Ein kanonisches Motiv und ein neues Arrangement

Die Genrebilder von Cossiers und Cipper im Vergleich

16.09.2026

Bildinformationen

Datum

16.09.2026

Uhrzeit

18:00 - 20:00

Ort

Alte Galerie

Treffpunkt

Schloss Eggenberg, Shop

Mit

Peter Bell

Kosten

kostenlos

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Über die
Veranstaltung

Zwei Bilder der Alten Galerie stehen ikonografisch in direktem Zusammenhang: Jan Cossiers Kavalier und Wahrsagerin und Giacomo Francesco Cippers Scherenschleifer und Wahrsagerin teilen sich das Motiv des Handlesens, das eine bis ins 15. Jahrhundert reichende Tradition besitzt. Cossiers nimmt hier Kompositionen auf, die von Caravaggio geprägt wurden und denen er eine eigene, gut erkennbare Handschrift verleiht.

 

Giacomo Francesco Cipper hingegen lässt die Wahrsagerin in den Hintergrund treten und macht den Scherenschleifer mit seinem Schleifstein zum Hauptmotiv. In Kleidung und Verhalten stellen beide das Stereotyp von “Zigeuner*innen” dar, mit dem die frühneuzeitliche Gesellschaft die Angehörigen der Roma-Minderheit diskriminierte. In beiden Darstellungen herrscht ein sozialvoyeuristischer Blick auf die vermeintlichen Ränder der Gesellschaft vor.

 

Doch Cipper stellt uns mit seiner Kombination von Scherenschleifer, Tinkturen-Verkäuferin und Handleserin vor ein Rätsel. Wer gehört zu wem? Gibt es eine symbolische Bedeutung? Dieses neue Arrangement wirft die Frage auf, wie viel ikonologisches und sozialgeschichtliches Wissen es braucht, um die differenzierte Genremalerei Cippers und des Spätbarocks zu verstehen.

Der Vortragende: Prof. Dr. Peter Bell

Peter Bell forscht über kunsthistorische Anwendungen von Computer Vision, KI-Kunst und die visuelle Repräsentation sozialer Gruppen im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit.

Über den Vortragenden

Peter Bell studierte Kunstgeschichte, BWL und Graphik & Malerei an der Philipps-Universität Marburg und wurde 2011 dortselbst mit einer Arbeit über die Repräsentationen der Griechen in der italienischen Kunst promoviert, die am SFB 600 der Universität Trier entstand. Er war Postdoc in der Computer Vision Gruppe von Björn Ommer an der Universität Heidelberg und Gruppenleiter an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 2017-2021 war er Juniorprofessor für Digital Humanities an der FAU Erlangen-Nürnberg und kehrte als Professor für Kunstgeschichte und Digital Humanities nach Marburg zurück. Er forscht über kunsthistorische Anwendungen von Computer Vision, KI-Kunst und die visuelle Repräsentation sozialer Gruppen im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit. Zudem leitet er ein Teilprojekt zu Ambivalenz und Antiziganismus in der Moderne.