Tamara Grčić

46 Farben, 2014/2018

13.09.-31.12.2018 -22:59



Tamara Grčić wurde vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum eingeladen, ein Kunstprojekt für die Stadt Graz und das Land Steiermark zu entwickeln. Ihr daraus entstandenes Projekt 46 Farben bestand aus drei Teilen und war an drei verschiedenen Orten zu sehen sein: Im Naturkundemuseum (Joanneumsviertel, Graz), an einer Tuffsteinfelswand vulkanischen Ursprungs bei Klöch in der Südoststeiermark sowie im Stadtraum von Graz.


Naturkundemuseum, Joanneumsviertel (mineralogische Sammlung)

Den Zusammenhang von Sprache und Geologie thematisiert Grčić anhand der historischen mineralogischen Sammlung des Universalmuseums Joanneum. Durch die naturwissenschaftlich-technische Expertise erlangte das Joanneum nach seiner Gründung 1811 schnell den Ruf einer ausgezeichneten Bildungs- und Forschungseinrichtung. Die Mineraliensammlung bildete ihr Herzstück, das mit prachtvollen Schrankvitrinen in zwei benachbarten Räumen klassifiziert und ausgestellt wurde. In einer der Vitrinen sind Mineralien farblich geordnet. Der Mineraloge A. G. Werner beschrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts kristalline Gesteinsproben anhand seiner Anschauung mit Farbbezeichnungen. Heute besitzen sie historischen Wert. Die Künstlerin nimmt seine Einordnung der Gesteine auf und übersetzt sie in gesprochene Sprache. Im Naturkundemuseum wird dieser erste Teil ihrer Arbeit als Videofilm zu sehen sein.


Tuffsteinfelswand bei Klöch, Südoststeiermark

Der zweite Teil ihres Kunstprojekts ist in der Südoststeiermark zu sehen, einer geologisch hochinteressanten Region vulkanischen Ursprungs. Die Künstlerin hat in einer dortigen Tuffsteinfelswand, die in der letzten Vulkanphase vor ungefähr 2 Millionen Jahren entstand, eine ebenso behutsame wie sorgfältige Setzung mit handgefertigten Glaskugeln vorgenommen. Die farbigen Skulpturen schimmern leise oder erstrahlen für Momente im Sonnenlicht. Einzelne Stellen der Wand färben sich minutenlang im Rot, Blau, Gelb, Braun, Weiß oder Grün der 46 verschiedenen Farbtöne. Die Poesie der Worte schafft ein neues flüchtiges Farbspiel im naturbelassenen Zara-Wald bei Klöch. Die Besucher werden um einen respektvollen Umgang mit dieser einzigartigen Landschaft gebeten.

Die Arbeit erreichen Sie über den Jodischusterweg in Klöchberg bei Klöch, den Sie dann weiter in den Wald folgen. Hinweisschilder im Wald weisen Ihnen zusätzlich den Weg. Die offizielle letzte Adresse an dieser Zufahrtsstraße ist: Klöchberg 52 in 8493 Klöchberg.


Stadtraum von Graz

Mit dem dritten Teil kehrt das Kunstprojekt wieder in den urbanen und öffentlich zugänglichen Stadtraum von Graz zurück. In Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern der BORG-Schule, der Modellschule und der Freien Waldorfschule stellte Tamara Grčić das Projekt Schulklassen vor. An die Jugendlichen erging die Bitte, im Laufe der Zeit die 46 Farbworte aus der Mineraliensammlung mit Kreide an unterschiedliche Stellen ihrer Wahl im öffentlichen Raum auf Wände, Straße oder Mauern zu schreiben. Sie erhielten ein kleines Heftchen mit den 46 Farben und Kreide. Die Farbworte verteilen sich im Laufe der Zeit im Grazer Stadtraum, verschwinden wieder und werden von den Schülerinnen und Schülern fotografiert. Das Institut für Kunst im öffentlichen Raum sammelt diese Aufnahmen und macht sie im Internet zugänglich.   

