clubblumenLodge No. 2

Flora N. Galowitz (aka Flora Neuwirth)

30.06.2018 16:00-17:30




Ein Pavillon für Schwanberg (Gartencafé)
ein Projekt von Flora N. Galowitz & clubblumen- Kunstverein


Dauer: 30.06. – 18.08.2018


Eröffnung
Sa 30.06.2018, 16.00

Park am at Forstweg (vis-à-vis Forstweg 21),
8541 Schwanberg, Südweststeiermark

 

Parkmöglichkeiten: Freibad Schwanberg,
Forst 16, 8541 Schwanberg


Begrüßung: Bgm. Karlheinz Schuster
Einführung: Elisabeth Fiedler


Am Piano: Michael Klaar


Im Anschluß following: 19.00 Ausstellungseröffnung Flora N. Galowitz in der at the Rondell-Gallery, www.rondell-gallery.at
Raiffeisengasse 1, 8541 Schwanberg

 


 

Termine:

Sa 07.07.2018, 16.00 – 20.00
Das Unbehagen
Summer Tale, ein Film von Petra Sterry


Sa  14.07.2018, 16.00 – 20.00
Women of Knowledge
Bar Vulkan@clubblumenLodge mit Claire Lenspector‘s Pendulum
Room und Psycho Active Mushroom


Sa 21.07.2018, 16.00 – 20.00
Swan Mountain College 1
Bildhauerei wie gesagt – mit Manuel Gorkiewicz, Marlene Hausegger, Lotte Lyon, Pia Steixner


Sa 28.07.2018, 16.00 – 20.00
Lass uns eine Bande von Scharlatanen spielen
unszenische Lesung aus dem clubblumen Gesprächsbuch in 3 Akten
mit Flora N. Galowitz, Wilhelm Gockner, Hanno Millesi, Stefan Sandner, Christian Wallner


Sa 04.08.2018, 16.00 – 20.00
Swan Mountain College 2
Malerei wie gesprochen – mit Stefan Sandner, Rita Vitorelli, Christian Wallner


Sa 11.08.2018, 16.00 – 20.00
Über die ästhetische Erziehung des Menschen
Skype/Whatsapp Talk zu Schiller mit Christian Kobald


Sa 18.08.2018, 16.00 – 20.00
M.O.G. (Mothers of God)
Katrin Plavčak & Ulrika Segerberg, Nähmaschinen Live-Elektronik


 

clubblumenLodge No. 2

 

Ortlosigkeit im Sinne von Utopie bei gleichzeitig exakter Setzung an spezifischen Orten, Überschreitung von Grenzen und Trennlinien zwischen Kunst und Leben, Hoch- und Alltagskultur bei gleichzeitiger Präzisierung einzelner Acts sind nur zwei scheinbare Gegensatzpaare im Denken und Arbeiten von Flora N. Galowitz. So thematisiert sie beispielsweise auch entgegen merkantiler Erfolgsstrategien bei gleichzeitigem firmenmäßigem Agieren Vorstellungen kapitalistisch geprägter Dynamiken, um neue Möglichkeiten menschlichen Zusammenwirkens künstlerisch auszuloten. Bewusst greift sie auf Avantgarde-Ideen der 1920er und 1930er Jahre zurück, in denen Kunst und Leben miteinander verschmolzen werden sollten, Architektur, Kunst, Mode und Design, gemeinschaftliche Organisation von Kindergärten,  Schulen, Wohnen, Essen, in Einrichtungsgegenständen, Mobiliar und vernetztem Wohnbau von Bauhaus bis De Stijl entwickelt wurden. In Referenz darauf entwickelt sie 1995 fnsystems als modulares Farb- und Formvokabular, in dem statt der subtraktiven Grundfarben Rot, Gelb und Blau zeitgemäß jene des digitalen Drucksystems, Cyan, Magenta, Yellow und Pantone Grün als Basis in ihrer Arbeit eingesetzt werden. Dabei geht es stets um die Befragung künstlerischer und gesellschaftlicher Strategien.

 

Nicht den Gesetzen des Kunstmarktes und der Gewinnmaximierung folgen wollend beruft sie sich auf Gordon Matta Clarks 1971 begründetes und vier Jahre dauerndes Projekt food, einem allein von Künstler_innen organisierten Lokal in New York, Soho, als soziale Utopie. Beschäftigte sich bereits Filippo Tommaso Marinetti in The Futurist Cookbook, dem Manifest von 1932, mit dem Zusammenhang von Kochen, Gesellschaft und Politik, spielt Essen auch bei Allan Kaprow zu Beginn der 1960er Jahre eine immer größere  Rolle. So baute er 1970 in der Nähe der Berliner Mauer in einem Happening eine Mauer aus Brot. Rirkrit Tiravanija wird in den 1990er Jahren New Yorker Galerien in Küchen umwandeln.

 

Wurden kooperative und offene Strukturen als factory bei Andy Warhol oder als Büro bei Martin Kippenberger weitergeführt, wählt Flora N. Galowitz den Titel Club. Der poetische Wortteil blumen entstammt dem von der Künstlerin  gefundenen Ort, einem aufgelassenen Blumengeschäft. Assoziationen zu Blumenkindern der 1960er Jahre oder dem ziellosen Schlendern, dem dérive der Situationisten, sind beabsichtigt.

