurde.

In Der Stiftsbibliothek Lilienfeld findet sich ein Werk, „Concordantiae Caritatis“ um 1350, dort wird bereits eine Bejagungsform auf Gamswild dargestellt und erklärt, nämlich mit dem Hund. Eine Jagdform, die eigentlich auf diese Wildart zu dieser Zeit ungewöhnlich war, denn das Wissen um das Gamswild war zu dieser Zeit noch nicht sehr groß, es gibt auch Darstellungen von Gamswild, wo der/die Gams mit den Gamskrucken nach vorne gehakelt, dargestellt werden.

Conrad Gessner

Conrad Gesner, ein Schweizer Arzt und Gelehrter, beschreibt in seiner „Historia Animalium“ Heidelberg 1645, als erster Naturforscher das Gamswild. Er stützt sich auf eigene Anschauungen und Beobachtungen von Jägern und räumt der vermeintlich medizinischen Wirkung der „Gembsen Kugeln“ viel Platz ein. Er beschreibt aber auch bereits die sogenannten Sulzen:

„…und samlend sich gmeintlich bey etlichen sandächtigen felsen/ läckend das sand/rybend jr zung unnd rachen damit/ machend jnen felbs also begird zu ässen als ob es salz wäre/ werdend auch der ursach von den Jegeren und eynwoneren der landen sulzen genamset/ bey solchen sulzen hinderhaltend unnd verbergend sich die Jeger mit jren büchsen unnd geschütz/ so dasß die Gemsen nach gewonheit harzu trabend/ schiessend sys unbewarter sach zu tod.“

Die Vorstellung, dass sich das Gamswild mit den „Hörnern“ in den Felsen halten kann beschreibt er „….so springend sy von einem felsen zu dem anderen / biß sy auff die allerhöchsten spitz kommend / alda enthaltend sy sich mit iren hornenund henckend sich daran / werdend also eintwäders von Jegeren erschossen/ oder sunst hinab gestürzt“.

 

Eine bedeutende weitere, sehr frühe Arbeit über das Gamswild stellt die 1693 erschienene „Demographia oder Gemsen Beschreibung“ von Adam Lebwald von und zu Lebwald dar. Dieser war Leibarzt des Abtes von Admont und befasst sich ausführlich mit der medizinischen Anwendung von Gemsenkugeln (Anm.: das sind unverdaute Nahrungsreste und Gamshaare im Magen einer Gams, die durch die Magenbewegung rund werden). Sein Werk ist die erste Gamsmonographie. Er beschreibt „…die Haar eines Fingerslang/wie subtilleSchwein=Borsten/auf der Seithen waren die Haar braun=schwarz und Schwartze Strich von oben des Hauptes endeten sich bey beeden Nasen=Löchern“.

Sein Werk ist die erste steirische Gamsmonographie. Sein vor dieser Monographie verfasstes Werk über die Gemsen-Kugel ist in „etlich hundert Exemplaria in kurzer Zeit distrahirt (verkauft) worden“. Dieser Erfolg hat „mein Federn angefrischet“, sodass er ein umfangreicheres Werk am Ende des 17. Jahrhunderts verfasste.

Den Lebensraum beschrieb er so …. „sie kommen offt zusammen bey den sandigten Felsen/ allwo sie den Sand / wie die Gaiß (Anm. d. Verf. Ziegen) das Salz lecken; ohne Zweiffel / weil solcher Sand salzig und saliterisch ist / kan auch in ein Kugel / vergleichen ich bey handen / coaguliret werden.“ Mit dieser Bemerkung weist er schon auf die Bedeutung von Salz und der damit verbundenen Anbringung von Salzecken hin.

Besonders zu erwähnen ist der Eintrag „nach St.Jacobs Tag (25. Juli) gehen sie schon in kältere Erden in die Höhe / damit sie allgemach gewohnen die Winter-Kälten zuertragen. Die Gemsen geben auch Anzeigung der Witterung oder Wetter einen Tag vorhero / wann sonst schon kein Anzeigung ist / …. Mercken sie aber schönes Wetter / gehen sie wider in die Höhe.“ Auch hier wiederum das Aufzeigen vom Verhalten des Wildes, was heute noch seine Gültigkeit hat, wenn man mit erfahrenen Gebirgsjägern spricht.

Er beschreibt auch ausführlich wenn die „Krückel wären den Gämsen nicht vil nutz / oder zu keiner Wehr / so haben sie aber vil Medicinalische Kräfften /..  beynebens seynd sie auch zu einer Zier mit Bildhauer Arbeit eingefasset / oder auff die Stecken gehefftet.

In vielen Bemerkungen dieser Ausführungen wird vom Autor auf die Beobachtungen der (Berufs) Jäger der damaligen Zeit zurückgegriffen, indem er wiederholt schreibt … / weiter will ich die Jäger davon reden lassen.

Eine Einstellung, die besondere Beachtung und Anerkennung auch in der heutigen Zeit finden sollte.

