Preisverleihung

Preisträger/innen

Kurzfilmwettbewerb GRENZE/N 2019

In Kooperation mit dem ORF Steiermark

 

Anlässlich des 100. Jahrestages der Vertragsunterzeichnung von Saint Germain und den darin festgelegten Grenzverläufen wurden aus einem Filmwettbewerb zum Thema Grenze/n drei 30 Sekunden-Filme juriert, die am 5.8. im ORF-Landesstudio feierlich prämiert wurden. 13 weitere ausgewählte Beiträge aus dem Wettbewerb wurden ebenso präsentiert.

 

Die Siegerfilme werden ab 10. September 2019 insgesamt 15 Mal unmittelbar vor der Sendung Steiermark heute ausgestrahlt.

 

Außerdem werden alle Siegerfilme sowie die Shortlist von 29. August bis 1. September im Rahmen des vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark veranstalteten Projektes Transborders im Zollamt in Bad Radkersburg gezeigt.

 


 

Preise & Jurybegründungen:

 

1. Preis: Borderline, Liddy Scheffknecht

Jurybegründung von Helmut Konrad

 

In der bipolaren Welt der Nachkriegsjahrzehnte waren Ost- und Westeuropa durch eine markante Linie geteilt, den Eisernen Vorhang. Wohl liegt etwa Prag westlich von Wien oder Graz, war aber „Osten“, Teil jener anderen politischen und kulturellen Welt.

Nunmehr fährt man von Litauen aus nach Westen, um in den „Osten“, in die russische Enklave Kaliningrad, zu gelangen, in die andere Welt und in die andere Zeitzone, die sich zwischen Polen und den Baltischen Staaten geschoben hat. Die Grenze, vor einigen Jahrzehnten eine bedeutungslose innersowjetische Linie, wurde wieder zur Scheidelinie. Sie durchschneidet willkürlich wie uns Scheffknechts Film zeigt  eine völlig einheitliche Kulturlandschaft. Wie eine Wunde hat sich die Grenze eingeschlagen. Der starre Blick vom Wachturm aus komprimiert zwei Tage in dreißig Sekunden und zeigt die traurige Sinnlosigkeit einer politisch begründeten Barriere inmitten eines vereinten Europas.

Borderline, Liddy Scheffknecht
1. Preis des Kurzfilmwettbewerbs 2019 zum Thema „Grenze/n“

 


 

 

2. Preis: The hamster, Magda Tothova

Jurybegründung von Helene Baur

 

In der 30-sekündigen Videoarbeit „The Hamster“ gelingt der Künstlerin Magda Tothova eine komplexe Sichtbarmachung von Grenzdefinitionen. Der ernsthafte Versuch, dem Protagonisten, einem dafür programmierten Spielzeughamster, durch Aufsagen das Alphabet beizubringen, wird durch dessen Nichtreaktion, Verweigerung bzw. der technischen Überforderung kontrastiert. Die Basis menschlicher Verständigung, die kulturelle Technik des Sprechens, dafür essenzielle Prozesse der Spracherlernung, begegnet einer nicht-reaktiven Projektionsfläche in Form des Spielzeughamsters. Lernt der Hamster nicht sprechen, ergibt sich für das mit diesem spielenden Kleinkind kein Fortschritt im eigenen Spracherwerb, es bleibt stummer Tierersatz. Anhand dieser Beobachtung und Dokumentation eines einfachen Beispiels eines unvorhergesehenes Fehlers schildert Tóthová in „The Hamster“ die Vielfalt der Bedingungen für Kommunikation und die weitreichenden Folgen im Falle ihres Scheiterns. Die drei im Video abwesenden Personen (Großmutter, Mutter, Kleinkind) und die Visualisierung ihres privaten Erlebnisses bilden den Hintergrund einer weitreichenden Analyse kommunikativer Interaktion der Gegenwart. Tóthová schafft hiermit aber zudem eine eindringliche Metapher des Warenflusses und dessen grenzüberschreitenden Verfügbarkeit für alle Modalitäten und Bedürfnisse zu jeder Uhrzeit, zeigt zugleich ein immerwährendes Klaffen zwischen technischem Fortschritt und menschlicher Ansprüche an künstlicher Intelligenz. Anhand dieses Videos, dieser Analyse einer kleinen (groß-)mütterlichen Geste werden Phänomene und Probleme des globalen Konsumwahns, des Niedriglohn- und Transportdumpings in der Spielzeugproduktion, weitreichende Negativfolgen für die Umwelt ebenso deutlich wie die generelle Komplexität von Spracherlernung seit jeher. 

 

 

Magda Tóthová, The hamster
2. Preis des Kurzfilmwettbewerbs 2019 zum Thema „Grenze/n“

 


 

 

3. Preis: Freiland, Andreas Haider

Jurybegründung von Peter Schernhuber

 

Realität und Satire scheinen angesichts tagespolitischer Wirren nicht immer treffsicher unterscheidbar.

 

„Mehr Power für unsere E-Zäune“, fordert die AFP, die Artgerechte Freiland Partei, in Andreas Haiders Clip. „Sichere Grenzen für unser Freiland“ ist auf einem politischen Werbeplakat, das inmitten einer Kuhweide steht, zu lesen. Parolen, die uns vertraut erscheinen. Was sie heißen sollen? Man weiß es nicht, es spielt auch keine Rolle. Die Fetisch-Begriffe „Grenze“ und „Zäune“ sind prominent genannt, das subjektive Sicherheitsgefühl wird adressiert, ein kollektives „Wir“ scheint konstruiert.

 

Andreas Haider überhöht, verfremdet und entstellt das absurde Vokabular der politischen Gegenwart zur Kenntlichkeit. Gewieft bespielt der Filmemacher die Klaviatur des Populismus. Er macht deutlich, dass sich Satire am Ende doch sehr deutlich von der tagespolitischen Realität abgrenzen lässt: Kunst und Satire nämlich erheben keinen Machtanspruch. Wo sie das tut, stellen sie sich in Dienst der Ideologie und werden zur Propaganda. Auch darauf weist Andreas Haiders kluger Clip hin und liefert so einen spitzen, treffsicheren Kommentar zu einem parteipolitischen, kommunikativen Handeln und einer Bildpolitik, die sich längst von jeglichem Erkenntnisgewinn verabschiedet haben.

 

Wir gratulieren zu dieser witzigen  man möchte sagen aberwitzigen Persiflage!

Andreas Haider, Freiland
3. Preis des Kurzfilmwettbewerbs 2019 zum Thema „Grenze/n“

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