Politische Landschaft

Interner Workshop // Research // Öffentliche Edition

14.08.-24.08.2014



Das Ausseer Land und seine Umgebung ist geographisch, historisch und soziologisch eine sehr besondere Region im markanten Salzkammergut. Die Berglandschaft birgt neben ihren malerischen Reizen auch eine kollektive politische Geschichte, die Mensch und Gegend nachhaltig geprägt hat. Sehr viele Aktivitäten für und gegen den Hitler-Faschismus sammelten sich Mitte der 1940er Jahre im heutigen Dreieck der Bundesländer Salzburg, Oberösterreich und Steiermark. Für Teile eines proto-partisanenartigen Widerstands wurden unzugängliche Bereiche des Hochgebirges zum mehrjährigen Rückzugsort. Nach dem Zusammenbruch des Regimes versteckten sich auch einige Nationalsozialisten für kurze Zeit in den Bergen oder lebten unerkannt in der Region. Wie unter einem Brennglas kulminierten die Ereignisse bis zum Mai 1945 um Kunstraub, Verrat, aktiven und passiven Widerstand, Flucht und Mord. Die Komplexität und Widersprüchlichkeit dieser Zeit hat normative Auswirkungen für unser politisches System bis heute, was immer weniger Menschen bewusst ist. 2015 jährt sich die Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Totalitarismus zum Siebzigsten mal. Nur wenige Zeitzeugen werden dann noch am Leben sein. Das Kunstprojekt Politische Landschaft ist der Versuch, das Thema Erinnerung und kollektives Gedächtnis im Kontext der spezifischen Landschaft des Salzkammerguts und seiner politischen Geschichte in mehreren Schritten neu zu platzieren. Ein Teil der Arbeiten wird im Tal, ein anderer Teil im Hochgebirge stattfinden. Ziel ist es, durch künstlerische Recherchen einen breiten regionalen Diskurs über die politische Geschichte der Region anzustoßen, der Fragen der Erinnerung, des Gedenkens und dem Politischen von Landschaft und Alltagskultur aus heutiger zeitgenössischer und künstlerischer Sicht anspricht.

 

Das Projekt ist in drei Abschnitte gegliedert:

 

14.-16.08.2014

Interner Workshop in Bad Mitterndorf mit regionalen Experten: Christian Dirninger, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Salzburg; Fritz Idam, HTBLA Hallstatt; Karin Hochegger, Gebietsbetreuerin Europaschutzgebiet Ausseerland; Herbert Gasperl, Gemeinde Grundlsee, Regionalentwicklung Ausseerland-Salzkammergut (angefragt); Alexander Prenninger, Ludwig-Boltzmann-Institut, Wien; Wolfgang Quatember, Zeitgeschichtemuseum Ebensee; Erika Selzer, Kammerhofmuseum Bad Aussee; Anton Strobl, St. Gilgen, Autor „Die Jahre im Heimatgau des Führers“, 2013, Salinen-Stipendiat 2010; Helmut Kalss, Altaussee, Historiker, wissenschaftliche Arbeiten zur „Oral History“; Christian Topf, Ebensee, Soziologe, Autor „Auf den Spuren der Partisanen“, 2006

 

sowie

transclaudia für die Mitschrift und Übersetzung (Johannes Schrettle und Max Höfler, Graz) Olaf Pascheit, Hamburg (Fotos)

  

Am 15.08.2014 von 19-21 Uhr wird das Projekt im Gemeindesaal Altaussee öffentlich vorgestellt.

 

17.-22.08.2014

Forschungsaufenthalt im Toten Gebirge (Blaa-Alm bis Albert-Appel-Haus), um Material und historische Orte zu sondieren.

  

Winter 2014 – Frühjahr 2015

Die Workshop-Ergebnisse aller Teilnehmer münden in ein Katalogbuch und Künstlereditionen. Das Buch enthält Landkarten und Informationen in Text und Bild. Die kleinformatigen Auflagenobjekte (Multiples) der Künstlerinnen und Künstler werden in den Bergen ab Frühsommer 2015 zugänglich sein. Sie sollen von einer Person im Rucksack getragen werden können. Weiter ist geplant Katalogbuch und Multiples im Grazer Kunsthaus auszustellen. Der Katalog wird bei Sternberg Press, Berlin, erscheinen.

  

KünstlerInnen
Clegg & Guttmann (IL)
Eva Grubinger (AU)
Florian Hüttner (DE)
Angelika Loderer (AU)
Susan Philipsz (GB)
Bojan Šarčević (RS)

 

Kunsttheorie
Kathrin Busch (DE) Martin Herbert (UK)

 

Idee: Eva Grubinger

 

Kuratiert und organisiert von Dirck Möllmann und Elisabeth Fiedler, Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, in Kooperation mit Günther Marchner, Kulturnetzwerk Salzkammergut, Bad Mitterndorf.

 

Ein Projekt des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark / Universalmuseum Joanneum in Kooperation mit dem Netzwerk Salzkammergut und unterstützt durch

 

 

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

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