Hölzerne Pulverflasche

Foto UMJ

Pulverflasche in Ringform

Datierung: 
Technik: Holzkorpus mit geschnitzten Tiermotiven
Maße: Durchmesser ca. 12 cm
Eigentümer: Sammlung Jagdkunde, Jk 2388

Bei dieser Pulverflasche handelt es sich um einen geschnitzten Korpus in Form eines Ringes, wahrscheinlich aus Buchsbaumholz. Solche Behältnisse mussten die Jäger vergangener Tage ständig bei sich führen und ihre Vorderladergewehre mühevoll schussbereit machen.

Man kann es sich kaum vorstellen, dass der Jäger ab Erfindung des Schwarzpulvers den Vorderlader nach jedem abgegebenen Schuss in einer aufwendigen Prozedur mit Pulver, Kugel und Schusspflaster neu laden musste. Es war Fingerspitzengefühl erforderlich, zu viel Pulver, aber auch eine zu geringe Menge führten nicht zum Erfolg. Die Abgabe eines Schusses mit dem Steinschlossgewehr war am Anfang beinahe nur bei Schönwetter möglich, die Pulverpfanne bekam erst nach und nach technische Verbesserungen, zuerst in Form von „Wasserpfannen“, später wurde schon die Pfanne mit dem „Regendeckel“ gesichert, um
hier ein Eintreten des Wassers zu verhindern. Aber was schützte man mit diesen technischen Erneuerungen?

Man benötigte auch noch Schwarzpulver und Zündkraut. Dieses „Triebmittel“ wurde in mehr oder weniger aufwendigen Behältnissen mit sich geführt und so war man auch vor Verlust des Pulvers und vor Feuchtigkeit geschützt. Die Formen und Materialien der Pulverhörner, Pulverflaschen und Zündkrautfläschchen waren unterschiedlich: aus einfachem gepresstem Kuhhorn, aus Geweihgabeln vom Rothirsch, aus Metall, aus gedrechseltem Holz der unterschiedlichsten Qualitäten oder aus Elfenbein. 

 

Die hölzerne Pulverflasche


In unserem Fall betrachten wir eine Pulverflasche aus Holz etwas näher, wahrscheinlich Buchsbaumholz, in der Literatur als Ringwulsttyp in der Art des Michael Maucher, Schwäbisch Gmünd, aus dem 17. Jahrhundert genannt. Hier handelt es sich um einen plastisch geschnitzten Korpus in Form eines Ringes. Umlaufend finden wir vollplastische Figuren, neun Hunde, einen Keiler stellend, wobei sechs Hunde den Schwarzkittel bereits angenommen haben, drei Hunde sich noch im Hintergrund aufhalten. Die sich heftig bewegenden Tierkörper sind ineinander verbissen, wobei die Detailhaftigkeit hier besonders zu erwähnen ist. Die Waffen des Keilers erscheinen für die Hunde bedrohend, die Halsungen der Hunde sind detailgetreu mit Nieten ausgestattet, wobei zwei Hunde keine Halsungen tragen.

Die Rückseite der im Durchmesser etwa 12 cm starken Pulverflasche ist nicht mehr sehr detailliert gestaltet und zeigt nur mehr zwei Hunde reliefartig abgebildet. Die Ausgusstülle sowie die Sockelplatte der Tülle sind aus Metall rankenartig angefertigt, die Schütte ist extra mit einem schwenkbaren Hebel gegen unbeabsichtigtes Öffnen des Ausgusses und damit verbundenes Verschütten des Schwarzpulvers gesichert. Zwei mit der Sockelplatte verschraubte, leicht verzierte Ösen dienen als Halterung für das Trageband. Die Pulverflaschen bzw. Pulverhörner wurden hauptsächlich über der Hüfte oder am Rücken getragen.


Text: Mag. Karlheinz Wirnsberger

Der publizierte Beitrag

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