Kunstbeiträge Mobiler Pavillon 2023

Atmosphären. Kunst, Klima- und Weltraumforschung

Der mobile Pavillon spannt den Bogen vom Regionalen zum Planetaren; er sensibilisiert für das, was uns selbstverständlich umgibt: Atmosphären. Die Ausstellung zeigt junge Kunst und neueste Forschung zu Atmosphären und fragt nach lebensfreundlichen Bedingungen in Zeiten des Klimawandels. Der Pavillon bietet einerseits einen Projektionsraum, in dem Video-Raum-Klanginstallationen an Wand und Boden zu sehen sind, er dient andererseits als Informationsträger. 

10 Video-Kunstbeiträge werden im Projektionsraum des Pavillons präsentiert: Es sind Auftragswerke von 17 Künstler*innen mit Steiermark-Bezug aus 9 Ländern (Österreich, Deutschland, Bosnien, Serbien, Israel, Vereinigte Staaten, Kanada, Costa Rica, Brasilien)

Idee und Umsetzung

Alexander Kada (Kadadesign/Kadaconcept)

Kuratorin

Astrid Kury

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Azra Akšamija & Dietmar Offenhuber

Kunstwerk

Azra Akšamija und Dietmar Offenhuber vereinen in ihrem Video zwei unterschiedliche Wissenssysteme zur Erkundung des Himmels. Der erste Teil beschreibt eine indigene Perspektive auf die Welt und ist nach einem hawaiianischen Seevogel benannt. Die verwendeten Zitate stammen von Nainoa Thompson, der die polynesische Seefahrt anhand des „Sternenkompasses“ pflegt und beherrscht. Die begleitende Bilderwelt ist mithilfe einer KI entwickelt. Der zweite Teil zeigt ein galaktisches Panorama des gegenwärtigen Wissensstands zu Himmelsobjekten, verortet auf dem Bild der nicht entzerrten Milchstraße und begleitet von einer Sonifikation.

Basis hierzu ist die Datenbank SIMBAD, in der alle jemals erschienenen Informationen zu astronomischen Objekten in der Milchstraße verzeichnet sind. Überraschenderweise bilden sich die Medien der Erforschung im Datenbild klar erkennbar ab, wie etwa die Bildsensoren des Kepler-Teleskops.

Über die Künstler*innen

Adina Camhy

Kunstwerk

Kompositionsauftrag: Benedikt Alphart, in Zusammenarbeit mit IEM/KUG und Schallfeld Ensemble

Das 360-Grad-Panoramafoto des Mars-Rovers Perseverance der NASA von 2022 ist das bisher größte Bild von der Mars-Oberfläche – ein 2,5 Milliarden Pixel großes Fenster in eine fremde Welt. Adina Camhy erkundet diese Mars-Landschaft, begleitet von assoziativen Notizen im Welterkundungsmedium Smartphone. Im Zentrum stehen geopolitische wie ethische Fragen der Expansion der Menschheit ins All. Mit einer erdähnlichen Vielfalt klanglicher Formen und instrumental-experimentellen Erkundungen, die gemeinsam mit Schallfeld Ensemble (Cello und Flöte) aufgenommen wurden, durchmisst Benedikt Alpharts Komposition den sphärischen Raum.

Bild und Ton folgen ihrer je eigenen Erzählung und fügen sich schlussendlich zu einer facettenreichen Analyse der Beziehung von Mensch und Umwelt, auf der Erde wie im Weltraum.

Über die Künstler*innen

Michaela Grill

Kunstwerk

Sound: Stefan Németh

Michaela Grill befasst sich bereits seit vielen Jahren mit den politisch-ökologischen Fragen polarer Eislandschaften und ist auch als Künstlerin immer wieder in wissenschaftliche Forschungsprojekte eingebunden. Ihr Video speist sich aus wissenschaftlichem Bildmaterial: Aufnahmen von Planetenoberflächen, von mikrobiellem Leben im Eis sowie von Gefrierätzungen aus dem Aufsprengen von Mikroorganismen im Eis.

Das flirrend-leuchtende Orange und der sonnenähnliche Boden hingegen geben den Eindruck, als würde man durch die glühend heißen Gase eines Exoplaneten schweben und als ob man in das Erleben von heißem Eis, Rubinwolken oder metallischem Regen eintauchen könnte.

