Rembrandt

Radierungen

15.09.-12.11.2006 10:00-18:00



Der Geburtstag Rembrandts (1606 – 1669) jährt sich heuer zum 400. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Kupferstichkabinett der Alten Galerie mehr als einhundert Radierungen des Künstlers aus den hauseigenen Beständen. Diese decken seine Schaffenszeit von 1628 bis 1665 ab.


Wie kein anderer Künstler zuvor setzte er sich intensiv mit der Radierung und speziell mit der sog. Kaltnadel (Tiefdruckverfahren) auseinander. Beide Techniken wurden von Rembrandt bis zur Vollkommenheit entwickelt und stellen das adäquate druckgraphische Medium für den Künstler dar. Seine graphischen Arbeiten sind nicht bloß Skizze, Studie oder Reproduktion, sondern eine durch außergewöhnliche Ausdruckskraft und künstlerischen Geist charakterisierte Bildkunst. Für ihn ist die Kupferplatte wie ein Blatt Papier, auf das er seine Zeichnung wirft. Mit den lockeren, einerseits dichtgesetzten Linien, andererseits aber schnell gezogenen Konturen erreicht er die für ihn so typischen malerischen Effekte in Hell-Dunkel-Kontrasten.


Vorgestellt wird das druckgraphische Œuvre Rembrandts in seiner ganzen thematischen Vielfalt von insgesamt neun Bereichen: In seinen Selbstporträts studierte der Künstler Emotionen, Charaktereigenschaften und historische Kostümierung an der eigenen Person. Der Betrachter kann so über die Jahre hinweg Rembrandts Altersstufen von der Jugend bis zum Greis verfolgen.


Parallel dazu geben variantenreiche Porträts von Persönlichkeiten aus der Amsterdamer Gesellschaft einen Einblick in Alltags- und Geschäftsleben der damaligen Zeit. Rembrandt besitzt kein formales Schema für Porträts, sondern behandelt jede Darstellung wie die Person selbst: individuell. Im Mittelpunkt stehen sogenannte „sprechende Porträts", die wie eine Momentaufnahme aus der persönlichen Sphäre des Abgebildeten wirken.


Rembrandts schnelle, lockere Linienführung zeigt sich vor allem in den Figurenstudien. Mit einer Selbstverständlichkeit ohnegleichen zeichnete der Künstler in souveräner Handhabung der Radiernadel Bettler, Bauern, Greise etc. Die so aus dem Leben gegriffenen Gestalten können wiederum Eingang in die Historiendarstellungen wie Altes und Neues Testament oder Mythologie und Literatur finden. Im Gegensatz zur bisherigen druckgraphischen Tradition schuf Rembrandt keine Zyklen oder Reihen. Jedes Bild spricht für sich und stellt einen nachvollziehbaren, besonderen Moment aus einem Geschehen dar. Rembrandts Beschäftigung mit den Evangelien gipfelte im sogenannten Hundertguldenblatt (vollendet 1649), einem der berühmtesten graphischen Kunstwerke überhaupt.


Im Gegensatz zu den figurenreichen gesellschaftlichen Darstellungen des Stadtlebens stehen die holländischen Landschaften im klassischen Breitformat für idyllische Ruhe mit pittoresken Bauernhäusern und detaillierten Schilderungen des Landlebens. Die dargestellten Orte sind zum Großteil authentisch. Dennoch hält sich Rembrandt nicht an eine topographische Genauigkeit. Er kombiniert verschiedene Motive und verbindet selbst die holländische Ebene mit der oberitalienischen Berglandschaft, obwohl er selbst nie in Italien war.


Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog. Neben der kunsthistorischen Besprechung der Einzelobjekte liegt der Schwerpunkt auf der Sammlungsgeschichte und der Wasserzeichenforschung. Der Großteil der Sammlung stammt aus dem Legat des Wieners Joseph Ritter von Heintl (1807 – 1871), der vor allem hochwertige Abzüge auswählte. Aufgrund von Sammlerstempeln lassen sich Besitzvermerke bis zu Rembrandts Lebzeiten zurückverfolgen.


In Zusammenarbeit mit der Akademie der bildenden Künste in Wien wurden 41 Wasserzeichen in Röntgenaufnahmen festgehalten, die im Katalog in Originalgröße abgebildet sind. Diesem Fachbereich widmet sich ein ausführlicher Artikel über Herstellung und Handel von Druckpapieren in Holland im 17. Jahrhundert.


Alte Galerie, Schloss Eggenberg

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8020 Graz, Österreich
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