UNESCO Welterbe

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Im August 2010 erweiterte das UNESCO-Welterbekomitee die bestehende Welterbestätte „Graz – Historisches Zentrum“ um Schloss Eggenberg.

 

 

Damit erhielt Schloss Eggenberg das höchste Gütesiegel, das die Internationale Staatengemeinschaft für Kulturdenkmale zu vergeben hat. Es wurde in die exklusive Runde jener 890 herausragenden Kultur- und Naturstätten der Welt aufgenommen, die laut UNESCO-Welterbekonvention nicht als Eigentum eines einzigen Staates anzusehen sind, sondern als ideeller Besitz der gesamten Menschheit. Die 187 Signatarstaaten der Konvention haben sich auch zum gemeinsamen Schutz dieser Denkmale verpflichtet

Für die Welterbeliste ausgewählt werden Stätten ausschließlich auf Basis ihrer Bedeutung als die bestmöglichen Beispiele für das Kulturerbe der Welt.

 

Die neue Welterbestätte wird unter den Kriterien (ii) und (iv) gelistet, mit der Begründung:

 

„Historischer Stadtkern und Schloss sind das Spiegelbild einer Jahrhunderte langen Verbindung von künstlerischen und architektonischen Bewegungen, die ihren Ursprung im deutschen und mediterranen Raum und am Balkan fanden. Die bedeutendsten Künstler und Architekten haben der Welterbestätte ihren Stempel aufgedrückt und so eine brillante Synthese geschaffen. Die Stadt Graz und Schloss Eggenberg bilden das außergewöhnliche Beispiel einer harmonischen Integration der architektonischen Stile aufeinander folgender Epochen. Erscheinungsbild von Stadt und Schloss lassen deren gemeinsame historische und kulturelle Entwicklung deutlich ablesen.“

 

 

Begründung der Eintragung


Es wurde vorgeschlagen, die bestehende Welterbe-Eintragung der Altstadt Graz um Schloss Eggenberg zu erweitern, da Schloss und Familie Eggenberg untrennbar mit der Geschichte des Landes Steiermark und seiner Hauptstadt verbunden sind. Die Eggenberger übten über Jahrhunderte wichtigen Einfluss auf die politische und ökonomische vor allem aber auf die künstlerische Entwicklung der Stadt aus, wofür ihre Residenz am Stadtrand das bedeutendste Zeugnis darstellt.

Nach 1625 vom Norditaliener Pietro de Pomis als Residenz des kaiserlichen Statthalters Hans Ulrich von Eggenberg (1568-1634) errichtet, sollte Schloss Eggenberg ein deutliches Zeichen setzen. Es ist politische Architektur, anspruchsvolle Legitimation für die Herrschaft einer Familie. Das Haus ist als riesiges Gleichnis erbaut, ein symbolisches Abbild des Universums, in dem der gelehrte Bauherr seine Vorstellung einer idealen Welt in einer Epoche von Chaos und Auflösung formuliert.

 

Entscheidend für den Rang von Schloss Eggenberg als Raumkunstwerk ist ein Zyklus von 24 Prunkräumen mit dem großen Planetensaal im Zentrum. In ihnen verbinden sich die Ausstattungsphasen von Barock und Rokoko zu einer aus heutiger Sicht untrennbaren Einheit von höchstem Reiz und selten so ungestörten Erlebniswert. Vor allem der riesige Zyklus von über 500 Deckengemälden des 17.Jhs. mit seinem überaus anspruchsvollen und komplexen Bildprogramm, ein charakteristisches Zeugnis für frühbarockes Weltverständnis, ist von singulärem Rang. Qualität und Umfang der erhaltenen, authentischen Substanz der Eggenberger Beletage stellen einen besonderen Glücksfall dar, der deshalb auch von der Welterbekommission als „excellent“ bewertet wurde.

Vom Leben in einem Gesamtkunstwerk

 

Damit wird die jahrzehntelange vorbildliche Arbeit des Universalmuseums Joanneum, Schloss und Park Eggenberg als Gesamtkunstwerk bestmöglich zu konservieren und zu präsentieren, nun auch belohnt. Mit Schloss Eggenberg betreut das Joanneum ja eine Sammlung, die gleichzeitig ein selbständiges Denkmal ist, dessen Musealisierung im engeren Sinne schwer fällt, weil sie ihm viel von seinem Charakter, Erlebniswert und spezifischem Reiz nehmen würde. Es muss anders erschlossen und vermittelt werden und stellt deshalb auch andere, noch schwierigere Anforderungen an die Erhaltung. Während das Museumsgut dem täglichen Gebrauch entzogen und physisch gut geschützt werden kann, behält das Denkmal seinen Gebrauchswert bei. Ein Gebäude mit all seinen fragilen Oberflächen muss betreten und benützt werden können. Und gerade diese lebendige Funktion erhält und zerstört das Denkmal zugleich. Das macht den verantwortungsbewussten Umgang mit einem so kostbaren Gebäude zur täglichen Gratwanderung, die ein vorbehaltloses Bekenntnis zu den essentiellen und oft unbequemen Werten der Denkmalpflege erfordert.

