1. Newsletter zum Projekt

Die klimatischen und naturräumlichen Voraussetzungen haben die Entwicklung der Landwirtschaft im nordöstlichen Slowenien und der südlichen Steiermark seit Tausenden von Jahren beeinflusst. Die dort lebenden Menschen entwickelten auf dieser Grundlage für ihre Ernährung regionale Besonderheiten. Das Projekt PalaeoDiversiStyria, betrieben von einem österreichisch-slowenischen Team unter der Leitung des Universalmuseums Joanneum, wird durch das Interreg-Programm SI-AT 2014-20 finanziert. Es verbindet die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Archäologie, Archäobotanik und Archäozoologie mit moderner Landwirtschaft und Tourismus.

ARCHÄOLOGISCHE AUSGRABUNGEN - SPANNENDE ERKENNTNISSE ÜBER DIE GESCHICHTE VON GROSSKLEIN

Im April führte das Universalmuseum Joanneum archäologische Ausgrabungen auf dem Areal unmittelbar neben dem eisenzeitlichen Fürstengrab „Kröllkogel“ durch. Dabei kamen spannende neue Erkenntnisse über die frühere Besiedlung von Großklein zutage. Die Archäologinnen und Archäologen konnten die Reste einer römerzeitlichen Villa aus dem 2.–3. Jahrhundert n. Chr. freilegen. Diese weiträumige Anlage hatte vermutlich nicht nur rein repräsentativen Charakter, sondern diente mit seinen Wirtschaftsgebäuden vor allem als landwirtschaftlicher Betrieb.

Funde aus dem frühen Mittelalter sind ein Hinweis auf die Besiedlung von Großklein um das 8. Jahrhundert n. Chr. Aus dieser Zeit sind bisher erst sehr wenige Fundstellen in der Steiermark bekannt. Bei den Ausgrabungen wurden frühmittelalterliche „Abfallgruben“ entdeckt, die gute Einblicke in das Leben der Menschen in dieser Zeit geben. Darin befanden sich mehrere Keramikstücke, aber auch Tierknochen, die Aufschluss über die Ernährung der Bevölkerung von Großklein im Frühmittelalter geben.

Als ein besonders außergewöhnlicher Fund kann ein Schöpflöffel aus der Jungsteinzeit gelten. Dieses Objekt, in der archäologischen Fachterminologie wird er aufgrund seiner Form als Tüllenlöffel bezeichnet, ist von besonderer Bedeutung, da es zu den derzeit ältesten bekannten archäologischen Funden aus Großklein und der Region gehört.

Die Archäologen und Archäologinnen legen die Reste der römischen Villa frei. Jeder Schritt wird genau dokumentiert. Foto: UMJ / M. Mele.

WO WIR IM JAHR 2017 NOCH AUF SPURENSUCHE GEHEN!

Auch die Archäologen und Archäologinnen des Zentrums für Präventive Archäologie in Ljubljana werden in Kürze Feldforschungen betreiben. Gegraben wird bei Čreta in der Nähe von Slivnica, wo Siedlungsspuren aus der Römerzeit, aber auch der Vorgeschichte erwartet werden. Weiters erforschen die Archäologen  und Archäologinnen an den Hängen des Pohorje eine spätbronzezeitliche Fundstelle mit Hinweisen auf metallurgische Tätigkeiten.

WAS DIE ERDE AUS ARCHÄOLOGISCHEN GRABUNGEN VERBIRGT?

Die archäologischen Felduntersuchungen enden nicht, wenn die Archäologen und Archäologinnen die Grabung abgeschlossen haben. Die bei den Grabungen gewonnen Proben werden in der Folge flotiert und trocken gesiebt. So können auch die kleinsten Funde wie etwa Holzkohlestückchen oder verkohlte Samen entdeckt werden. Obwohl es sich um winzige Funde handelt, haben sie eine große Aussagekraft. Sie können beispielsweise verraten, was die Menschen einst gegessen und wie sie ihre Nahrung zubereitet haben. Dank dieser Informationen können wir unser Wissen über die Ernährung- und Lebensgewohnheiten der Menschen in der (Vor-)Geschichte erweitern.

Katalogisierung von Pflanzenproben im Regionalmuseum Maribor. Foto: IPCHS.

ERSTE AUSSAAT VERGANGENER GETREIDESORTEN

Um interessierten Besuchern und Besucherinnen einen Eindruck von sehr ursprünglichen Kulturpflanzen, wie etwa Einkorn und Emmer, zu vermitteln, wurden in den Botanischen Gärten der Universitäten von Maribor und Graz Versuchs- und Schaufelder angelegt. Neben alten Getreidesorten soll der Schwerpunkt auf die Kultivierung von Arten gelegt werden, die möglicherweise früher in Nutzung standen, im Laufe der Jahrtausende jedoch weitestgehend in Vergessenheit gerieten. Die geernteten Feldfrüchte können sowohl für Versuche zur möglichen (prä-)historischen Nutzung also auch als Referenzmaterial für archäobotanische Untersuchungen herangezogen werden.

Zu diesem Zweck sind die ersten Paläopflanzen bereits ausgesät worden: seltene Arten von Gerste und Weizen. Nächstes Ziel ist es, diese Arten zu vermehren und sie anschließend der Öffentlichkeit vorzustellen. Parallel dazu läuft seit Dezember 2016 auch die systematische Bestimmung von Samen und Samenresten aus früheren Siedlungen sowie Flach- und Hügelgräbern. In den kommenden Monaten werden die Botanischen Gärten auch weiterhin Pflanzenmaterial sammeln, Samen und Pflanzenreste systematisch analysieren und die Arbeiten im neu erstellten Archäologischen Park fortsetzen. 

Getreideaussaat auf der Versuchsfläche im Botanischen Garten Graz. Foto: Ph. Resl.

Archäologiemuseum, Schloss Eggenberg

Eggenberger Allee 90
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9515
F +43-316/8017-9518
archaeologie@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
01. April bis 29. Oktober Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

14. Juli ausnahmsweise ab 14 Uhr geschlossen. 

1. November bis 31. Dezember 2017:
nur im Rahmen einer Führung und nach Voranmeldung zugänglich.    

 

Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender.