Der Kehlheimer Tisch

Im Jahr 1589 widmeten die steirischen Stände dem Erblandjägermeister der Steiermark, Konrad Freiherr von Tannhausen, einen Jagdtisch. Die Gesamtdarstellung zeigt dem Betrachter das vielfältige Jagdleben dieser Zeit.

Kehlheimer Tisch gewidmet „dem Wohlgebornen Herrn Conradten Freyherrn von Thanhausen zu ober Flänitz und Auffenhof Erblandtjägermeister in Steir auch Erbtruchses …[   ] zu einem glükhseligen Neven Jar beschehen den Ersten Jannuary des 1589“

Künstler:  Steinätzer Michael Holzpecher

Datierung: 1589, die derzeit älteste, bekannte  Darstellung der Jagd in der Steiermark

Technik/Material: Steinätzkunst auf Platte aus Kehlheimerstein (Kalkstein), geätzt mit Jagdszenen und Versen und dem Wappen „der Thannhausen“

Maße der Platte: 124cm x 103 cm

Leihgabe: Kulturhistorische Abteilung

Die Ke(h)lheimer Platte des berühmten Tannhausener Tisches aus dem 16. Jahrhundert ist eine Kalksteinplatte, die aufgrund ihrer Steinätzung zu einem der wichtigsten Zeugnisse der steirischen Jagdkultur wurde.

Die Steinätzkunst entstand in der Region um Nürnberg und Augsburg, von dort stammen die meisten Ätzmaler. Der Beginn dieser Technik ist einem gewissen Daniel Hopfer (1470–1536) zuzuschreiben. Man benötigt dafür einen feinkörnigen Stein, und dazu eignet sich besonders der kornlose Kalkschiefer von Solnhofen in Bayern. (Solnhofer Platten werden auch als „Kelheimer Stein“ bezeichnet).

Neben den bayrischen Künstlern haben sich auch steirische Handwerker mit der Kunst des Steinätzens beschäftigt, einer der berühmtesten dieser Epoche war Michael Holzpecher. Er war seit 1555 unter Erzherzog Karl II. am Grazer Hof als Lichtkämmerer angestellt. In dieser Funktion hatte er die Aufgabe, für die damals doch nicht einfache Beleuchtung der Herrschaftsräume zu sorgen.

Made in Styria

 

Holzpechner verließ 1585 den Hof und beschäftigte sich intensiv mit dem Kunsthandwerk des Steinätzens. Er fertigte unterschiedliche Steintafeln an, unter anderem im Jahr 1589 einen Jagdtisch, den die steirischen Stände dem Erblandjägermeister der Steiermark, Konrad Freiherr von Tannhausen, widmeten. Die Funktion des Erblandjägermeisters wurde unter Erzherzog Karl, in Anlehnung an den kaiserlichen Hof in Wien, für die von ihm verwalteten Gebiete Steiermark, Kärnten und Krain im Jahre 1564 eingeführt. Konrad Freiherr von Tannhausen übte dieses Erbamt in der Zeit von 1571 bis 1601 (sic!) aus.

Bachofen von Echt und Wilhelm Hoffer schreiben in der 1931 erschienen Jagdgeschichte der Steiermark (Bd. IV), „der erste wirkliche Oberstjägermeister Konrad Freiherr von Tannhausen bekam, auch bevor dieses Amt ein Erbamt wurde, einen Gnadengehalt von 4000 fl., der vom Amtmann von Innerberg und dem Verweser von Aussee bezahlt werden sollte.“ Tannhausen hatte davon aber wiederum die Gehälter für die „Jägereipersonen“ in den einzelnen Forstämtern wegzuzahlen …

Kunstvolle Jagdszenen

 

Der in seiner Art als einzigartig zu bezeichnende Tisch wurde dem Freiherrn von Tannhausen und seiner Gemahlin Freiin von Teuffenbach als Neujahrsgeschenk vom Rüdenmeister Ulrich Ebenhech feierlich übergeben. Der Tisch ist in vier Felder geteilt, in der Mitte findet man das Wappen Tannhausen und Teuffenbach mit einer Widmungsinschrift.

Die Gesamtdarstellung zeigt das vielfältige Jagdleben dieser Zeit, wobei im Feld links unten eine Bärenjagd mit Hunden und Bärenspieß „erzählt“ wird, als Nebenschauplatz findet sich eine Jagd auf Steinböcke und Gamswild.

Im Feld rechts unten ist eine Hirschjagd mit Hunden und Pferden zu sehen, zentral dargestellt ist ein schwer getroffener und auf der linken Seite schweißender Hirsch, der von einem Hund gestellt wird.

Das obere rechte Bild beinhaltet eine eingestellte Saujagd, mit Tücherwagen, gespannten Tüchern und die Sauen hetzenden Hunden. Neben der Jagd wird – wenn auch recht umständlich – darauf hingewiesen, dass diese Jagdart sehr gefährlich ist: Ein Treiber wird von einem Stück Schwarzwild attackiert.

Der vierte Teil des Tisches ist der Netzjagd auf Hirsche gewidmet, wobei bei diesem Bild im vom Netzen umgebenden Trieb nicht nur Schalenwild, sondern auch ein Fuchs, unterschiedliche Vögel und ein Uhu eingeätzt sind.

Bemerkenswert ist auch einer der vielen Sprüche, welche die Tischplatte umgeben:

 

Das er die Rech und die Hirschn,  mit freier handt schiesn und pirschn,

Die abfressen Rübn und Kraut, was der Baur zu Feldt anbaut,

kundt auch stechen die wildn Schwein, die auf der hetz gar geferlich sein



Dieses einzigartige Dokument steirischer Jagdkultur wurde auf den internationalen Jagdausstellungen 1910 in Wien und 1937 in Berlin gezeigt.

 

Text: Mag. Karlheinz Wirnsberger

Literatur Expand Box

Yvonne Silke Jäger: Die Steinätzung von Rosegg. Ein Beitrag zur Ars moriendi des 16. Jahrhunderts,  Wien 2010;

Meran Philipp: Das Steirische Jagdmuseum; Festschrift 1811 – 1961, 150 Jahre Landesmuseum Joanneum;

Ghadir Alizadeh Saboor, Steinrestaurator, Arbeitsbericht, Juli 2006;

Otto Schwarz, Jagd und bildende Kunst; Der Anblick 1953/54, 1953 Heft 4;

Der publizierte Beitrag

Jagdmuseum und Landwirtschaftsmuseum, Schloss Stainz

Schlossplatz 1
8510 Stainz, Österreich
T +43-3463/2772-16
info-stainz@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


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