Osterbrauchtum in der Weststeiermark

Palmsonntag: „Palmbuschen“

 

Palmprozessionen sind seit dem 8. Jahrhundert bekannt.

Am Palmsonntag feiern die christlichen Kirchen, dass Jesus auf dem Rücken einer Eselin als „Friedenskönig“ in die Stadt Jerusalem einzog. Biblischen Texte zufolge, jubelten ihm viele Menschen mit Palmzweigen zu. Die Palme, in der Antike ein Symbol des Lebens, der Hoffnung und des Sieges, wurde später zum Attribut der christlichen Märtyrer*innen.

In Erinnerung an diese Huldigung Jesu wird immer noch die Palmweihe vollzogen. In südlicheren Ländern werden Palmzweige und Olivenzweige gesegnet, in nördlicheren Ländern ‒ auch in Österreich ‒ müssen „Palmkätzchen“ (Weidenkätzchen), Buchsbaum und andere Zweige als Ersatz dienen. Man sprach ihnen segenbringende und unheilabwehrende Wirkung zu. Die Zweige wurden in die Erde gesteckt, in Haus und Stall angebracht, die Kätzchen auch gegen Halsschmerzen gegessen.

„Kleine Kreuze aus geweihten Palmzweigen an der Scheunen- oder Stalltür angebracht, sollen die Gebäude vor Blitzschlag und das Vieh vor Krankheit schützen.“

Weihfeuer-Tragen

 

Am Karsamstag wird das Weihfeuer gesegnet und seit den 1990er-Jahren von Buben und Mädchen mittels glosendem Zunder aus Baumschwamm oder in der Weststeiermark auch aus „Moderholz“ (leicht vermodertes Obstbaumholz) von Haus zu Haus getragen. Bis in die 1990er-Jahre war das nur den Buben erlaubt. In den Häusern wird ein kleiner Teil des glosenden Holzes oder Baumschwammes auf die Herdplatte gelegt, was im Zeitalter der Elektroherde schon sehr selten geworden ist, oder das Haus wird eingeräuchert. Dafür bekommen die Jugendlichen von den Hausbewohner*innen zumeist eine kleine Geldspende.

Früher wurde mit dem geweihten Feuer am Karsamstag das Herdfeuer entzündet, um damit das Osterfleisch zu kochen.

Fleischweihe

 

Die Segnung der Osterspeisen, landläufig „Fleischweihe“ genannt, kann bis in das 7. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Fleisch wird schon seit dem 7. Jahrhundert, Brot und Eier werden seit dem 12. Jahrhundert gesegnet. Osterbrot, Schinken, Ostereier, Salz, Kren und weitere Speisen werden am Karsamstag in die Pfarrkirche, zu einer Kapelle oder einem Bildstock gebracht, wo sie nach einem Wortgottesdienst gesegnet werden.

Damit das mitgebrachte „Weihfleisch“ nicht in der Bank versteckt oder in Plastiksäcken auf den Altar gestellt werden muss, wurde an manchen Orten die Verwendung von geflochtenen Körben und von bestickten oder bedruckten Deckchen gefördert. Diese Weihkorbdeckchen zeigen österliche Symbole in Kreuzstickereien oder mit Stoffdruckmodeln aufgebrachte Musterungen. In früheren Zeiten trugen die Frauen die Osterspeisen noch in Leintüchern eingepackt auf ihren Köpfen zur Fleischweihe.

Ostereier


Für die Christen wurde das Ei zum Sinnbild der Auferstehung Christi und der Auferstehungshoffnung der Gläubigen. Dass es zu Ostern eine so große Rolle spielt, hat praktische Gründe: Nach dem Winter gab es Eier in größeren Mengen, doch durften sie in der Fastenzeit nicht gegessen werden. Zu Ostern reichlich vorhanden, waren sie eine geeignete Naturalabgabe. Den am Gründonnerstag oder Karfreitag gelegten „Antlasseiern“ sprach man unheilabwehrende und segenspendende Wirkung zu: Sie galten als „Mittel für und gegen alles“ und wurden dementsprechend in Haus und Hof versteckt, etwa unter dem Dach als Blitzschutz, im Stall und auf den Feldern.

