Das göttliche Kind

Erscheinung des Herrn

Schon die frühe Kirche verkündet die doppelte Natur des Heilands: Christus ist Gott und Mensch zugleich. Die Kindheitsgeschichte offenbart seine menschliche Seite. Dinge des Alltags finden zunehmend Eingang in die Kunst und machen die Heilsgeschichte leichter verständlich. Im einfachen Stall, fern irdischer Größe, nimmt die Erlösung der Menschheit ihren Anfang.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildinformationen

Geburt Christi

Ohne Pomp, schlicht und einfach, konzentriert sich hier die Darstellung der Geburt Christi auf die Protagonist*innen der Handlung. Maria ist von höfischer Eleganz geprägt und mit einem Brokatkleid ausgestattet. Selbst Josef, eigentlich als einfacher Zimmermann überliefert, ist mit weich fließenden Stoffen gekleidet und trägt eine Bergwerkslampe. Das Licht ist ein Symbol der Andacht, die mit Gott verbindet, und ein Sinnbild der Wachsamkeit und Bereitschaft.

Die Tafel steht im Zusammenhang eines größeren Ensembles mit der Erzählung des heiligen Florian, dem einzigen historisch überlieferten, unter Kaiser Diokletian 304 n. Chr. gefolterten christlichen Märtyrer Österreichs. Die Größe der einzelnen Tafeln, im Quadrat von etwa je 85 cm, lässt an einen überdimensionalen Flügelaltar denken. Vier weitere Tafeln sind in der Alten Galerie ausgestellt.

Anbetung der Könige

Anbetung der Könige
Steiermark, um 1490
Tempera auf Holz
Inv.-Nr.: 340

Anna Selbtritt

Anna Selbdritt
Marx Reichlich, Werkstatt, um 1500
Tempera auf Holz
Inv.-Nr.: 396

Bethlehemitischer Kindermord

Der Bethlehemitische Kindermord ist eine der dramatischsten Erzählungen rund um die Geburt Christi. König Herodes war über die Nachricht der Geburt eines Kindes, das einmal mächtiger sein werde als er, so erzürnt, dass er alle Kinder unter zwei Jahren töten ließ. Die Heilige Familie wurde zuvor von einem Engel zur Flucht aufgefordert, worauf diese sich nach Ägypten begab und das Jesuskind überlebte.

Auf einer ungewöhnlich langgezogenen, querrechteckigen Holztafel erstreckt sich friesartig die Erzählung des Bethlehemitischen Kindermordes. Männer und Frauen stehen abwechselnd aneinandergereiht. Die Frauen versuchen ihre Kinder zu schützen. Sie knien vor den Angreifern und flehen diese an, ihre Nachkommen zu verschonen. Einige Babys liegen bereits getötet am Boden; dramatisch ist eines auf einem Schwert aufgespießt. Die mordenden Schergen sind in zeitgenössischer Landknechtskleidung dargestellt.

Das Bild war einst Ziel eines Vandalenaktes. Tiefe Kratzer an den Mördern der Kinder machen offensichtlich, dass jemand über die Szene so erbost war, dass er/sie zum Messer griff und die Mörder selbst auslöschen wollte. Das spricht für eine heftige Emotion, die diese Darstellung auslöste.

 

Bethlehemitischer Kindermord
Werkstatt des Meisters der Brucker Martinstafel, um 1520/25
Tempera auf Fichtenholz
Provenienz: Vermächtnis Ignaz Graf Attems, 1861
Inv.-Nr. 376

Tragaltar mit der Darstellung der Wurzel Jesse

Bei dem Objekt handelt es sich um einen sogenannten Tragaltar (altare mobile, altare portatile). Die Rückseite der Steinplatte besitzt eine Öffnung, in der ursprünglich eine Reliquie eingebettet war. Diese ist heute nicht mehr vorhanden.

Trag- oder Reisealtäre fanden vor allem im Mittelalter überall dort Einsatz, wo es keinen ortsgebundenen Altar (altare fixum) gab. Schon früh ist bezeugt, dass der Altar von einem Bischof geweiht sein musste. Darin inkludiert war das Vorhandensein einer Reliquie sowie die Ausstattung mit einer Steinplatte in Bezug auf die seit dem 9. Jahrhundert geforderte steinerne Mensa, die Tischplatte eines Altars.

Die Malerei auf dem Holzrahmen ist zum Teil schwer zu erkennen. Am unteren Rand liegt eine Figur, aus der zwei Ranken mit Blattwerk entspringen. Es ist eine typische Darstellung des Propheten Jesse als Beginn des Stammbaumes mit Propheten und Heiligen bis hin zu Jesus Christus. Die Ranken umschlingen seitlich hochgezogen mehrere Medaillons mit Brustbildern und enden in der Darstellung der thronenden Maria mit dem Kind. Durch die Beschriftung sind einige der Propheten zu benennen: Links unten befindet sich das Medaillon mit Habakuk; die obere Reihe ist von links nach rechts mit den vier „großen Propheten“ Ezechiel, Jeremias, Isaias und vermutlich Daniel besetzt. Die kleineren Medaillons an der Seite könnten Darstellungen von Heiligen sein. Alle Gesichter blicken zur Mitte der Platte, also zu Kelch und Patene, wenn diese bei der Messfeier auf dem Stein standen, bzw. zur eingelassenen Reliquie.

 

Tragaltar mit der Darstellung der Wurzel Jesse
Steiermark, um 1280
Tempera auf Nadelholz, Fohnsdorfer Muschelkalk
Provenienz: Leihgabe der Pfarre Predlitz bei Murau seit 1952
Inv.-Nr. L 10