Gegenpositionen



steirischer herbst ’19
Grand Hotel Abyss


Gegenpositionen ist ein Gemeinschaftsprojekt im öffentlichen Raum von CLIO Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit, dem steirischen herbst ’19 und dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. Ausgangspunkt sind drei Denkmäler in Graz und in der übrigen Steiermark, die beispielhaft für viele weitere in der gesamten Region stehen. Indem sie vaterländischen Heldenmut würdigen und ein national(istisch)es Geschichtsbild pflegen, verweigern sie dezidiert eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Vier Künstler/innen setzen sich mit solchen Denkmälern auseinander und stellen dabei nicht nur Österreichs Verstrickungen in das Erbe des Nationalsozialismus, sondern auch den selbstgeschaffenen Mythos von Österreich als dem ersten Opfer deutscher Eroberungspolitik in den Mittelpunkt. Heimo Halbrainer und Joachim Hainzl von CLIO werden die Debatte über die Bedeutung von Denkmälern unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Umständen vertiefen, insbesondere da zurzeit die Vergangenheit im Zuge eines weiteren Aufwallens nationalistischer Gefühle erneut umgeschrieben wird.

 

Das Grazer Befreiungsdenkmal (manchmal auch Freiheitsdenkmal genannt) bietet eine bemerkenswerte Sicht auf die Nachkriegsgeschichte Österreichs. Gestaltet von Wolfgang Skala und 1960 errichtet, wird seine abstrakte Form oft als Adler, der sich aus einem Käfig befreit, gedeutet. Es gibt Unsicherheiten den tatsächlichen Namen des Denkmals betreffend: Laut Gedenktafel heißt es Freiheitsdenkmal, in den meisten historischen Quellen wird es Befreiungsdenkmal genannt. Das Datum am Sockel ist nicht der 27. April 1945, an dem Österreich seine Unabhängigkeit erklärte und eine vorläufige Regierung formte, sondern der 26. Oktober 1955, an dem das Neutralitätsgesetz Österreichs in Kraft trat. Indem hier nicht 1945, sondern 1955 als Gedenkjahr der österreichischen Befreiung festgeschrieben wird, gerät auch dieses Denkmal in peinliche Erklärungsnot, was das zeitgeschichtliche Selbstbild Österreichs angeht.


Hans Kloepfer (1867–1944) setzte als bedeutender, vaterlandstreuer Mundartdichter den Menschen der Weststeiermark ein literarisches Andenken. Obwohl er begeisterter Anhänger Adolf Hitlers und des österreichischen „Anschlusses“ war, ist dieser fragwürdige Volksheld heute immer noch sehr präsent. In der Steiermark sind ihm zwei Denkmäler gewidmet: eine kleine Büste auf dem Grazer Schloßberg und ein größeres Denkmal in Köflach, wo er den Großteil seines Lebens verbrachte.
 

Das Grazer Jahn-Denkmal entstand 1902 zum Andenken an den deutschen Turnvater Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852). Jahns Leibesübungen verstanden sich als patriotischer Beitrag zur Befreiung Deutschlands aus der napoleonischen Unterdrückung und sollten eine einheitliche harmonische Erziehung begründen, in der geistige Entwicklung und körperliche Ertüchtigung zu einem Ausgleich fanden. Das Turnen war als Vorbereitung auf die Rückkehr in die deutsche Volksgemeinschaft gedacht – eine Vorstellung, die erst später ihren negativen Beigeschmack erhielt.

 

 

20.9.–13.10.

Eduard Freudmann

Monument to a Myth (2019)

Installation

 

Burggarten der Grazer Burg, Freiheitsdenkmal

8010 Graz 

 

*21.9., 10:45 a.m.

Opening with short speeches by Eduard Freudmann, Ekaterina Degot, and CLIO

 

 

21.9., 10:00 Uhr

Elizabeth Ward

Undedication (2019)

Performance

 

Stadtpark Graz

Denkmal Friedrich Ludwig Jahn

8010 Graz

 

 

22.9., 11:00 Uhr

Thomas Geiger

Ein Gespräch über die Jahreszeiten mit dem Dichter und Arzt Hans Kloepfer (2019)

Performance

 

Schlossberg

Dr.-Hans-Kloepfer-Büste Nähe (near) Türkenbrunnen

8010 Graz

 

und

 

29.9., 15:00 Uhr

Ein Gespräch über die Jahreszeiten mit dem Dichter und Arzt Hans Kloepfer (2019)

  

Köflach, Kloepfer-Denkmal

Hans-Kloepfer-Platz

8580 Köflach

 


 

GEGENPOSITIONEN: Diskursprogramm

 

Sonntag, 22. September 2019, 10:00 Uhr, Treffpunkt: Ententeich im Stadtpark

Rundgang: Denkmäler als historische Zeugnisse der Geschichtsschreibung in Graz

mit: Heimo Halbrainer (Historiker, Graz) und Joachim Hainzl (Sozialhistoriker, Graz).

 

Freitag, 27. September 2019, 19:00 Uhr, Wartingersaal im Landesarchiv 

„Österreich ist frei?!“ – Zur Frage der Befreiung 1945/55

mit: Siegfried Beer (Historiker, Graz), Eduard Freudmann (Künstler, Wien), Erich Klein (Publizist, Wien), Heidemarie Uhl (Historikerin, Wien). Moderation: Gerald Lamprecht

 

Sonntag, 29. September 2019, 16:00 Uhr, Kulturhaus Köflach

(K)Ein Denkmal für den Heimatdichter, Arzt und Nationalsozialisten Hans Kloepfer

mit: Uwe Baur (Germanist, Graz), Thomas Geiger (Künstler, Wien), Helmut Linhart (Bürgermeister, Köflach). Moderation: Joachim Hainzl

 

Dienstag, 8. Oktober 2019, 19:00 Uhr, Hotel Wiesler, Salon „Frühling“

Wie umgehen mit historisch belasteten Straßennamen in Graz?

mit: Sonja Mittischek („Omas gegen rechts“, Graz), Peter Piffl-Perčević (Gemeinderat, Graz), Karin Maria Schmidlechner (Historikerin, Graz), Florian Wenninger (Historiker, Wien). Moderation: Heimo Halbrainer

Sa 21.09.

10:00

Gegenpositionen

Veranstaltung> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Veranstaltung

> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Sa 21.09.

10:45

Gegenpositionen

Veranstaltung> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

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> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

So 22.09.

11:00

Gegenpositionen

Veranstaltung> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

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> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

So 29.09.

15:00

Gegenpositionen

Veranstaltung> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

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> Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Marienplatz 1/1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9265
kioer@museum-joanneum.at

 

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