Schon im 17. Jahrhundert war das gefärbte und verzierte Osterei ein Geschenk der Eltern und Pat*innen für Kinder, der Bauern für Dienstbot*innen, aber auch eine Freundschafts-, Minne- und Verehrungsgabe.

Nach einer anderen Theorie färbte man die zur Speisensegnung bestimmten Eier, um sie von den anderen unterscheiden zu können. Schon 1672 schrieb Georg Stengel S. J. ein Buch „über die Ostereier, die gewöhnlich rote Eier genannt werden“.

Osterhase

 

Osterhase, Henne oder Hahn gelten als „Eierbringer“ zum Fest. Die Herkunft des Osterhasen ist ungeklärt, schriftlich erwähnt wird er erstmals um 1682.

Eine mögliche Erklärung wäre, dass ‒ wie schon alte Holzschnitte zeigen ‒ die Untertanen zu Ostern Hasen ebenso wie Eier, Federvieh und Brot als Naturalzins an geistliche und weltliche Obrigkeiten ablieferten. Eine andere Erklärung hängt mit tierförmigen Gebäcken, sogenannten „Gebildbroten“ zusammen, die man zu Ostern verschenkte. In Hennen und Osterlämmern waren bunte Eier eingebacken. Vielleicht ist ein misslungenes Lamm zum Osterhasen geworden?

Kräftigen Aufschwung erfuhr der Osterhasenbrauch mit der industriellen Herstellung von Rübenzucker im 19. Jahrhundert. Nun war es möglich, in großen Mengen Hasen und Eier als Konditorware und aus Schokolade zu produzieren. Das Beschenken mit Schokoladehasen und -eiern ist eine bürgerlich-urbane Erfindung und erst um 1800 aufgekommen.

Osterfeuer - Osterkreuz

 

In der Osternacht (Karsamstag) brennen in weiten Gebieten der Steiermark die Osterfeuer. Waren es zuerst Scheiter- und Staudenhaufen, so hat sich schon im 19. Jahrhundert der Brauch der Zeichenfeuer herausgebildet: Auf hohen Holzgerüsten wurden Pechpfannen angebracht, die weithin leuchtende liturgische Sinnbilder ergaben, zum Beispiel Kreuz, Anker und Herz. Im 20. Jahrhundert verwendete man heizölgetränkte Sägespäne, mittlerweile sind auf den Hügelkuppen Installationen mit elektrischen Glühbirnen zu sehen.

Maschtasingen

 

Noch heute findet in Hitzendorf und in Mooskirchen das sogenannte Maschtasingen statt. Die Männer aus dem Hitzendorfer Ortsteil Attendorf kommen zum Beispiel am Karsamstag zusammen, um das Maschtakreuz zu schmücken. Am Morgen des Ostersonntags ziehen sie hinter dem schwer mit Altarkerzen behängten und mit Papierblumen geschmückten Vortragkreuz auf ihrem Kirchweg zur Pfarrkirche. Dabei singen sie mittelalterliche Passions- und Osterlieder, die dem Brauch den Namen gegeben haben. Denn aus der „Marter“, dem Leiden Christi, wurde im weststeirischen Dialekt „Maschta“. Der Brauch stammt aus dem 14.Jahrhundert, als die Männer das Versprechen gaben, dieses Maschtasingen jährlich zu veranstalten, nachdem sie von der Pest verschont geblieben waren.

Text: Mag. Maria Zengerer

Literatur Expand Box

Bruno Brandstetter. Der Markt Hitzendorf. Ortsgeschichte und Häuserbuch. Graz 1984.

Michael J. Greger. Brauchtum und Jahr. Neue und überlieferte Bräuche im Bezirk Liezen. Schriftenreihe des Landschaftsmuseums in Schloss Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum, Band 8. Trautenfels 2008.

Sepp Walter. Steirische Bräuche im Laufe des Jahres. Schriftenreihe des Landschaftsmuseums Schloß Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum, Band 6. Trautenfels 1997.

Helga Maria Wolf. Das neue Brauchbuch. Alte und junge Rituale für Lebensfreude und Lebenshilfe. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag. Wien 2000.
 

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