Norbertine Bresslern-Roth

Tiermalerin

26.10.2016-17.04.2017


Eröffnung: 25. Oktober 2016, 19 Uhr
Kuratiert von: Christa Steinle

Ort: Neue Galerie Graz, 1. Obergeschoss


Kuratorin Christa Steinle über den Werdegang der Malerin

Im Fokus der Ausstellung Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin steht vor allem das Tier in all seinen Facetten – symbolisch im Kreislauf der Natur oder als lebendes Modell im Zoo. 

Mehr über die Tiermalerei Expand Box

Norbertine Bresslern-Roth, die zeitlebens Mitglied in Tierschutzvereinen war, begeisterte sich schon als Kind für Tiere und liebte es, diese im Garten zu beobachten:

„Sicher einen großen Einfluss auf meine Malerei hat auch der Garten gehabt. Wir haben damals in der Mandellstraße gewohnt, wo ich ihn benutzen durfte.“ Außerdem konnte sie in der Wohnung Aquarien und Terrarien aufstellen, wo ihren Erzählungen zufolge vor allem Molche hausten. Auch während ihrer Ausbildungszeit in Wien zählte der Tierpark Schönbrunn zu einem ihrer beliebten Ausflugsziele. In weiterer Folge besuchte sie gemeinsam mit ihrem Mann zahlreiche Städte Europas, deren Zoos sie als Inspirations- und Motivquellen nutzte.

Sie schuf so einen Fundus an Tierskizzen und Aquarellen, die ihr neben Fotografien als wertvolle Quellen ihrer Bilder dienten. Auch florale Motive sammelte sie auf diese Art. Tiere in Bildern darzustellen hat eine lange Tradition, wenn nicht gar die längste malerische überhaupt. Das sogenannte Tierstück entwickelte sich als eigene Bildgattung im 16. Jahrhundert aus dem Stillleben. Tiere wurden ab diesem Zeitpunkt auch gerne in Gruppen in Landschaftsbilder eingefügt, wodurch ein idyllischharmonisiertes Bild von Natur inszeniert wird. Dieses Harmoniebedürfnis kennzeichnet auch die Bilder von Norbertine Bresslern- Roth.

 

 

Nach einer Libyenreise 1928 thematisierte Bresslern-Roth (1891–1978) zunehmend die Lebenswelten Afrikas, der Südsee und verschiedener indigener Völker und gab ihre idealisierte Sicht einer symbiotischen Mensch-Tier-Beziehung wieder.

Charakteristisch für ihre Gemälde ist eine spezifische Malweise von freskoähnlicher Wirkung. Die Künstlerin, die in Graz, Dachau und Wien studiert hatte und Mitglied des „Women’s International Art Club“ war, erlangte insbesondere in der Zwischenkriegszeit internationale Bekanntheit mit ihren Farblinolschnitten.

Die große Retrospektive, mit der Norbertine Bresslern-Roth unter Aktualisierung des Forschungsstandes neu positioniert werden soll, zeigt Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken.

 

Parallel zur Ausstellung in der Neuen Galerie widmet sich die Steiermärkische Landesbibliothek mit Bresslern-Roths KINDERWELTEN dem gebrauchsgrafischen Werk der Künstlerin. Gezeigt werden ihre Illustrationen, die sehr geschätzt wurden und über Jahrzehnte hinweg vor allem im Alltag von Kindern präsent waren. 

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Ergänzend zur großen Personale in der Neuen Galerie Graz widmet sich die von Anna Kohlhauser kuratierte Ausstellung in der Steiermärkischen Landesbibliothek einem bisher weniger beachteten Aspekt ihrer Kunst, der sie jedoch ein Leben lang beschäftigte: ihren Kinderbuchillustrationen. Nachgezeichnet werden Bresslern-Roths Werdegang als Illustratorin, ihre Vorbilder und Inspirationsquellen sowie die Arbeitsweise der steirischen Künstlerin.

