Michael Heindl, Heavens Devils Afternoons

Ausstellung im Kunstraum L201

08.10.-09.10.2021 15:00-20:00


Ort: Studenzen 99, 8322 Studenzen

ACHTUNG neuer Termin: 8.-9.10.2021


Die Arbeit Heavens Devils Afternoons beschäftigt sich mit der Spannung zwischen sozialen und geschlechtlichen Rollenzuteilungen und dem individuellen Entscheidungspotenzial über die Art und Weise, diesen Rollen gerecht zu werden. In der filmisch festgehaltenen Aktion treffen zwei konträre Welten aufeinander. Sie handelt von der Möglichkeit, durch und mit den Mitteln des Alltäglichen gegen Konventionen aufzubegehren. 
 

Auf der einen Seite der Handlung steht die unaufgeregte Umgebung eines klassischen Einfamilienhauses im Siedlungsgebiet, mit Thujen-Hecke, Ziergarten und Spitzenvorhängen. Hier befindet sich auch der Lebensmittelpunkt der Protagonistin, einer Seniorin, die rein äußerlich der räumlichen Umgebung klischeehaft zu entsprechen scheint. Ohne die Person zu kennen, lässt sich die Geschichte einer Frau erahnen, die lebenslang alle geschlechterspezifischen Erwartungen und Konventionen erfüllt hat. Der Film beginnt wie eine Milieustudie, wie die Dokumentation über einer Person die ist, was sie zu sein hat: Seniorin, Gärtnerin und, wie im Film zu beobachten, Hobbymalerin.
 

Erst zum Ende des Films hin wird klar, dass die Protagonistin diese Tätigkeiten nicht unhinterfragt übernimmt. Sie weiß über die Bedeutung ihrer Handlungen genau Bescheid und versteht sie aus diesem Grund geschickt einzusetzen. Der Akt der vermeintlichen Freizeitmalerei im Gartenidyll, hat nichts mit Entspannung oder Selbstfindung durch kreatives Gestalten zu tun. Das eigene Unvermögen und der Dilettantismus im Umgang mit der eingesetzten Maltechnik ist reines Kalkül. Er dient nicht der Verschönerung des Bildträgers, sondern zu dessen Entweihung.
 

Dies wird schlagartig klar, wenn im Film gezeigt wird, welcher konträren Welt sich die Seniorin durch ihre Aktion entgegenstellt. Die Art ihres Widerstands ist nicht laut und brutal, sie ist subtil und das Ergebnis bleibt am Ende sogar unsichtbar. Seine Stärke erlangt die Aktion durch diejenigen, die darüber Bescheid wissen, was es mit dem eigenartig geformten Bildträger auf sich hat. Soviel sei vorab verraten: Gänseblümchen-Expressionismus trifft auf „Sympathy for the Devil“.

Eine Arbeit von Michael Heindl.
 

Alfred Lenz, L201 / Foto: Alfred Lenz
Projekt, Temporäre Installation

Alfred Lenz

L201

24.06.-08.10.2021 > Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark

Kunstraum an der Landesstrasse 201 in Studenzen. mehr...

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