Hubertuslegende

Norbertine von Bresslern-Roth

Foto: UMJ/N. Lackner

Norbertine Bresslern-Roth
Heiliger Hubertus
1952
Öl auf Leinwand
170  x 170 cm
Eigentum: Sammlung Jagdkunde, JK 325

Eine besondere Interpretation der Hubertuslegende findet man im Jagdmuseum Schloss Stainz. Das großformatige Ölbild der steirischen Künstlerin Norbertine von Bresslern-Roth beeindruckt nicht nur durch Farbenpracht und Bewegungsrhythmus.
 

Eine Frage darf im Hubertusmonat durchaus erlaubt sein: Was erhofft man sich von einer Legende, die in der Literatur unterschiedlichst interpretiert, von Künstlern dahingehend natürlich auch verschiedentlich dargestellt und auch von vielen Jägern in unterschiedlichster Art verstanden wird?

Eine derartige künstlerische Interpretation findet man auch im Jagdmuseum Schloss Stainz: ein großformatiges Ölbild der steirischen Künstlerin Norbertine von Bresslern-Roth (1891–1978), im Österreichischen Künstlerlexikon von R. Schmidt, Wien 1977, wird sie hauptsächlich als „Tiermalerin“ bezeichnet. Bresslern-Roth beschäftigte sich vorwiegend mit afrikanischen Tierdarstellungen, hervorgerufen durch mehrmalige Studienaufenthalte in Nordafrika, vor allem aber auch durch Studien in beinahe sämtlichen Tiergärten Europas.

Dass die Hubertuslegende für die Künstlerin ein wichtiges Thema war, zeigt die Tatsache, dass sie vier große Werke in den Jahren 1936, 1941, 1948 und schließlich 1952 anfertigte und das letzte Werk sich seit dieser Zeit im Eigentum des Jagdmuseums befindet. Das Bild zeigt die Erscheinung eines Rothirsches mit Kreuz im Geweih. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern zeigt sie einen 16-Ender in Sommerfärbung. Diese Darstellung weicht von vielen anderen Hubertusdarstellungen insofern ab, als die meisten Hirsche als „weiße Hirsche“ gemalt wurden und hauptsächlich als 10-Ender gezeigt werden .

Dieses Bild ist bestimmt durch die detailhafte Ausführung des Bewegungsrhythmus des sich im Vordergrund befindlichen Schimmels und der dazugehörigen Hunde. Es ist eine Komposition mit Stimmung, hervorgerufen durch charakteristische Formgebung und Bewegung mit starkem dekorativem Kolorit, wie Schmidt die Werke von Bresslern–Roth beschreibt.

Der heilige Hubertus – Schutzpatron der Jagd oder der Jäger?

 

Die Hirschbrunft hat uns alle in den Bann gezogen, nun kehrt wieder innere Ruhe bei vielen Jägerinnen und Jägern ein, die frisch gebleichten Trophäen von Rehbock und Hirsch werden bereits in den Jagdzimmern, Jägerstüberln und Arbeitsräumen montiert, um der Freude über die bisherigen Jagderfolge Ausdruck zu verleihen. In so mancher Jagdstube hängt auch eine Darstellung des heiligen Hubertus, oder wir finden eine Figurine des Heiligen dekorativ in der Stubenecke.

Erinnere ich mich an meine Kindheit zurück, so sehe ich auch in der mit Zirbenholz ausgetäfelten „Stube“ meines Großvaters – er war ein Jäger der alten Schule – eine Hubertusdarstellung an der Wand hängen. Natürlich „nur ein Kunstdruck“ von Wilhelm Carl Räuber (1849–1926), das Original hängt in einem deutschen Museum. Diese Darstellung des sich bekehrenden Hubertus war in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine der häufigsten Darstellungen und wurde als Massenkunstdruck angefertigt, der heute noch im Handel erhältlich ist.

Einmal auf die Frage nach dem Sinn dieses Bildes antwortend, erklärte mir mein Großvater, dass der heilige Hubertus der Schutzpatron der Jäger sei. Ich gab mich damals mit der Antwort zufrieden.

Heute stellt sich die Frage: Was schützt der heilige Hubertus, wo alles reglementiert ist, alles Gesetzen und Verordnungen unterworfen ist, in vielen Bereichen Wildtiermanagement statt Jagd betrieben wird? Trotz alledem finden wir über das ganze Land verteilt Hubertusjagden, Hubertuskapellen, Hubertusfeiern, Hubertusgasthöfe, ja sogar Hubertusapotheken und ähnliches.

Die zahlreichen Hubertusfeiern sind nicht nur für Jäger beliebte Anlässe zur Kommunikation, auch die nicht jagdliche Öffentlichkeit nimmt gerne an den gemeinsamen Feiern zur Würdigung des Schutzpatrons – nicht nur der Jäger, auch der Optiker und Büchsenmacher – teil.

Paffrath schreibt „ … auch im Volke kann eine Rückbesinnung auf den Wert der Legende festgestellt werden. Kein Heiliger hat an Popularität so zugenommen wie Hubertus.“

Text: Mag. Karlheinz Wirnsberger

Literaturhinweis Expand Box

 

Schmidt, Rudolf: Österreichisches Künstlerlexikon: von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bd. 3, Bischof bis Buzzi-Quattrini, Wien 1977, S. 253/54

 

Bistram, J. B. von : St. Hubertus, Neue Beiträge zur Geschichte des Patrons der Jagd, Brüssel 1976

 

Paffrath, Arno: Die Hubertuslegende, ihre Entstehung und Bedeutung für die heutige Zeit, 2. Auflage, Hamburg Berlin 1979

Der publizierte Beitrag

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