Tamara Grčić

46 Farben


Eröffnung: 2014/2018

Tamara Grčić wurde vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum eingeladen, ein Kunstprojekt für die Stadt Graz und das Land Steiermark zu entwickeln. Ihr daraus entstandenes Projekt 46 Farben bestand aus drei Teilen und war an drei verschiedenen Orten zu sehen: im Naturkundemuseum (Joanneumsviertel, Graz), an einer Tuffsteinfelswand vulkanischen Ursprungs bei Klöch in der Südoststeiermark sowie im Stadtraum von Graz.

Tamara Grčić konzentrierte sich mit ihrem Skulpturprojekt auf die Sprache und die Erdwissenschaften der Steiermark. Intensive Recherchen im steirischen „Vulkanland“ zur Geogeschichte der Vulkane und dem heutigen Sprachgebrauch führten zu ihrem Projekt 46 Farben, das in der Mineraliensammlung des Joanneums seinen Anfang nahm. Der Mineraloge Werner erfand zu Beginn des 19. Jahrhunderts Farbbezeichnungen für kristalline Gesteinsproben. Heute hat diese fast poetische Ordnung historischen Wert. Die Künstlerin übersetzt seine Farbworte mit einem Videofilm in gesprochene Sprache, in 46 mundgeblasene Farbgläser und in flüchtige Kreideschriften im öffentlichen Raum, die in Zusammenarbeit mit Grazer Schulen entstanden sind. 

Die Recherche des Projekts unterstützten Dr. Ingomar Fritz (Erdwissenschaftler, UMJ), Dr. Bernd Moser (Mineraloge, UMJ), Dr. Peter Sackl (Zoologe und Ornithologe, UMJ), Univ.-Prof. Dr. Martin Prinzhorn (Sprachwissenschaftler, Universität Wien) und Dr. habil. Manfred Glauninger (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien), die Marktgemeinde Klöch sowie Schüler/innen dreier Klassen der BORG-Schule, der Modellschule und der Freien Waldorfschule mit ihren Lehrern. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen der Wissenschaftler, Abbildungen und Texten sowie einer Auswahl der Fotos der Jugendlichen.

 




Naturkundemuseum, Joanneumsviertel (mineralogische Sammlung)

Den Zusammenhang von Sprache und Geologie thematisiert Grčić anhand der historischen mineralogischen Sammlung des Universalmuseums Joanneum. Durch die naturwissenschaftlich-technische Expertise erlangte das Joanneum nach seiner Gründung 1811 schnell den Ruf einer ausgezeichneten Bildungs- und Forschungseinrichtung. Die Mineraliensammlung bildete ihr Herzstück, das mit prachtvollen Schrankvitrinen in zwei benachbarten Räumen klassifiziert und ausgestellt wurde. In einer der Vitrinen sind Mineralien farblich geordnet. Der Mineraloge A. G. Werner beschrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts kristalline Gesteinsproben anhand seiner Anschauung mit Farbbezeichnungen. Heute besitzen sie historischen Wert. Die Künstlerin nimmt seine Einordnung der Gesteine auf und übersetzt sie in gesprochene Sprache. Im Naturkundemuseum war dieser erste Teil ihrer Arbeit als Videofilm zu sehen.


Tuffsteinfelswand bei Klöch, Südoststeiermark

Der zweite Teil ihres Kunstprojekts ist in der Südoststeiermark zu sehen, einer geologisch hochinteressanten Region vulkanischen Ursprungs. Die Künstlerin hat in einer dortigen Tuffsteinfelswand, die in der letzten Vulkanphase vor ungefähr 2 Millionen Jahren entstand, eine ebenso behutsame wie sorgfältige Setzung mit handgefertigten Glaskugeln vorgenommen. Die farbigen Skulpturen schimmern leise oder erstrahlen für Momente im Sonnenlicht. Einzelne Stellen der Wand färben sich minutenlang im Rot, Blau, Gelb, Braun, Weiß oder Grün der 46 verschiedenen Farbtöne. Die Poesie der Worte schafft ein neues flüchtiges Farbspiel im naturbelassenen Zara-Wald bei Klöch. Die Besucher werden um einen respektvollen Umgang mit dieser einzigartigen Landschaft gebeten.

Die Arbeit erreichen Sie über den Jodischusterweg in Klöchberg bei Klöch, den Sie dann weiter in den Wald folgen. Hinweisschilder im Wald weisen Ihnen zusätzlich den Weg. Die offizielle letzte Adresse an dieser Zufahrtsstraße ist: Klöchberg 52 in 8493 Klöchberg.


Stadtraum von Graz

Mit dem dritten Teil kehrt das Kunstprojekt wieder in den urbanen und öffentlich zugänglichen Stadtraum von Graz zurück. In Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern der BORG-Schule, der Modellschule und der Freien Waldorfschule stellte Tamara Grčić das Projekt Schulklassen vor. An die Jugendlichen erging die Bitte, im Lauf der Zeit die 46 Farbworte aus der Mineraliensammlung mit Kreide an unterschiedliche Stellen ihrer Wahl im öffentlichen Raum auf Wände, Straßen oder Mauern zu schreiben. Sie erhielten ein kleines Heftchen mit den 46 Farben und Kreide. Die Farbworte verteilten sich im Lauf der Zeit im Grazer Stadtraum, verschwanden wieder und wurden von den Schülerinnen und Schülern fotografiert. 

 

- Dirck Möllmann

 



Neuadaption 2018

Die Arbeit 46 Farben wurde als temporäres Projekt geplant und war 2014 neben Klöch ebenso im Naturkundemuseum im Joanneumsviertel, Graz, sowie vorübergehend im Stadtraum von Graz zu sehen und zu hören. Auf Wunsch vieler Bürger/innen von Klöch wurde der Antrag auf einen permanenten Verbleib der Installation in der Südoststeiermark genehmigt. Aus diesem Anlass wurden 2018 alle mundgeblasenen Glaskugeln gereinigt und reflektieren im neuen Glanz im Sonnen- und Mondlicht. Zur Feier der Neuadaption der Arbeit an der Tuffsteinwand wurde herzlich eingeladen.

 

 

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

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