minderwertige Silberlegierungen
Bildinformationen
Material
minderwertige Silberlegierungen
Datierung
verloren um 1460
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1987 wurden in einem Waldstück in der Nähe von Tobelbad bei Graz an die 110 Münzen gefunden, die oberflächlich im Waldhumus lagen. Die Gepräge waren auf etwa einem halben Quadratmeter verstreut, von einem Gefäß fand sich keine Spur. Diese Umstände lassen den Schluss zu, dass der ehemalige Besitzer die Münzen in einer Börse mit sich getragen und, ohne es zu merken, im Wald verloren hat. Nach ihrer Reinigung und Bestimmung stellte sich heraus, dass sich dieser Verlust gegen Ender der 1450er-Jahre zugetragen haben muss.
Alle Stücke sind Pfennige, sie weisen starke Umlaufspuren auf und sind zum Großteil beschädigt oder fragmentiert. Die Münzen waren während der so genannten Schinderlingsperiode im Umlauf, als das Geld täglich weniger wert wurde. Der Tobelbader Münzfund gewährt uns Einblick in die Geldbörse des „kleinen Mannes“ während dieser verheerenden Geldkrise.
Über jene Jahre berichtet Jakob Unrest in seiner Österreichischen Chronik: „Der kaiser vergunt eyn posse munss ze machen, die wurden genannt schinderling. Wer vil alter kossel hett, der munst dester pas. Er vergunt zu munsen ... einen burger von Gratz genannt Egckhperg, der het des kaisers munss in ainem pestand, der liess munssen zu Gratz und zu Sannd Veit in Kernndten. Da wurden die munssherren und munssmaister und munser zu grossen herrn.“
Das Gewicht der Münzen schwankt zwischen 0,20 und 0,45 g. Mit Ausnahme von zwei Pfennigen aus Augsburg weisen die Münzen eine minderwertige Silberlegierung auf. Sie sind zu jenem schlechten Geld zu zählen, das aufgrund seines geringen Gewichtes und seines niedrigen Silbergehaltes niemand mehr haben wollte.
Der Inhalt der Börse setzt sich aus Münzen zusammen, die zum Großteil aus Österreich stammen. Es sind aber auch Pfennige aus süddeutschen Münzstätten vertreten. Aus dem Fund kann abgeleitet werden, dass in jenen Jahren in der Steiermark neben den einheimischen Geprägen viele Pfennige aus Bayern im Umlauf waren und die aus der Münzstätte Wien stammenden Gepräge die in Graz hergestellten Münzen im Geldverkehr zahlenmäßig bei weitem übertrafen.