Bei dem Objekt handelt es sich um einen sogenannten Tragaltar (altare mobile, altare portatile). Die Rückseite der Steinplatte besitzt eine Öffnung, in der ursprünglich eine Reliquie eingebettet war. Diese ist heute nicht mehr vorhanden.
Trag- oder Reisealtäre fanden vor allem im Mittelalter überall dort Einsatz, wo es keinen ortsgebundenen Altar (altare fixum) gab. Schon früh ist bezeugt, dass der Altar von einem Bischof geweiht sein musste. Darin inkludiert war das Vorhandensein einer Reliquie sowie die Ausstattung mit einer Steinplatte in Bezug auf die seit dem 9. Jahrhundert geforderte steinerne Mensa, die Tischplatte eines Altars.
Die Malerei auf dem Holzrahmen ist zum Teil schwer zu erkennen. Am unteren Rand liegt eine Figur, aus der zwei Ranken mit Blattwerk entspringen. Es ist eine typische Darstellung des Propheten Jesse als Beginn des Stammbaumes mit Propheten und Heiligen bis hin zu Jesus Christus. Die Ranken umschlingen seitlich hochgezogen mehrere Medaillons mit Brustbildern und enden in der Darstellung der thronenden Maria mit dem Kind. Durch die Beschriftung sind einige der Propheten zu benennen: Links unten befindet sich das Medaillon mit Habakuk; die obere Reihe ist von links nach rechts mit den vier „großen Propheten“ Ezechiel, Jeremias, Isaias und vermutlich Daniel besetzt. Die kleineren Medaillons an der Seite könnten Darstellungen von Heiligen sein. Alle Gesichter blicken zur Mitte der Platte, also zu Kelch und Patene, wenn diese bei der Messfeier auf dem Stein standen, bzw. zur eingelassenen Reliquie.
Tragaltar mit der Darstellung der Wurzel Jesse
Steiermark, um 1280
Tempera auf Nadelholz, Fohnsdorfer Muschelkalk
Provenienz: Leihgabe der Pfarre Predlitz bei Murau seit 1952
Inv.-Nr. L 10