 

Das Universalmuseum Joanneum versucht in dieser Hinsicht seit vielen Jahrzehnten als Vorbild zu dienen. Es investiert langfristig hohe Summen in die Pflege von Schloss und Gartenanlage, die nicht dem unmittelbaren Tagesbetrieb zu gute kommen, sondern dem möglichst unverfälschten Erhalt der Substanz. So ist es gelungen, ein modernes Museum mit zeitgemäßen Sammlungen und Infrastruktur für die Besucher/innen zu schaffen. Dabei blieb nicht nur der Charakter des barocken Bauwerks erhalten, sondern auch seine authentische Substanz, während moderne technische Infrastruktur reversibel eingebaut wurde, sodass sie jederzeit zerstörungsfrei wieder entfernt werden kann.

Dieses Moment der bau- und sozialgeschichtlichen Kontinuität ist von besonderem Zeugniswert nicht nur für das intellektuelle, sondern auch das technische und handwerkliche Verständnis einer Epoche und deshalb eine besonders wesentliches Kriterium für die Aufnahme auf die Liste des Weltkulturerbes. ICOMOS hat gerade diese Authentizität des Kunstwerks, also seinen unverfälschten Erhalt, als vorbildlich hervorgehoben.

 

Instrumente zum Erhalt

 

Nach seiner Umwandlung zum selbständigen Unternehmen 2003 hat sich das Joanneum diesen Idealen auch schriftlich verpflichtet und für Schloss und Park Eggenberg ein striktes Organisationskonzept erarbeitet. Nach Annahme des Grazer Managementplans 2007 für die Welterbestätte „Historische Altstadt Graz und Schloss Eggenberg“ wurden beide Konzepte akkordiert, wobei die Weltkulturerbe-Koordinationsstelle in der Grazer Stadtbaudirektion als Schnittstelle fungiert. Das joanneumsinterne Organisationskonzept ergänzt dabei den Grazer Managementplan für alle museumsinternen Abläufe und Prozesse. Während das interne Organisationskonzept die Verfahrensweisen innerhalb des Instituts ordnet, regelt der Grazer Welterbe-Managementplan die Beziehung von Schlossanlage und Umgebung

Das UNESCO- Weltkulturerbe - Ein Geschenk der Vergangenheit an die Zukunft

 

Die UNESCO-Welterbekonvention ist das bedeutendste völkerrechtlich verbindliche Instrument zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Menschheit, das bislang von 187 Staaten unterzeichnet wurde. Leitidee der Konvention ist es, die herausragenden Kultur- und Naturstätten dieser Erde nicht als Eigentum eines einzigen Staates anzusehen, sondern als ideellen Besitz der gesamten Menschheit.

 

Für die Welterbeliste ausgewählt werden Stätten ausschließlich auf Basis ihrer Bedeutung als die bestmöglichen Beispiele für das Kultur- bzw. Naturerbe der Welt.

 

Über die Aufnahme von Stätten in die Welterbeliste entscheidet einmal jährlich das Welterbekomitee, in dem ExpertInnen aus 21 Ländern vertreten sind, die aus den Unterzeichnerstaaten gewählt werden. Beraten wird das Komitee dabei vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) bzw. der Internationalen Naturschutzunion (IUCN), die die Einreichungen evaluieren. Zu den wesentlichen Kriterien für die Aufnahme zählen die „Einzigartigkeit" und „Authentizität" (historische Echtheit) eines Kulturdenkmals bzw. die „Integrität" (Unversehrtheit) einer Naturerbestätte. Neben dem aktuellen Erhaltungszustand muss zusätzlich ein detaillierter Managementplan vorgelegt werden. Wesentlich ist, dass nicht nur die Stätte an sich (Kernzone) sondern auch die Umgebung (Pufferzone) zum Welterbe gehört.

Schloss Eggenberg

Eggenberger Allee 90
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9532
F +43-316/8017-9555
eggenberg@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


Prunkräume:
1. April bis 31. Oktober 2017
nur im Rahmen einer Führung zugänglich

 
Führungen: Di-So, Feiertag um 10, 11, 12, 14, 15 und 16 Uhr (ausnahmsweise Abweichungen möglich) sowie zusätzlich nach Voranmeldung.

Gruppen ab 7 Personen nur gegen Voranmeldung.

Schlosspark und Gärten:
November-März: täglich 8-17 Uhr
April-Oktober: täglich 8-19 Uhr