Über die Künstlerin

Markus Jeschaunig

Kunstwerk

Markus Jeschaunig beschäftigt sich in seinem Video mit der gestaltenden Kraft der Blitze und dem schmalen Grat zwischen Schöpfung und Zerstörung. In der Weltraumforschung werden Blitze als Elemente einer Atmosphäre untersucht sowie hinsichtlich ihrer möglichen Rolle für die Bildung der Bausteine des Lebens. Jeschaunig experimentierte für sein Video im Grazer Nikola-Tesla-Labor mit Blitzen.

Bei einem Einschlag in Stahlstaub entstand ein Feuerball mit faszinierenden Strömungsmustern, und durch die hochauflösende Filmkamera mit 2.000 fps wurde es möglich, eine Sekunde Echtzeit in ca. einer Minute Film zu zeigen. Die Szene darauf zeigt Fulgurite oder Blitzröhren aus der Natur.

Über den Künstler

Rainer Kohlberger

Kunstwerk

Kompositionsauftrag: Peter Kutin

Wie nähert man sich künstlerisch dem Unvorstellbaren? Vielfach sind es Techniken der Verfremdung, über die sich neue Welten generieren lassen. Rainer Kohlberger arbeitet dazu mit selbstentwickelten Algorithmen und hat so aus wissenschaftlichem Bildmaterial ein dichtes Strömen vielfarbiger Lichtpunkte entstehen lassen. Darin kann nun das Flimmern fremder Atmosphären hineingelesen werden, die Schwingungen von Molekülen, das Rotieren der Planeten oder das Strömen von Mikroorganismen; möglicherweise auch ein bedeutungsgeladenes Rauschen.

Die Komposition von Peter Kutin dehnt dieses flirrende Rauschen mit kreisend-schwebenden Soundelementen auf den Raum aus, die im Ineinandergreifen unterschiedlicher Höhen gleichsam immer neue Durchgänge in das nächste ganz Andere eröffnen.

Über die Künstler*innen

Gudrun Krebitz

Kunstwerk

Die Filme von Gudrun Krebitz zeichnen sich durch ihren poetischen Blick auf die Wissenschaft aus, mit dem die Künstlerin das weit entfernte Fremde mit dem Sich-selbst-fremd-Sein verbindet. In ihrem filmischen Forschungsgedicht erzählt sie von der Suche nach Leben über das Lichtspektrum ferner Exoplaneten, sie beschreibt die Wolken, die aus Gestein, ja Edelsteinen bestehen, wie es die Forschungen an Atmosphärenmodellen tatsächlich nahelegen, und sie durchmisst die unendlichen Ozeane auf Wasserplaneten, wo die Wellen sich niemals brechen und wo fremdes Leben möglich sein könnte.

Über die Künstlerin

Ralo Mayer

Kunstwerk

Ralo Mayer beschäftigt sich seit Langem damit, wie man sich das Leben auf Raumstationen oder Siedlungen im All vorstellt. Sein Sci-Fi-Hörspiel einer extraterrestrischen Expedition zur Erforschung der Atmosphären auf Exoplaneten ist mit fantastischen Wolkenwelten illustriert, die in einem Cloud Tank erstellt wurden – das ist ein analoges Illusionsmedium in Form eines Aquariums, das in den 1970er-Jahren für die Produktion von Science-Fiction-Filmen verwendet wurde.

Die Strömungsmuster erinnern einerseits an das Leuchten der Abendhimmel, das durch vermehrten Schadstoffeintrag verursacht wird, wie sie andererseits Ansichten dichter Wolkenhüllen auf anderen Planeten simulieren.

Über den Künstler

Muntean/Rosenblum

Kunstwerk

Für die Projektion im Pavillon entwickelten Muntean/Rosenblum das Video „The Twilight of Our Heart“ weiter, bis in die dystopische Welt künstlicher Universen hinein. Das dramatische Panorama mit seinen zeichenhaften Sonnenstrahlen ist nun in „unreal 5“ animiert. Und die Sänger der Motette des spanischen Komponisten Cristóbal de Morales (1500–1553) wurden via „motion capture“ zu Metahumans. Die berührende körperliche Intensität der polyphon singenden Stimmen erzählt vom schicksalhaften Ineinandergreifen des Einen ins Andere.

Dazu schreiten die animierten Wesen wie letzte Menschen hin zur finalen Absperrung und halten dort auf unterschiedliche Weise inne. Es eröffnet sich ein breites Spektrum von Not, Flucht und Vertreibung.

Über die Künstler

Kay Walkowiak

Kunstwerk

Kay Walkowiak beschäftigt sich in vielen seiner Arbeiten damit, wie Kunst als mögliche Akteurin oder Antriebskraft in diesen großen ökologischen Krisen der Gegenwart wirken kann. Im Akt des ästhetischen Empfindens, so der Künstler, könne ein direktes, intuitives Gefühl dieser lebendigen Verbundenheit entstehen, als Weg zu einem neuen Umgang mit Natur. Das Video stellt Herzschlag und Atem, Leben und Atmosphäre zueinander.

