In einer individualisierten und durch beständigen Wettbewerb gekennzeichneten Welt ist es notwendig, neue Bezugspunkte, Schnittmengen und Vielheiten zu erdenken und aufzubauen. Diese Frage nach dem „Wir“ einer gemeinsamen, lebendigen Öffentlichkeit ist wichtiger denn je, erheben doch jene gesellschaftlichen Kräfte Anspruch auf seine Definition, die dieses Wir als exklusiv und wenig veränderlich verstehen. Dabei ist die Frage der Gemeinsamkeit in einer durch soziale Fragmentierung, größer werdende Vermögensunterschiede und Migration geprägten Wirklichkeit nicht einfach zu beantworten.
Das Projekt „feldstellen* PRÄSENZ DER VIELEN“ ist der Versuch, eine solche Vielheit für einen Moment sichtbar zu machen: eine Versammlung unter dem Credo der Menschlichkeit. Der künstlerisch-gestalterische Eingriff liegt in der Form der Aufstellung. Angezeichnet am Boden durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Leuchtkörpern entsteht in der Dunkelheit ein Feld aus Licht. Durch die Anordnung in Form eines Dreiecks-Rasters im Abstand von 1,8 Metern hat jeder Mensch im Feld genug Platz für sich selbst. Zugleich befinden sich jeweils sechs Menschen in Reichweite, um – wenn gewünscht – eine Verbindung herzustellen. Zusammen ergibt dies eine Art „soziale Plastik“ im wörtlichen Sinn, der die Form der Wabe zu Grunde liegt. Die frühe Uhrzeit und die zu erwartende Kälte machen das Statement des gemeinsamen Stehens zu einer entschlossenen Geste: sich einmal überwinden, im Namen der Menschenrechte.
Die Performance läuft sehr minimalistisch ab. Nach einer Begrüßung durch eingeweihte „Pat*innen“ finden alle ihren Platz. Danach geht es um nicht mehr und nicht weniger als das gemeinsame Erleben eines zwar alltäglichen aber auch sehr hoffnungsvollen Moments: des Sonnenaufgangs. Verteilt gibt es Klangquellen, die zum genauen Zeitpunkt des Aufgangs um 7:33 ein Klangfeld erzeugen und die Sonne somit auch bei Nebel wahrnehmbar machen. Danach wird es still.
Im Anschluss an diese Mischung aus künstlerischem Happening, politischer Manifestation und öffentlichem Ritual laden wir zum Frühstück und die Versammlung löst sich in Geselligkeit auf.
Teilnehmende Künstler*innen:
Nayari Castillo, Franziska Hederer, Robin Klengel, Margarethe Maierhofer-Lischka, Heidrun Primas, Helene Thümmel, Clara Wildberger und Nikolaos Zachariadis.