Henkelkrug mit Jagdhaus von Kaiser Franz Joseph

Dieser Henkelkrug zeigt das im Schweizer Stil erbaute Jagdhaus von Kaiser Franz Joseph im steirischen Mürzsteg 1910
 

Datierung: "Kaisl. Jagdschloss Mürzsteg 1910"

Material: Glas

Maße: H 12,3 cm; Ø 15 cm

Eigentümer: Sammlung Jagdkunde

Inventarnummer: JK 5770

Das Mürzsteger Jagdschloss ist vom Kaiser nicht nur jagdlich genutzt worden. In ihm sind seinerzeit auch weitreichende geopolitische Entscheidungen gefällt worden. Ein derartiges Treffen mit Zar Nikolaus II. ist gut dokumentiert.

Schloss Mürzsteg im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, am Oberlauf der Mürz, liegt im unmittelbaren Nahbereich der Hohen Veitsch, eines Teils der nördlichen Kalkalpen. Dieser Bereich der Alpen war im ausgehenden 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts ein Teil der beliebten Jagdgebiete der Habsburger und somit auch mit Wildreichtum „gesegnet“. Seit dem Jahr 1947 ist das Jagdschloss Mürzsteg Sommersitz des österreichischen Bundespräsidenten. 

Kaiser Franz Joseph I. ließ im Jahr 1869 ein „einfaches“ Jagdhaus im Schweizer Stil erbauen. Dieses wurde im Jahr 1879 erweitert, 1902 schlossartig ausgebaut, wobei man hier drei Türmchen sowie eine Holzschindelverkleidung im Obergeschoß anbringen ließ und man in diesem Zeitraum auch die Einrichtung erneuerte. Im Jagdmuseum Schloss Stainz befinden sich etliche Originaldokumente aus dieser Zeit, hauptsächlich Telegramme „an die k.u.k.-Hofjagdverwaltung in Mürzsteg“, aus denen man auch einiges über den Jagdbetrieb der damaligen Zeit herauslesen kann.

Neben den üblichen Berichterstattungen über den Jagdbetrieb, die Wetterverhältnisse bzw. auch Balz- und Brunftzeiten in den Hofjagdrevieren ist auch zu lesen, dass man z. B. „am Sonntag den 18. d. M. ein Hirschkalb für die Hofküche gütigst einliefern zu lassen“ hatte, so verlangte es das Hofwirtschaftsamt Wien (aufgegeben am 13/XII/1910). Auch zur damaligen Zeit wusste man bereits über die Qualität und Güte von Wildfleisch in der Küche. Dieses zwar in seiner Ausstattung recht schlicht errichtete Haus wurde aber nicht nur zu jagdlichen Zwecken genutzt, hier fanden auch politische Treffen, verbunden mit Gesellschaftsjagden, statt.

Ein Beispiel eines derartigen Treffens ist der Aufenthalt von Zar Nikolaus II. in der Zeit vom 30. September bis 3. Oktober 1903.

Mit Zar Nikolaus auf Gamsjagd

 

Besonders erwähnenswert ist über diesen Aufenthalt des russischen Gastes die beinahe minutiöse Auflistung des dreitägigen Programmes (im Original vorhanden), wo am Mittwoch, den 30. September 1903, „um circa 7 Uhr abends“ die Ankunft in Mürzsteg geplant war, „30 min nach der Ankunft“ ein „Diner zu 18 Gedecken im Speisezimmer und zu je 4 Gedecken im Billardzimmer“ gegeben wurde. Am Donnerstag, den 1. Oktober „von 8h früh bis ½ 10h V.M. Aufbruch zur Gams - Jagd in der BURG, …. Während der Jagd „Dejeuner“. Der Zar, laut Berichten des Jagdschloss-Verwalters und kaiserlichen Leibjägers Ludwig Egger, erlegte an diesem Tag 11 Gams mit 12 Schüssen, Kaiser Franz Joseph I. in nobler Zurückhaltung schoss an diesem Tag 2 Gamsböcke.

Am 2. Oktober traf man sich bereits um 7 Uhr in der Früh, die beiden Monarchen, der österreichische Thronfolger EH Franz Ferdinand, die beiden Außenminister mit ihren Botschaftern, um die „Endbesprechung des bereits vorbereiteten Mürzsteger Programmes, welches in Europa so viel Aufsehen machte, abzuhalten.“ Es wurden die Grundsätze der Balkanpolitik Österreichs und Russlands verhandelt. Anschließend bereits von „8.15 bis 9.30 Uhr V.-M Aufbruch zur Gams – Jagd im Karlgraben; um 11 Uhr vormittags Beginn, um 2 Uhr nachmittags Ende des Triebes.“ Der Kaiser bezog an diesem Tag den obersten Stand, um den Überblick wahren zu können. An diesem Tag erlegten beide Monarchen jeweils 6 Gamsböcke, Thronfolger EH Franz Ferdinand erlegte „12 Gams, auch diesmal ziemlich wahllos“, berichtete Ludwig Egger.

Für den letzten Tag, Samstag, 3. Oktober, war bereits um 4:15 Uhr bis 5:45 Uhr früh Aufbruch zur Hochwild-Jagd im „Schusterschlag“, hier begann der Trieb um 7:15 Uhr früh und um 9:15 Uhr vormittags war das Ende des Triebes. Dieser Jagdtag war aus jagdstrategischen fehlerhaften Überlegungen für „ihn (Franz Joseph I.) als auch für seinen Gast resultatlos verlaufen und auch im ganzen ein vollständiger Misserfolg“, weiß wiederum sein Leibjäger zu berichten. Hofjagdleiter war zu dieser Zeit Rudolf Sperlbauer. Am Nachmittag desselben Tages fuhr der Zar mittels Hofsonderzug nach Darmstadt.

Dass die Hofjagden für die Bevölkerung der Region auch ein arbeitsplatzpolitischer Faktor waren, zeigen weitere Dokumente, in denen nicht nur Jäger auf der Gehaltsliste standen, sondern auch Treiber, Schlittengespannfahrer sowie Pferdeführer, die regelmäßig zum Einsatz kamen. 

Text: Mag. Karlheinz Wirnsberger

Der publizierte Beitrag

Jagdmuseum und Landwirtschaftsmuseum, Schloss Stainz

Schlossplatz 1
8510 Stainz, Österreich
T +43-3463/2772-16
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