Graziella

Weibliche Tonfigur, 4. Jahrtausend v. Chr.

Datierung: Erstes Drittel 4. Jahrtausend v. Chr.
Technik: Keramik
Fundort: Karmeliterplatz Pfauengarten Betriebs GmbH, Graz (I. Bezirk), Pfauengarten
Besitz: Dauerleihgabe der Altstadtgarage
Inventarnummer: 25.217

Im Archäologiemusem befindet sich eine 2002 am Karmeliterplatz/Pfauengarten in Graz aufgefundene, 19 cm hohe, weibliche Tonfigur. Sie wird Graziella genannt und in das 4. Jahrtausend v. Chr. datiert, in die sogenannte Kupferzeit. Der Kopf ist wie bei vergleichbaren Figuren nur schematisch angedeutet. Der Oberkörper mit den Brüsten ist nackt dargestellt, während Bauch und Beine anscheinend bekleidet waren, wie Furchenstichmuster mit weißen Farbresten zeigen. Frauenfiguren – vor allem aus Ton – sind am Ende der Jungsteinzeit häufig anzutreffen und werden meist mit rituellen Handlungen bei Fruchtbarkeitskulten in Zusammenhang gebracht.

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In den Jahren 2002 und 2003 fanden im Bereich des Karmeliterplatzes und des Pfauengartens in Graz archäologische Grabungen statt. Dabei wurden eine Befestigungsanlage aus dem 16./17. Jahrhundert v. Chr., eine urnenfelder- und hallstattzeitliche Siedlung und einige urnenfelderzeitliche Gräber freigelegt und kleine kupferzeitliche Objekte aus Keramik und Stein gefunden. Die größte Überraschung aus der Grabung im südlichen Bereich des Pfauengartens war eine 19 cm hohe weibliche Tonfigur, die den Namen „Graziella“ erhielt.

Die kleine rechteckige Figur kann wegen der deutlich herausgearbeiteten Brüste als Darstellung einer Frau angesprochen werden. Der Kopf ist nur schematisch als Dreieck ohne Augen, Mund oder Nase wiedergegeben. Der Körper und das erhaltene Bein sind mit Furchenstichmustern verziert, also mit Linien, die kleine Einstiche aufweisen. Diese Verzierung stellt wahrscheinlich eine Bekleidung dar. Schultern und Brüste scheinen unbedeckt zu sein, während der Bauch und die Beine vollständig mit senkrechten und schrägen Linien verziert sind. Bei dieser Verzierungstechnik wurde vielleicht auch eine weiße Paste eingesetzt, die die Linien ausfüllte (Inkrustierung).

Ähnliche Verzierungsmuster auf anderen Figuren, wie z. B. auf einer fragmentarisch erhaltenen Statuette aus Raaba bei Graz, und auf Gefäßen zeigen, dass es sich um ein Objekt aus der frühen Kupferzeit handelt. In dieser Epoche vor fast 6.000 Jahren unterscheiden wir im archäologischen Sinn mehrere Gruppen mit Furchenstichkeramik, die sich nach verschiedenen Gefäßformen differenzieren lassen. Für „Graziella“ weisen diese Vergleiche auf eine engere Beziehung zu Fundstellen in Westungarn.

Die Interpretation der Figur ohne einen gut belegten Kontext ist äußerst schwierig. Die Statuette wird am häufigsten mit rituellen Handlungen im Rahmen eines Fruchtbarkeitskultes in Zusammenhang gebracht. Bei der Figur könnte es sich aber auch um ein einfaches Spielgerät handeln.

Archäologiemuseum, Ausstellungsansicht
Dauerausstellung

Archäologiemuseum

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01.01.2014-31.12.2020 > Archäologiemuseum, Schloss Eggenberg

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