 

In ihrem Projekt clubblumen, begonnen 2007, in dem sie das Konzept der Verbindung kommunalen Lebens mit Kunst als Prozess in einem dezentralen Wiener Bezirk umsetzt, öffnet sie Raum nicht nur im örtlichen Sinn. Kochen, Performance, Lesungen, Konzerte, Gespräche erweitern Kommunikations- und Handlungsräume zur sozialen Plastik.

 

In einem weiteren Schritt löst sie ihre Arbeit aus der Adaption vorhandener Räume und kreiert mit clubblumenLodge No. 1 eine autonome freistehende Multifunktionsarchitektur. Zwischen Kulturhaus, Campingplatz und einem Theater- und Veranstaltungssaal in Loosdorf in Niederösterreich platziert sie 2011 einen Pavillon als Bauwerk, in dem Kunst und Alltag ineinander übergehen. So konnte man in dieser variablen Architektur übernachten, sie als Bühne bespielen oder als Diskussionsforum nutzen. Auch die Wurzeln funktionaler Skulptur aus den 1960er Jahren, wie bei Scott Burton, der Skulptur, Möbel und Performance untereinander austauschbar werden, Kreativität, Kunst und Leben ineinander übergehen ließ oder bei Siah Amajani, dessen Anspruch von Kunst im öffentlichen Raum auf lokalen Bedingungen, Möglichkeiten und deren kommunikativen Fähigkeiten basierte, werden nicht verwischt,  sondern deutlich sichtbar.

 

Flora N. Galowitz setzt bewusst hier an, stellt Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten einen Raum zur Verfügung, lädt zum Denken, Mitgestalten und zu Austausch ein, um  neue alternative Gesellschaftsstrukturen entfalten zu lassen. Trotz der Allgemeingültigkeit ihrer Intentionen wählt sie stets spezifische Orte für Ihre Vorhaben und entspricht damit einem Verständnis zur Offenheit der Gesellschaft im Allgemeinen bei gleichzeitiger Achtung des Besonderen und Einzelnen. Eng verbunden ist dieses Denken mit dem Verhältnis von Geschichte als Bedingung für differenzierte Gesellschaftsstrukturen und manifeste Architekturen mit der persönlichen Geschichte. Dem Denken Herman Melvilles folgend, demzufolge alle Wege wieder an ihren Ursprungsort zurückführen und im Sinne der Dezentralisation setzt Flora N. Galowitz die neueste Arbeit in ihren Geburtsort Schwanberg in der Südweststeiermark. Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte, die in ähnlicher Form viele von uns in sich tragen und die Fragen nach Herkunft, Migration, Umwertung oder Fremdheit, nach Identität, deren Löschung durch Umbenennung, Neufindung, Geschlechtergerechtigkeit und Markttauglichkeit stellt, thematisiert Flora N. Galowitz über ihren Nachnamen: Ihr 1906, damals noch in der Habsburger Monarchie, geborener kroatischer Großvater hieß Galowitz. In der Geburtsurkunde vermerkt mutierte der Name zu Galović und wurde schließlich in Gallowitsch eingedeutscht. Dieser sprachlichen Metamorphose, bedingt durch historische Ereignisse, zieht Flora Neuwirth eine weitere Schleife ein, fügt den ursprünglichen Familiennamen ihrem hinzu bzw. löscht zeitweilig jenen, unter dem sie geboren, ihre Identität festgelegt wurde und sie als Künstlerin reüssiert. Im Wissen um die englische Tradition der Öffnung privater Gärten, Parks und Schlösser an Wochenenden, an denen Kaffee und Kuchen geboten wird und in Erinnerung der eigenen Kindheit, des Bauens von Baumhäusern, des Landlebens, der floralen Umgebung und des eigenen Namens erschließt sie eine neue Verbindung von Privatheit und Öffentlichkeit.

 

Sie setzt eine variable 4,50m x 3m x 2,50m messende durchlässige und offene Struktur, bestehend aus einer Art Gerüst aus Fichtenkantholz, den Sommer über auf ein Rasenstück der Gemeinde. Einzelne Flächen, bestehend aus bemalten Sperrholzplatten oder bezogen mit Stoff und Farbfolien sind flexibel, dreh- und wendbar. Flatternde Hängebahnen können ebenso wie die Dachplane je nach Stimmung, Anforderung oder Wetterlage ein- oder ausgerollt werden. Diese leichte zeltartige Konstruktion ist als Architektur, als Skulptur, als designter Pavillon, als offenes Zelt als autonome Arbeit während der Woche zu lesen. An acht Samstagnachmittagen hostet und kuratiert die Künstlerin den Ort, offeriert uns als willkommenen Gästen Kaffee und Kuchen. Sie lädt Künstler_innen und Theoretiker_innen ein, zu konzertieren, zu bildhauern, Räume zu schaffen, zu malen, szenische Lesungen aufzuführen, Vorträge und Symposien zu halten, einen Barbetrieb zu inszenieren, Filme zu screenen.


Wir alle sind unter der poetischen Textzeile Time takes a cigarette von David Bowie, der nicht behaupten will, sondern nach Sinn fragen lässt, eingeladen, daran teilzuhaben, die Struktur zu erleben und zu erweitern.


Elisabeth Fiedler

Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Marienplatz 1/1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9265
kioer@museum-joanneum.at