 

Dirck Möllmann

 

 

Neuadaption 2018

Die Arbeit 46 Farben wurde als temporäres Projekt geplant und war 2014 neben Klöch ebenso im Naturkundemuseum im Joanneumsviertel, Graz, sowie vorübergehend im Stadtraum von Graz zu sehen und hören. Auf Wunsch vieler Bürger*innen von Klöch wurde der Antrag auf einen permanenten Verbleib der Installation in der Südoststeiermark genehmigt. Aus diesem Anlass wurden 2018 alle mundgeblasenen Glaskugeln gereinigt und reflektieren im neuen Glanz im Sonnen- und Mondlicht. Zur Feier der Neuadaption der Arbeit an der Tuffsteinwand wurde herzlich eingeladen.

 

 

Tamara Grčić konzentrierte sich mit ihrem Skulpturprojekt auf die Sprache und die Erdwissenschaften der Steiermark. Intensive Recherchen im steirischen „Vulkanland“ zur Geogeschichte der Vulkane und dem heutigen Sprachgebrauch führten zu ihrem Projekt 46 Farben, das in der Mineraliensammlung des Joanneums seinen Anfang nahm. Der Mineraloge Werner erfand zu Beginn des 19. Jahrhunderts Farbbezeichnungen für kristalline Gesteinsproben. Heute hat diese fast poetische Ordnung historischen Wert. Die Künstlerin übersetzt seine Farbworte mit einem Videofilm in gesprochene Sprache, in 46 mundgeblasene Farbgläser und in flüchtige Kreideschriften im öffentlichen Raum, die in Zusammenarbeit mit Grazer Schulen entstanden sind. 

 

Die Recherche des Projekts unterstützten Dr. Ingomar Fritz (Erdwissenschaftler, UMJ), Dr. Bernd Moser (Mineraloge, UMJ), Dr. Peter Sackl (Zoologe und Ornithologe, UMJ), Univ.-Prof. Dr. Martin Prinzhorn (Sprachwissenschaftler, Universität Wien) und Dr. habil. Manfred Glauninger (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien), die Marktgemeinde Klöch, sowie SchülerInnen dreier Klassen der BORG-Schule, der Modellschule und der Freien Waldorfschule mit ihren Lehrern. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen der Wissenschaftler, Abbildungen und Texten sowie einer Auswahl der Fotos der Jugendlichen.

 

Tamara Grčić (*1964 in München, lebt in Frankfurt/Main) studierte Kunstgeschichte in Wien, Kulturanthropologie in Frankfurt und an der dortigen Städelschule bei Peter Kubelka. Ausstellungen u. a. im Kunstraum Dornbirn (2004), Fotohof Salzburg (2009), zur Venedig-Biennale (2009) mit ihrer Installation Gaggiandere in den Arsenale, im öffentlichen Raum der Stadt Frankfurt (2011), beim Skulpturenprojekt kunstwegen (2012) und in der Städtischen Galerie Nordhorn (2013). 

 

 

Eröffnung

Sonntag, 14.09.2014, 12 Uhr

Naturkundemuseum Joanneumsviertel / Mineralogie

 

Feier anlässlich der Neuadation

Donnerstag, 13.09.2018, 17.30

Treffpunkt: Gasthof Palz, Klöch

 

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Marienplatz 1/1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9265
kioer@museum-joanneum.at

 

 

Sonntag, 14.09.2014, ab 13.30 Uhr Busshuttle nach Klöch.

 

In unmittelbarer Nähe zum Steinbruch wird ein kleines Fest mit Wein und Musik im Frühherbst gefeiert.

 

Rückkehr ca. 19 Uhr

 

Eintritt und Shuttle frei.

 

 

Um Anmeldung wird gebeten bis 07.09.2014 unter kioer@museum-joanneum.at.