Temporäre Projekte


ROSTFEST

2012

24.08.-25.08.2012



Kunst im öffentlichen Raum mit: Markus Jeschaunig, Viktor Kröll, Cooks of Grind, zweintopf.

 

Eisenerz ist eine traditionelle Bergbaustadt in der Obersteiermark. Der charakteristische Erzberg wird bis heute im Tagebau genutzt. Es wird mehr Material abgebaut als früher mit immer weniger Arbeitern. Eisenerz leidet deshalb seit Jahrzehnten unter Abwanderung und fehlenden Zukunftsperspektiven für seine Einwohnerinnen und Einwohner. Das Rostfest wurde 2012 nach jahrelanger Vorarbeit im soziokulturellen Bereich ins Leben gerufen und will als Kunstfestival über alle Disziplinen hinweg neue Potenziale der in Teilen verlassenen Bergbaustadt aktivieren. Kunst, Sozial- und Kulturarbeit gehen hier Hand in Hand. Der öffentliche und frei zugängliche Raum ist ein besonders wichtiger Platz für lebendigen Ausdruck und die Identifizierung der Bevölkerung mit ihrem Ort. Künstlerinnen und Künstler agieren direkt auf der Straße und den Plätzen der Stadt und wecken mit dem Rostfest die Lust auf Eisenerz. Musik, Theater, Kino, Performance und bildende Kunst geben Anlass, die Geschichte neu zu bewerten und vorhandene Strukturen anders zu denken.

 

Viele Festivalbesucherinnen und -besucher kommen erstmals oder auch wieder mal nach Eisenerz. Sie finden Unterkunft im Urban Camping, das leere Arbeitersiedlungen als improvisierte Übernachtungsquartiere nutzt. In der Stadt arbeiten die Künstlerinnen und Künstler eng mit den örtlichen Gewerbetreibenden und Handwerkern zusammen. Durch künstlerische Aktionen wird eine neue Aufmerksamkeit für traditionelle Werte und ihre Einrichtungen erzeugt – das ist wahrscheinlich der größte Gewinn dieser populären Auftritte im öffentlichen Raum.

 

Das Rostfest wurde mit dem Innovationspreis Leader Österreich 2013 für Kultur, Soziales und Natur im Auftrag des österreichischen Lebensministeriums ausgezeichnet. Dieser Preis belobigt Akteurinnen und Akteure für die Entwicklung ländlicher Regionen anhand innovativer und beispielhafter Projekte mit Beteiligung der Bevölkerung nach dem Bottom-up-Prinzip.

 

 

Markus Jeschaunig mit Claudia Gerhäusser

Re-light Eisenerz, 2012

Licht-Installation und Wasserkraft, Wasserrad, Generator, LED, Kabel

Markus Jeschaunig, geboren 1982 in Graz, lebt in Graz

Claudia Gerhäusser, Architektin, lebt in Graz

Im Trofengbach vor der alten Groggermühle installierten der Künstler und die Architektin unter tätiger Mithilfe örtlicher Handwerker ein Wasserrad, mit dem die Energie für eine Licht-Installation erzeugt wurde. Die rhetorische Frage des Festivals nach der neuen Energie und den Potenzialen des Ortes wurde durch Wasserkraft anschaulich dargestellt.

 

Viktor Kröll

Druckraum, 2012

Wandzeichnung

Viktor Kröll, geboren 1979 in Graz, lebt und arbeitet auf Schloss Schwarzenegg (Weitendorf)

Mit einer aufwändigen Zeichentechnik tastete Viktor Kröll die Wände eines Innenraums im Fisikatenhaus ab. In einer Hand hält er einen Zeichenstift mit spezieller schwarzer Tinte und stupft Punkt neben Punkt. So erwächst eine augenflirrende Wandzeichnung, die sich verdichtet und dann wieder dynamisch auseinanderläuft. Die Punkte bilden vereinzelt wiedererkennbare Motive ab, wie zum Beispiel den Terrassenberg von Eisenerz. Im Ganzen wird eine ätherische Raumzeichnung erschaffen, die sich erst im Auge der Betrachterinnen und Betrachter vollendet.

 

Cooks of Grind

Kombüse im Exil, 2012

Das Grazer Brachialkochkunstkollektiv versorgte die Bevölkerung von Eisenerz mit „Thunderbeans“ oder „Falschen Calamari“ in der Kombüse im Exil. Schmissige Spaßmusik gab es bis zum Abwinken und der Heavy-Metal-Frühschoppen auf dem Hügel über Eisenerz wurde zum morgendlichen Highlight für Katerkunden und Spätaufsteherinnen.

 

zweintopf

TamTam (Eisenerz Version), 2012

Acht Partyzelte ohne Hülle

Eva Pichler, geboren 1981 in Judenburg, lebt in Gniebing-Weißenbach

Gerhard Pichler, geboren 1980 in Friesach, lebt in Gniebing-Weißenbach

Die weißen Stangen billiger Partyzelte steckt das Künstlerduo zweintopf zu verschiedenen Skulpturen zusammen. Für Eisenerz entwarfen sie eine Struktur aus mehreren ineinander montierten Quadern, die sie wie einen quadrierten Kreis durch den Ort rollten. Die charakteristischen Trassen des Eisenerzberges bildeten einen deutlichen Kontrast zu den grazilen Wegwerfprodukten. Die Partyzelte sieht das Künstlerduo als Zeichen einer globalisierten Wirtschaft, die ihre natürlichen Ressourcen rücksichtslos ausbeutet.

 

Das Voyeur,

Wandgemälde in Eisenerz, 2012

Die Grazer Street-Art-Künstler malten auf einer alten Werbefläche in einer Nische mit Sitzbank ein Wandgemälde, das im Ort auf große Zustimmung stieß. Die Informationen zum Rostfest 2012 und das markante Logo sind im Bild mit der Landschaft verschmolzen. In Braun- und Ockertönen gehalten, weckt die Szenerie Erinnerungen und Wünsche nach einer idyllischen Welt, mit der sich alle einverstanden erklären.

 

 

Eisenerz im Film

Eine hundertjährige Filmgeschichte
1., 9., 16. und 30.08.2013, jeweils 19 Uhr, alter Tanzsaal, Eisenerz
Ein mehrwöchiger Bildungs- und Kunstfilmzyklus beschäftigt sich mit dem audiovisuellen Erbe der Stadt.

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Marienplatz 1/1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9265
kioer@museum-joanneum.at

 

Näheres zur Ausstellung und weiterführende Materialien

Homepage Leader Innovationspreis: http://www.netzwerk-land.at/lepreis2013/lepreisleader2013


Homepage ROSTFEST: www.rostfest.at  

 

www.eisenerZ-ART.at