Helferin der Christen und Königin des Himmels

Maria ist als Mutter Jesu die bedeutendste Heilige. Schon die frühe Kirche verehrt sie als Gottesgebärerin und Wegbereiterin Christi. Als Helferin der Christen genießt sie besondere Verehrung. Die Menschen suchen Schutz vor den vielen Gefahren der Zeit, Seuchen, Hungersnot und Krieg, denen sie hilflos ausgeliefert sind. Die Verehrung der Gottesmutter kennt keine Standesgrenzen: Ob Geistlicher, Ritter oder Bürger – sie alle finden Zuflucht unter dem Schutzmantel Mariens.

In Frankreich liegen Ursprung und Blüte des gotischen Stils, der auf ganz Europa ausstrahlt. Hier wurzelt auch die Kultur des höfischen Minnesangs, der ein neues Frauenbild erschafft. Es beschwört das Ideal von Anmut und Schönheit, die zugleich Symbole von Reinheit und Vollkommenheit sind. Auch der Marienkult ist davon entscheidend geprägt. Als Königin des Himmels wird die Gottesmutter zur vornehmen Dame - Notre Dame. Wie kaum ein anderes Bildwerk steht die Admonter Madonna für dieses Ideal. Irdische Schönheit und himmlische Königswürde finden hier zu vollkommener Einheit.

 

 

 

Bildinformationen

Tempelgang Mariä

Als Textquelle zum Tempelgang Mariä dient das Pseudoevangelium des Jakobus, 1–4:

Unverhofft doch noch schwanger geworden, versprach Anna, das Kind Gott zu weihen. So brachten Anna und Joachim die dreijährige Maria zum Tempel nach Jerusalem.

Auf dem Relief aus Lindenholz sieht man Maria betend eine lange Treppe emporschreiten. Sie dreht sich nicht mehr zu ihren Eltern, Anna und Joachim, um. Diese stehen am Fuße der Treppe und werden von weiteren Augenzeugen begleitet. Es ist ein Moment der Trennung und gleichzeitig der Moment eines Neubeginns wiedergegeben. Maria geht auf einen erhöht stehenden Altar zu, der den Tempel symbolisiert. Die dortige Erziehung bedeutet, von der Außenwelt – dem Bösen und der Sünde – abgeschottet zu sein. Dies unterstreicht die Reinheit und Heiligkeit Marias. Die Tempeljungfrauen erwarten sie bereits hinter einer Brüstung. Mit ihnen wird sie an einem Tempelvorhang nähen.

Der Tempelgang Mariä gehört in der Ostkirche seit dem 6. Jahrhundert zu den Marienfesten und kommt daher schon in frühen Darstellungszyklen vor. Die Päpste des Abendlandes lehnten das Fest zunächst ab. Erst ab dem 14. Jahrhundert setzte sich das Thema passend zur Blütezeit der Marienverehrung allmählich durch.

 

Tempelgang Mariä
Süddeutschland, um 1520
Lindenholz
Provenienz: Ankauf von Karl Mayer, Graz, vor 1923
Inv.-Nr. P 119

Thronende Madonna

Die schlichte und elegante Figurengruppe gehört neben der stark überarbeiteten Gnadenstatue von Mariazell zu den ältesten Skulpturen der Steiermark.

Die sitzende Gottesmutter ist hier als Thron der göttlichen Weisheit, Sedes sapientiae, aufgefasst. Frontal ausgerichtet sitzt Maria würdevoll auf einer säulenverzierten Thronbank mit frühgotischem Maßwerk an den Seitenwangen. Das Christuskind lockert durch die schräge Sitzhaltung diese Frontalität etwas auf. Die Handhaltung der beiden Figuren lässt darauf schließen, dass sie gemeinsam eine heute verloren gegangene Weltkugel hielten. Die Physiognomien der beiden gleichen einander so, dass das Christuskind als kleiner Erwachsener angesehen werden kann. Dennoch stehen die beiden Figuren in keiner innigen Beziehung zueinander, wie es für Mutter und Sohn eher üblich wäre.

Die ansprechende Bescheidenheit der Dargestellten wird durch die reizvolle traditionelle Kolorierung in Blau und Rot unterstrichen.

 

Thronende Madonna
Salzburger Bildhauer (?)
um 1240 Lindenholz
Fassung 19. Jahrhundert
Aus Stadl an der Mur/Obersteiermark
Inv.-Nr.: P 4

Todesankündigung an Maria

Die relativ kleine Holztafel zeigt eine sehr seltene Darstellung. Der Goldhintergrund verweist darauf, dass es sich um eine göttliche Szene handelt. Maria blickt demütig zu Boden. Sie hat die Augen niedergeschlagen und ihre Hände vor der Brust überkreuzt. Vor ihr liegt ein sogenanntes Beutelbuch auf dem Boden. Sie scheint gerade darin gelesen zu haben und hat es fallengelassen. Wie einst bei der Verkündigung nimmt sie hier eine übergeordnete Botschaft an – die Abberufung aus dem Leben. Seit der Kreuzigung ihres Sohnes Jesus wünschte sie sich selbst stark den Tod herbei. Sie sehnte sich nach ihrem Sohn und wusste, dass sie im Tod wieder mit ihm vereint sein wird. In der Legenda Aurea, einer mittelalterlichen Sammlung von Heiligenlegenden, beschreibt der Autor Johannes de Voragine (1228/29–1298) Marias große Trauer und Todessehnsucht.

Zur Gestalt, die an Maria herantritt, um ihr die Todesankündigung zu überbringen, gibt es mehrere Versionen. Nach koptischer Tradition war es Christus selbst, der zu seiner Mutter kam. Andere Abbildungen zeigen eindeutig einen Engel, oft mit einem Palmzweig, oder den Apostel Johannes, der als Erstes zu Maria kommt und mit ihr allein spricht. Zum Tod Marias werden sich die zwölf Apostel noch einmal versammeln.

 

Todesankündigung an Maria
Köln, um 1460/70
Tempera auf Eichenholz
Provenienz: Vermächtnis Prof. Luschin-Ebengreuth, 1932
Inv.-Nr. 808

Schutzmantelmadonna

Schutzmantelmadonna
Steiermark
um 1430
Holz
Aus Frauenberg bei Admont/Obersteiermark
Inv.-Nr.: P 40