Zu sehen sind Szenen vulkanischer Landschaften, in denen frühes Leben entstanden sein könnte, und über die nahezu körperliche Erfahrung des Herzklopfens wird der Wind, der im Bild über die Felsklüfte der Vulkanlandschaft weht, gleichsam zum Atem der Erde.

Über den Künstler

Richard Wilhelmer

Kunstwerk

Kompositionsauftrag: Sonja Mutić

Ausgangspunkt dieser künstlerischen Arbeit sind die vom Astronomen Giovanni Schiaparelli (1835–1910) entdeckten „Marskanäle“, die zum populären Mythos von Marsmenschen beigetragen haben. Etwa 100 Jahre später erwiesen sich diese Kanäle als optische Täuschung: Schiaparelli hatte nur die Venen in seinem eigenen Auge gesehen. Darauf bezugnehmend macht Richard Wilhelmer das Auge zur Schnittstelle einer Reise durch innere Galaxien und außerirdische Landschaften.

Die hochaufgelösten Makro-Aufnahmen seiner Iris wirken im Kontext der Ausstellung wie topografische Aufnahmen der Marsoberfläche. Sonja Mutić intensiviert diese Reise mit knisternden Aufbrüchen, die umweht werden von Winden anderer Planeten, akustischen Simulationen vorbeischießender Objekte sowie Kadenzen des Scheiterns.

Über die Künstler*innen

Daniela Brasil, Silvana Beraldo

Stelen und Außenraum: Kunstprojekt für Kinder

Kosmische Wesen, komische Welten

Die Weltraumforschung nimmt an, dass es mindestens 100 Milliarden Exoplaneten in unserer Galaxie gibt. Das ist eine Vielzahl neuer möglicher Lebensräume. Wie vielfältig könnte also Leben noch sein?

Daniela Brasil und Silvana Beraldo laden dazu ein, sich diese ungeahnt anderen Wesen und Welten vorzustellen. Ihre Vielfalt von Organismen entzieht sich jeder Zuordnung, auch wenn die Grün- und Rosatöne der Aquarellzeichnungen, die sich zum Braun der Erde mischen, eine Referenz auf Pilze, Bakterien, Pflanzen- oder Tierreich sind. Mit klingenden Widersprüchen in vielen Sprachen unterwandern sie das Erwartete: Gletscher glühen, Wälder wüten, Steine blühen, Flüsse schweben ...

Damit Leben erhalten bleiben kann, muss es seine Umgebung gestalten und sie zu seinen Gunsten verändern. Oder anders: Die Bedingungen seiner Umgebung sind dem Leben eingeschrieben und umgekehrt ist es ebenso. Mit den mindestens 100 Milliarden Exoplaneten, die wir in unserer Galaxie vermuten, ist jetzt auch von einer Vielzahl möglicher Lebensräume auszugehen. Sie sind vielfach wohl ganz anders als jene auf der Erde, und damit taucht die Frage auf: Wie vielfältig könnte Leben noch sein?

Daniela Brasil und Silvana Beraldo nähern sich diesen ungeahnt anderen Lebensformen über poetische Verfremdungen an. Einfache musterhafte Elemente versammeln und verdichten sie zu wunderbaren Wesen und werdenden Welten ... oder zu werdenden Wesen und wunderbaren Welten. Diese Vielfalt von Organismen entzieht sich jeder Zuordnung, wiewohl die Grün- und Rosatöne der Aquarellzeichnungen, die sich zum Braun der Erde mischen, eine Referenz auf Pilze, Bakterien, Pflanzen- oder Tierreich sind. Mit fantastisch klingenden und zur Welt der Erde paradoxen Wendungen in vielen Sprachen wird auch im Sprachklang das Erwartete unterwandert: Gletscher glühen, Wälder wüten, Steine blühen, Flüsse schweben ...In dieser künstlerischen Erkundung des Lebendigen und der Qualitäten des Lebens ist alles mit allem verwoben, nichts ist feststehend oder isoliert, alle Zuschreibungen und Widersprüche bleiben schwebend, um dem ungreifbaren Werden Raum zu geben. So und zugleich ganz anders (un)organisiert sich das Leben in Balancen und löst die Grenzen zwischen dem Belebtem und dem Unbelebten auf.

Über die Künstlerinnen
Entwicklung, Umsetzung und Dank