Hirsche, Pferde, Vögel, Fische …

Die Erzählungen über die Tiergestalten


Die bedeutendste Göttin in der "keltischen" Mythologie war Epona: Sie stand für Landwirtschaft und Fruchtbarkeit, war sogar bei den römischen Truppen als Göttin der Pferde und der Reiterei beliebt und galt auch als Göttin der Kavallerie und der Wagenführer. Ihr Name bedeutet „große Stute“. Dementsprechend ist sie meist auf einem Pferd in Begleitung eines Vogels, eines Hundes und eines Fohlens dargestellt, aber auch mit einer Schale, mit Früchten oder einem Füllhorn. Der Hund war ein ständiger Begleiter, sowohl als Haustier als auch als Jagd- und Kriegshelfer. Vögel wurden als geheimnisvolle Wesen eingeschätzt, da man glaubte, dass sie in der kalten Jahreszeit in die „Anderswelt“ fliegen würden – somit waren sie ideale Mittler zwischen Diesseits und Jenseits.

Die besondere Stellung des Pferdes wird zusätzlich durch Opferung und Mitbestattung in den sogenannten Fürstengräbern der Hallstattzeit deutlich. Ein weiterer wichtiger Gott der „Kelten“ war Cernunnos. Er wurde mit einem Geweih am Kopf dargestellt, was ihm auch die Namen „Hirschgott“ oder „Geweihgott“ einbrachte. Er war der Herr der Natur, der Tiere, der Landwirtschaft, des Wohlstandes und der Unterwelt. Cernunnos wird meist mit verschränkten Beinen sitzend gezeigt, in der einen Hand den heiligen Torques (Halsring) und in der anderen die widderköpfige Schlange haltend.

Die vielen Darstellungen von Wesen mit Geweihen weisen wohl auf die Bedeutung hin, die dem Wachstumsrhythmus des Geweihs vom Abwerfen im Frühjahr bis zum Bastfegen im Sommer beigemessen wurde. Im übertragenen Sinne entsprechen diese Vorgänge wohl auch dem Aussäen und Ernten des Getreides. Insgesamt, so könnte man heute spekulieren, symbolisierte das Hirschgeweih wahrscheinlich Fruchtbarkeit, Lebenslauf, Kraft und Stärke.

Auch Fische spielen eine besondere Rolle, speziell Forelle und Lachs. In einer Erzählung nascht der junge Fion mac Cumhaill versehentlich vom gebratenen „Lachs der Weisheit“ und erlangt dadurch das geheime Druidenwissen. In späteren schriftlichen Aufzeichnungen ist sogar die Rede vom größten Fisch der Welt, der Jasconius genannt wurde.

Mit den „Kelten“ wird auch Iupiter, der oberste römische Reichsgott, in Verbindung gebracht, indem er mit dem vorrömischen Gott Uxlemitanus gleichgesetzt wird. Der Grund dafür ist, dass dieser keltische Gott – wie übrigens auch der griechische Göttervater Zeus – als Wettergott verehrt wurde. Alle diese obersten Götter waren auf einem hohen Berg zu Hause, schleuderten Blitze und verursachten Donnergrollen.

Auch Mars Latobius geht auf eine „keltische“ Gottheit zurück, die von den Römern ihrem Kriegsgott Mars gleichgesetzt wurde. Latobius ist zugleich ein Heil-, Hirten- und Totengott. Als Vater der Zwillinge Romulus und Remus, die von einer Wölfin gesäugt wurden und als Gründer der Stadt Rom gelten, ist Mars der Stammvater der Stadt Rom. Ihm zu Ehren weihten und benannten die Römer den ersten Monat ihres Jahres – den März.

Der Mythos der "Hirsche, Pferde, Vögel und der Fische" in der Forschung


In der Eisenzeit – zwischen 800 und 15 v. Chr. – treten in Europa ganz verschiedene Stämme als Träger der sog. Hallstatt- und Latènekultur auf. Fälschlicherweise hat sich für sie der Überbegriff „Kelten“ eingebürgert. Diese Bezeichnung geht wohl auf die erste Nennung sog. „Keltoí“ (griechisch Κελτοί [Keltoí] oder Γαλάται [Galátai], lateinisch Celtae oder Galli) beim griechischen Schriftsteller Herodot zurück. Er erwähnt, dass „Kelten“ an den Quellen der Donau wohnen sollen. Eine weitere Verfestigung dieser Bezeichnung erfolgte durch Caesars Schilderungen vom Gallischen Krieg. Darin wurden sie als furchterregend, ungebildet, ungestüm – schlicht für Römer als barbarisch bezeichnet.

Heute wird der Begriff „Kelten“ kritisch gesehen, da sich dahinter wohl ganz verschiedene Familien (Clans) und Stämme verbergen, die wahrscheinlich durch ähnliche Sprachen und eine gemeinsame Zivilisation zwar verbunden waren, aber keineswegs ein „Volk“ bildeten.

Die kulturellen Äußerungen dieser sicher lange Zeit in Mitteleuropa ansässigen Menschen beeindrucken durch ihre Reichhaltigkeit, Kunstfertigkeit und manchmal auch Rätselhaftigkeit. Letzteres veranlasste nachfolgende Generationen einiges zu übernehmen, zu interpretieren und letztendlich zu bewundern. So sind viele sog. „keltische“ Rituale und Feste bereits von Griechen und Römern übernommen worden, und auf sie gehen auch heute noch praktizierte christliche Bräuche zurück.

Als Beispiel sei hier das Samain-Fest angeführt, das in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November begangen wird. In dieser Nacht wurden die Geister der „Anderswelt“ für den Menschen sichtbar. Darin wurzeln Halloween und das christliche Allerheiligen. Samain war auch eines der beiden großen Feuerfeste, die das Jahr in Sommer und Winter teilten. Man verstand das Feuer wohl als irdische Entsprechung der Sonne, da es wie sie Leben erhalten, aber auch zerstören kann.

Eine wichtige Rolle in der „keltischen“ Mythologie spielten Tiere. Ihnen wurden nicht nur spezielle Eigenschaften wie Kraft, Weisheit, Schnelligkeit und Fruchtbarkeit zugeordnet, sondern auch direkte Verbindungen zur Götterwelt nachgesagt, weswegen sie bei Opferritualen eine bedeutende Rolle spielten. Auch für das tägliche (Über-) Leben waren Tiere unverzichtbar.

Auf vielen Fundstücken finden sich kunstvolle Tierdarstellungen, die einen Blick in eine Welt voller Mystik und Geheimnisse gewähren. So galt der Stier als Symbol der Kraft und des Reichtums und der Eber war mit dem Krieg verbunden.

Kleiderbesatzbleche aus Strettweg mit Tierdarstellungen


In Strettweg bei Judenburg wurde im Jahr 1851 einer der wichtigsten archäologischen Funde der Steiermark gemacht. Dazu gehört auch ein Ensemble von 41 kleinen quadratischen Bronzeblechen mit rhombischen Anhängern.  mehr...

Kultwagen von Strettweg


Der Kultwagen von Strettweg stammt aus einem außergewöhnlich reich ausgestatteten Fürstengrab (6. Jh. v. Chr.) aus dem Ort Strettweg in der Nähe von Judenburg/Steiermark.  mehr...

Maske aus Kleinklein


Die berühmte Bronzemaske aus Kleinklein wurde 1906 vom Besitzer des sog. Kröllkogels, eines hallstattzeitlichen Grabhügels, an das Joanneum verkauft.  mehr...

Archäologiemuseum, Schloss Eggenberg

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