Vom Trauma zum Triumph

Austria barocca

Über Jahrhunderte haben die ständigen osmanischen Einfälle vor allem in Österreich ein tiefes Trauma hinterlassen. Erst die Siege des Prinzen Eugen bewirken ein Aufatmen, ein Gefühl der Befreiung von dauernder Gefahr. An die Stelle der Furcht tritt eine Stimmung des Triumphs. Die habsburgischen Kronländer Österreich, Ungarn und Böhmen erleben eine nie dagewesene Blüte der Kunst, die zunächst ganz im Banne italienischer Vorbilder steht. Bald jedoch treten junge einheimische Kräfte an die Spitze und emanzipieren sich von ihren italienischen Lehrern. Überall erheben sich Abteien, Pfarr- und Wallfahrtskirchen. So gewinnt ein ganzes Land eine neue Identität. Bis heute ist unsere Vorstellung vom Barock davon geprägt. Diese neue Kunst entsteht zum Ruhm des katholischen Glaubens. Architektur, Skulptur und Malerei verbinden sich zu Gesamtkunstwerken von überwältigender Wirkung.

Ölskizzen sind wichtige Vorstufen für die vielen Altarbilder und Fresken. Sie gewinnen eigenständige Qualität und werden bevorzugt gesammelt. In ihnen spiegelt sich die erste, spontane Bildidee – die prima idea.

Bildinformationen

Highlight

Verkündigung an Maria

Die Bildhauerkunst des Barock verfügt über eine ganze Skala mimischer und gestischer Haltungen, um den jeweils zum Inhalt der Erzählung passenden emotionalen Zustand auszudrücken. Daraus entwickelt sich ein lebhaftes Schauspiel, um die Zuschauer augenblicklich zu überzeugen, ja zu überwältigen. In dieser für die Grazer Dominikanerkirche St. Andrä gefertigten Skulpturengruppe zeigt die überraschte Maria erschrecktes Innehalten, um dann als „Magd des Herrn“ gläubige Ergebenheit in den Willen Gottes zu beweisen, während die Pose des Engels schon an den antiken Götterboten Merkur denken lässt. Daran erinnert auch der nach oben gereckte rechte Arm, ein Verweis auf den göttlichen Auftraggeber.

Ein bedeutender Auftrag setzte voraus, dass der Bildhauer außer handwerklichen und inhaltlichen Kenntnissen regelrechte Regiequalitäten besaß. Zudem musste er auf dem Gebiet der antiken Skulptur versiert sein. Veit Königer erfuhr an der Wiener Akademie bei Jakob Schletterer eine solche Ausbildung, die ihn in die Lage versetzte, in der Steiermark mithilfe eines großen Werkstattbetriebs eine Fülle geistlicher wie weltlicher Aufträge zu bewältigen.