Von ihrem ersten Auftrag als Illustratorin im Alter von 19 Jahren bis hin zu Schulbüchern aus den 1970er-Jahren wird ihre Fähigkeit veranschaulicht, mehrere Jahrzehnte lang bildsprachlich in Kinderwelten einzutauchen. Auch ihre Tätigkeit während der Zeit des Nationalsozialismus wird in dieser Schau thematisiert. 

Dioramen für das "Landesmuseum Joanneum"

Neben der Tier- und Südseemalerei bilden ihr illustratorisches Werk – wobei sie auch selbst Texte für Kinderbücher verfasst hat – sowie ihre Auftragsarbeiten, beispielsweise für die Handelskammer Graz, vor allem aber für das Landesmuseum Joanneum, weitere Ausstellungsschwerpunkte.

 

Eines der 12 Dioramen („Auwald“), die sich bis 2002 in der naturkundlichen Schausammlung des Joanneums befanden und für die sie die Hintergrundtableaus entworfen hatte, wurde für die Ausstellung rekonstruiert. Oftmals arbeitete sie nach Präparaten in der Zoologischen Abteilung, von denen in der Ausstellung einige zu sehen sind.


Auwald aus der Zeit vor 1800, Hintergrundlandschaftsbild von Norbertine Bresslern-Roth, 1936, Neue Galerie Graz. Das davor befindliche Diorama wurde dem damaligen Diorama im Naturkundemuseum nachempfunden (Gestaltung/Arrangement: Natalia Frühmann, Arrangement/Pflanzenpräparation: Elke McCullough, Tierpräparate: Martin Unruh).
Ausstellungsansicht, Norbertine Bresslern-Roth, Hintergrundlandschaft für das Diorama „Urwald um ca. 1000 n. Chr.“ mit drei gemalten Wisenten, 1936, Neue Galerie Graz, Foto: UMJ/N. Lackner
(WVG 140)
Mehr über die Dioramen und die Verbundenheit mit dem "Landesmuseum Joanneum" Expand Box

1936 sollten im Rahmen einer Neuaufstellung der naturkundlichen Schausammlung des Landesmuseums Joanneum auch Stellbilder errichtet werden. Ziel war es, mit Dioramen die Lebenswelt der Tiere für ein breites Publikum im Museum naturnah zu inszenieren. Insgesamt waren 12 solcher Stellbilder geplant, für 10 sollte Bresslern-Roth großformatige Hintergrundmalereien gestalten.

Die Tierpräparate wurden vom Joanneum hergestellt, das eine oder andere heimische Lebewesen von der Jägerschaft auch noch aktiv als Beitrag erbeten. Im ersten Jahr konnten drei Stellbilder realisiert werden. Alle hatten historische Tierwelten zum Thema: der „Urwald“ und der „Sumpfwald“ aus der Zeit um 1000 n. Chr. sowie der um 800 Jahre jüngere „Auwald“. Diese dreidimensionalen Bilder, die künstlerische Inszenierung mit wissenschaftlich korrekter Darstellung verbanden, wurden zum Publikumsmagnet und erfreuten sich jahrzehntelang großer Beliebtheit.

Erst 2009 wichen sie einer Neuaufstellung, als man die anachronistischen Bilder einer naturnahen Wissensvermittlung gegen die zeitgemäßer erscheinenden Hands-on-Installationen im neuen Naturkundemuseum tauschte.

Die Verbundenheit der Tiermalerin mit dem Landesmuseum Joanneum äußerte sich nicht nur in der honorarfreien Mitarbeit bei den Dioramen, sondern auch in Form von zahlreichen Schenkungen, von der die Sammlungen der Zoologie, der Neuen Galerie, aber auch des Münzkabinetts profitierten. 1937 übergab sie beispielsweise 257 Blätter an die Neue Galerie. Das größte Geschenk war sicher das Bild Elefanten im Jahr 1938. Dieses Gemälde wurde einige Zeit als systemkritisches Bild interpretiert.

Biografie Norbertine Bresslern-Roth Expand Box

Norbertine Roth wurde am 13. November 1891 als ledige Tochter einer Geschäftsfrau in Graz geboren und wuchs in eher bescheidenen Verhältnissen bei ihrer Mutter und Tante auf. Schon als zehnjährige Schülerin wurde sie aufgrund ihres Talentes an den renommierten Kunstlehrer Alfred Schrötter von Kristelli (1856–1935) empfohlen, der sie viele Jahre unentgeltlich unterrichtete. Zumindest im Sommer 1909 nahm er sie auch in die Kunstkolonie Dachau mit und vermittelte sie 1911 dem Landesmuseum Joanneum als Illustratorin für dessen 100-Jahr-Festschrift. Schließlich empfahl er sie Ferdinand Schmutzer (1870–1928), der in Wien an der Akademie lehrte. Dieser nahm sie ab Herbst 1911 als Privatschülerin auf und ließ sie auch im Atelier der Akademie kostenfrei werken.

 

Frauen war der Zugang zum ordentlichen Studium an der Akademie zu dieser Zeit noch verwehrt. Vielen Künstlerinnen gelang eine vertiefte akademische Ausbildung nur über Umwege bzw. an teuren Damenkunstschulen.

 

1917 beendete die junge Künstlerin ihre Studien bei Schmutzer in Wien und zog wieder nach Graz in die Lange Gasse 29, wo ihre Mutter zu diesem Zeitpunkt wohnte. Sie blieb dort bis zu ihrem Lebensende.

 

1919 heiratete sie Georg von Bresslern, den sie in Wien kennengelernt hatte. Im selben Jahr trat sie auch dem „Werkbund Freiland“ bei, in dem der Grazer Maler Fritz Silberbauer eine führende Rolle innehatte. Er war wie Franz Hofer, Leo Grimm und Norbertine Roth im Unterricht von Schrötter bzw. später von Schmutzer gewesen. Während ihrer Wiener Zeit wohnten sie auch gemeinsam in Untermiete im Palais Pallfy in der Lainzerstraße.

 

Auffallend an der Gruppierung „Werkbund Freiland“ ist der relativ hohe Frauenanteil unter den Kunstschaffenden, den man auch in Schrötters Malschule beobachten kann. Sein Anliegen, jeden Schüler und jede Schülerin möglichst individuell zu fördern, bewirkte zu dieser Zeit eine bunte Kunstszene, die sich auch im „Werkbund Freiland“ wiederfindet.

 

Die „Sezession Graz“ als Folgeorganisation wurde als reiner Männerbund unter dem ersten Präsidenten Wilhelm Thöny gegründet, der Frauen ausschloss. Diese blieben allesamt Mitglieder des „Grazer Kunstvereines“, der ebenfalls von Schrötter starke Impulse erfuhr und gleichberechtigte Ausstellungsmöglichkeiten bot.

Unser Tipp

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Pressestimmen

"Norbertine Bresslern-Roth bewältigt Bilder, wie sie die Historienmaler des 19. Jahrhunderts bewältigten, mit allen Mitteln der Mimesis, die hineinleuchtet in ein längst vergangenes Geschehen und so tut, als sei es nun wieder gegenwärtig."

Die Tiermalerin

artmagazine, Rainer Metzger, 09.12.16

Neue Galerie Graz

Joanneumsviertel, Zugang Kalchberggasse
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

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Öffnungszeiten der Bibliothek
Di und Do 10-15 Uhr sowie nach Vereinbarung
Ausnahmsweise geschlossen:
30.05. bis 07.06.2017 und 15.06.2017
Ausnahmsweise geöffnet:
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Öffnungszeiten OHO!

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Programm und weiterführende Materialien


Katalog
Norbertine Bresslern-Roth – Tiermalerin