COMRADE CONRADE

Demokratie und Frieden auf der Straße

16.09. - 29.09.2018

Bildinformationen

Laufzeit

16.09. - 29.09.2018

Eröffnung

Sa. 15. September 2018, 15.00

Treffpunkt

Vorplatz Ostbahnhof Graz / Conrad-von-Hötzendorf-Straße 108

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Über das
Projekt

Die temporären Kunst im öffentlichen Raum Projekte sind eine von mehreren diskursiven Veranstaltungen des mehrjährigen interdisziplinären Kunst-, Forschungs- und Friedensprojektes COMRADE CONRADE. Demokratie und Frieden auf der Straße.


Künstler*innen: Nayari Castillo (VEN/AT) / Hanns Holger Rutz (D/AT), Reni Hofmüller (AT), Nicole Pruckermayr (AT), Maruša Sagadin (AT), Sir Meisi (AT), Johanna Tinzl (AT), Eva Ursprung (AT)

Dauer: Sonntag, 16.–Sa. 29. September 2018

 

Eröffnung: Samstag, 15. September 2018, 15:00
Eröffnungsrundgang zum Internationalen Tag der Demokratie

Einführung: Nicole Pruckermayr und Elisabeth Fiedler

Treffpunkt: Ostbahnhof, Conrad-von-Hötzendorf-Straße 108
Mit Performances von Eva Ursprung und Maruša Sagadin während des Eröffnungsrundganges.

 

Finissage: Samstag, 29. September 2018, 15:00
Abschlussrundgang zum Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit.

Treffpunkt: Bertha-von-Suttner-Platz/Ecke Ulrich-Lichtenstein-Gasse
Mit der Performance von Maruša Sagadin sowie der Performance Verletzung ohne Namen ’18 von Nicole Pruckermayr.

 

COMRADE CONRADE - Demokratie und Frieden auf der Straße

COMRADE CONRADE beschäftigt sich mit dem Zustand und der Zukunft von Demokratie und Frieden in gelebter Form in der Conrad von Hötzendorf-Straße. COMRADE verweist auf den militärischen Aspekt, dem die aktuelle Benennung nach Franz Conrad von Hötzendorf, der wesentlich für den Weg in den Ersten Weltkrieg, die brutale Kriegsführung und Übergriffe gegenüber Zivilist*innen mitverantwortlich war, innewohnt. COMRADE steht aber auch für einen kollegialen, solidarischen Umgang miteinander. CONRADE weist als weiblicher Vorname auf das Fehlen so vieler Frauen innerhalb großer  Geschichtsschreibungen hin.

Wohl niemand aus Graz würde auf die Idee kommen, sich für einen Sonntagsspaziergang des Müßiggangs das genüßliche Durchwandern und Durchstreifen der Conrad-von- Hötzendorf-Straße auszusuchen. Diese prominente Straße wird als Durchzugs-Verkehrsraum wahrgenommen, nicht als Lebensraum. Die repräsentativen Säulen eines Staates spiegeln sich innerhalb von  etwas mehr als zwei Kilometern wider. Viele Menschen leben hier, dennoch wird sie von außen nicht als Wohnort gesehen, eher als Ort der Repräsentation. Die Ansammlung ihrer vielen Charaktere, angefangen  vom Finanzamt, über die Stadthalle bis hin zum Stadion, ist außergewöhnlich, einer Stadt in der Stadt gleich, und dennoch ist diese Straße gewöhnlich, steht für viele Einfall-Straßen. Wäre da  nicht auch ihre bewegte Benennungshistorie, wäre sie sehr durchschnittlich. Zudem befindet sich die Conrad-von-Hötzendorf-Straße seit einigen Jahren in einem massiven städtebaulichen  Transformationsprozess, der auch aktuell durch verschiedene Um- und Neubau-Projekte das Antlitz der Stadt Graz weiter verändern und prägen wird. Dieser Prozess hat aber wenig mit den Menschen vor Ort  zu tun, es sei denn sie stören den Gentrifizierungsprozess.

Das österreichische Gedenkjahr 2018 weist viele runde Geburtstage auf. Die Republik Österreich hätte ohne Tadel ihren 100. Geburtstag feiern  können und somit auch das Frauen- und Männerwahlrecht, wenn sich da nicht auch der Anschluss an Nazideutschland zum 80. Mal jähren würde und so die Erfolgsgeschichte Österreichs doch auch mehrfach  kritisch beleuchtet werden muss.

