Kunst und Kenner

Im Kabinett des Sammlers

Ein besonders elitäres Vergnügen ist das Sammeln von Kunst. Wer Kunst sammelt, beweist sich vor der Welt: Er zeigt umfassende Bildung und exquisiten Geschmack, aber auch Vermögen und sozialen Status. Die früher geringer geachteten Gattungen der Kunst, Landschaft, Genre und Stillleben, finden im späten Barock die Wertschätzung des Sammlers. Gemälde im kleinen Format füllen Schlösser und Patrizierhäuser. Dort werden Bilderkabinette eingerichtet und stolz gezeigt. Wie die Salons der Zeit sind sie Orte des Kunstgesprächs und Zentren einer neuen bürgerlichen Sammelkultur.

Der Kenner schätzt besonders die ländliche Idylle, die das zumeist harte Leben der Bauern sanft verklärt. In Wien ist es vor allem Franz de Paula Ferg, dessen Bilder den Zeitgeschmack genau treffen. Vor allem höchste technische Präzision wird gefordert. Vorbild ist die Feinmalerei holländischer Meister, die im Kerzenlicht schimmernden Glanz verbreitet.

Bildinformationen

Kunstwerke im Überblick

Luxusware und Lieferant – der arrivierte Künstler

Im Spätbarock, dem Zeitalter der Galanterie und Luxusproduktion, verlangt ein wählerisches Publikum nach exquisiten Bildern. Die großen Themen mit mahnender Aussage treten nun zurück. Erwünscht ist jetzt alles, was leicht, elegant und geistreich ist. In vielen Zentren Europas hat sich ein Kunstmarkt herausgebildet. Der Maler ist selbst ein Spezialist, oft ein weitgereister Mann von Ruf. Der erfolgreiche Künstler tritt nicht mehr als Handwerker, sondern als arrivierter Herr auf. Seinen Beruf übt er mit routinierter Hand aus, die keine Anstrengung verrät, wie die ungezwungene, aber teure Hauskleidung zeigt: das negligé. Mit ironischem Lächeln tritt er mit seinem Gegenüber in Kontakt, als wollte er auf Augenhöhe mit ihm ein Kunstgespräch führen.

Landschaften en gros – der Traum von Arkadien

Künstler überqueren die Alpen, um im Süden ihr Traumland zu finden. Adelige brechen zur Grand Tour auf, der obligaten Bildungsreise. Sie alle sind viele Jahre lang unterwegs. Die ständigen Reisen erweitern buchstäblich den eigenen Horizont. Ein neuer Bildtypus entsteht: die dekorative Landschaft, ein Fantasieprodukt, bereichert um Beobachtungen und Erinnerungen, wie es als Wandschmuck tausendfach wiederholt wird. Immer wieder sind Ruinen zu sehen, gefeierte Zeugen antiker Größe oder traurige Hinterlassenschaft vergangener Kriege. Davor tummelt sich malerisch wirkendes Landvolk: Bauern und Hirten, deren harte Lebensbedingungen ausgeblendet werden. So lebt im Norden der Traum vom antiken Arkadien fort, Schauplatz einfachen, aber ungekünstelten Lebens. Wer Grundbesitzer ist, ahmt solche Orte auf eigenem Boden nach: Der Landschaftsgarten, in England erfunden, findet lebhafte Nachfolge.