Kaiser Maximilian

Bereits Kaiser Maximilian I (1459 – 1519) beschäftigte sich ausgiebig mit dem Thema Gamsjagd und ist wohl der berühmteste Gamsjäger der beginnenden Neuzeit. Obwohl das Schießpulver und auch die Handpüxen schon im Gebrauche standen, hat der Kaiser sie weder zur Jagd noch im Kriege benutzt, „Den Gjaidschafft und die Armbrust betrachtete er als gamsgerechte Waffen“ (Nerl,Messner,Schwab; Das große Gamsbuch, 1995) Der Jagdschaft soll 4 Klafter lang und gleich stark sein, aus Esche oder Haselnuss, und er ließ in allen Jagdhäusern von seinen Jägern diese „Jagdschafte“ in ausreichender Zahl lagern.

Einer der wichtigsten Jagd-“Beamten“ Maximilians war seit 1497 der oberste „Birgmeister“

(Gebirgsmeister) und Gamsjäger Kaspar aus Garamais, der Lechtaler. Der erfahrene Jäger stürzte während einer Gamsjagd mit dem Kaiser oberhalb der Bacheralm bei Hohentauern

(Bez. Murtal) am 11.Juli 1514 über 200 Klafter ab. Maximilian ließ seinen Jäger in Rottenmann bestatten.

 

Ein weiter Sprung von 250 Jahren gibt uns dann einen Einblick, wie man in dieser Zeit mit dem Gamswild umgegangen ist. Kaiser Karl VI wurde von den Steirischen Ständen zur Gamsjagd am Hochreiting eingeladen, ein Gamsriegler.

 

Bei der am 3. August 1728 angesetzten Jagd gab es „achtzehn Jäger und 3000 Ober-Steyrische Treib-Bauern…. die mit allerhand Instrumenten, als Alben-Hörnern, Dudelsäcken, Schalmeyen und dergleichen versehen….. Gemsen aus den entlegensten Theilen des Gebürges“ zu den Schützen trieben.

Kaiser Karl VI erlegte an diesem Tag: „103 Gemsen, 2 Kälber, 1 Tier

Die Gesamtstrecke beschreibt Kaiser Karl in seinem Tagebuch mit über 300 Stück

(Quelle: Bachofen von Echt & W. Hoffer: Jagdgeschichte Steiermarks, IV Bd, S 220 f)

Erzherzog Johann

1818 kauft EHJ den Brandhof, einen in über 1000m Seehöhe gelegenen Hof zur Erforschung der Viehzucht und Alpwirtschaft auf der Nordabdachung des steirischen Seebergs.

Erzherzog Johann erließ als Pächter von mehr als 30.000 ha Jagd um Mariazell eigene Instruktionen für seine Jäger und ließ Wildschutzzonen einrichten, die nur alle 5 Jahre bejagt wurden bzw. Schongebiete wo überhaupt nicht gejagt werden durfte.

Gamsriegler wurden nur zwischen 12.00 und 16.00 (Ende) durchgeführt, dann war das ganze Jahr in diesem Revierteil Ruhe.

Anhand der von Erzherzog Johann eigenhändig geführten Schusslisten kann man erkennen, dass einerseits die Zahl der Jäger geringgehalten wurde, und dass vor allem sehr gut geschossen wurde, 12 abgegebene Schüsse, 9 Stück Gamswild erlegt.

Er erließ eigene Abschusspläne, weit bevor es einen reglementierten Wildabschuss gab

„Auf meinem Stande wenige Pflanzen, nur die Priumla Glutinosa blühte in Menge. Da saß ich allein im Sonnenschein, meinen Gedanken freyen Lauf ungestört lassend. Mir war wohl. Ich dachte an das Treiben der Menschen, an den Krieg in der Krim, eine wahre Strafe Gottes, an den Ehrgeiz, Selbstsucht, Eitelkeit etc. und dankte dem Herrn, daß er mir und den Meinigen Frieden gegeben. Ich möchte mit niemandem tauschen. Gemsen sah ich genug, zuerst kamen vor mir 40, lauter Geißen und Kitze, die waren sicher, daß ihnen nichts geschieht. Als diese weggezogen, trennte sich einalter Bock, den nahm ich aufs Korn und schoß ihn. Alles, was noch später kam, ließ ich gehen, ich hatte genug mit meinem Schusse.“

Dass der Gamswildbestand am Hochschwab und in dessen Umgebung heute sehr angesehen ist, ist nur auf die Umstände zurückzuführen, dass im 19. Jahrhundert hier ein wohlwollendes Denken diesem Wild gegenüber eingesetzt hat, denn es wurde in dieser Zeit und auch davor sehr viel an Gamswild von Wildschützen aus der Natur entnommen. 

Am 8. Juni 1876 erließ Kaiser Franz Josef mit Zustimmung des Landtages des Herzogthums Steiermark „betreffend die Schonzeit des Wildes“ ein Gesetz, das unter anderem „§ 1 bei Ausübung der Jagd folgende Schonzeit zu beachten ist: für Gemswild vom 15. Dezember bis Ende Juli.“

Eine wohldurchdachte Schonung des Gamswildes nach der Brunft.

 

Für den Inhalt verantwortlich: Mag. Karlheinz Wirnsberger, Jagdmuseum Schloss Stainz

Dieser historische Beitrag wurde in der Steirischen Aufsichtsjägerzeitung Nr. 19/2019 veröffentlicht.

 

 

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