1918 ergab sich für Österreich ein Window of Oppurtunity für eine demokratisch verfasste Republik. Man hätte Nationalismen und völkische Agenden hinter sich lassen können, wenn sich da nicht bereits der    nächste Abgrund im Nationalsozialismus angebahnt hätte. Das Jubiläum gibt Anlass genauer auf die Zeichen öffentlicher Räume, auf die Geschichtsschreibungen, die einer Stadt innewohnen, hinzuschauen,   einen differenzierteren Blick auf Entwicklungen und Hintergründe unseres (verorteten) Zusammenlebens zu bekommen und reflektiert zu handeln. Auch und gerade in einer liberalen Demokratie ist ein  Nichtakzeptieren von Dingen, die nicht akzeptierbar sind (weil sie z.B. den Menschenrechten zuwiderlaufen), notwendig, um Vertrauen und somit Halt zu geben. Gleichsam geben aber Regeln und Gesetze dem Menschen als handlungsfähigem Individuum in einer komplexen Umgebung nicht mehr Spielraum, positive Aneignungen und Resonanzen zu erleben. Öffentliche Räume entwickeln sich in postpolitischen  Zusammenhängen zu neoliberalen Marktplätzen des Kapitalismus, die weder Kunst noch Kultur einen Raum für Reflexionen des Ist-Zustandes ermöglichen. Öffentliche Räume sind nicht gegeben, sie werden  von uns als Gemeinschaft gebildet und geformt, genauso wie Regeln und Verordnungen, die unsere komplexe Welt prägen. Sich als Individuum mit diesen Räumen nicht mehr zu beschäftigen, bedeutet, sich aus den letzten demokratischen Refugien zurückzuziehen.

Die hier versammelten Kunst-Projekte sind Teil des interdisziplinären Kunst-, Forschungs- und Friedensprojektes COMRADE CONRADE. Demokratie   und Frieden auf der Straße initiiert und konzipiert von Nicole Pruckermayr. Die Kunst-Projekte spielen eine besondere Rolle, da sie reflektierend auf räumliche, soziale, gesellschaftliche,  ökologische und politische Bezüge mittels historischer, aber auch zeitgenössischer und visionärer Ausrichtung konzipiert werden und sich auf ganz konkrete Bedingungen vor Ort einlassen und versuchen mit den Menschen zu arbeiten. Sie zeigen durch ihr schlichtes Vorhandensein, dass es außerhalb von marktwirtschaftlichen Überlegungen und Eventisierung auch andere Formen des Denkens über Straße oder Öffentlichkeiten gibt und spannen so eine neue Ebene der Auseinandersetzung mit dieser Straße auf.

Nicole Pruckermayr 

Die Kunst-Projekte finden in Kooperation mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark statt und werden vom Bundeskanzleramt Österreich gefördert.

Das Gesamtprojekt „COMRADE CONRADE. Demokratie und Frieden auf der Straße“ findet das gesamte österreichische Gedenkjahr 2018 zur Conrad-von-Hötzendorf-Straße/Graz statt.
Konzeption, Organisation und Projektleitung: Nicole Pruckermayr
Grafik des COMRADE CONRADE-Schriftzuges: Isabella Schlagintweit, Anna Hazod

Kooperationspartnerinnen und -partner des Gesamtprojekts COMRADE CONRADE:
Akademie Graz / Ausreißer – die Grazer Wandzeitung / Maria Baumgartner, Landschaftsarchitektin / Centrum für Jüdische Studien, Karl-Franzens-Universität Graz / Verein für Gedenkkultur in Graz /  GrazMuseum, Stadtarchiv Graz / Heimo Halbrainer, Clio, KZ-Verband, VdA Stmk / Haus der Architektur Graz, Architektursommer 2018 / Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Karl-Franzens-Universität Graz / Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark / Bernadette Knauder, UNIETC & ETC / kunstGarten / Kunsthalle Graz / Maximilian Lakitsch, Conflict – Peace – Democracy Cluster / Lebenshilfe GUV / mur.at / Radio Helsinki / Risograd / Elli Scambor, Institut für Männer- und Geschlechterforschung, Verein für Männer- und Geschlechterthemen Graz / SMZ Sozialmedizinisches- und Stadtteilzentrum Jakomini / Eva Taxacher, Verein Frauenservice Graz / Alexandra Würz-Stalder, Studiengang Bauplanung und Bauwirtschaft, FH JOANNEUM / Edith Zitz, Diversitätsfachfrau

Das Gesamtprojekt COMRADE CONRADE wurde gefördert und unterstützt durch: Stadt Graz, Bundeskanzleramt Österreich, Österreichische Gesellschaft für politische Bildung, Lebenshilfe GUV

Gefördert von